Globale Märkte können Hunger nicht stoppen

Es gebe weltweit genügend Nahrungsmittel für alle, jedoch bleiben viele vom Zugang dazu ausgeschlossen, kritisieren "Brot für die Welt" und "FIAN". Foto: wikimedia/Jan Reschuh
Es gebe weltweit genügend Nahrungsmittel für alle, jedoch bleiben viele vom Zugang dazu ausgeschlossen, kritisieren "Brot für die Welt" und "FIAN". Foto: wikimedia/Jan Reschuh

„Brot für die Welt“ und „FIAN“ legen Ernährungsbericht vor

Wien (epdÖ) – Zehn Jahre nach der weltweiten Nahrungsmittelpreiskrise steigt die Zahl der Hungernden wieder. Die jüngsten Statistiken der Vereinten Nationen belegen: 815 Millionen Menschen leiden an chronischem Hunger. Das sind rund 38 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Anlässlich des Welternährungstages am Montag, 16. Oktober, legen „Brot für die Welt“ und das „FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk“ (FIAN) die zehnte Ausgabe des „Right to Food and Nutrition Watch“ vor. Die Publikation analysiert die Fehlentwicklung im Ernährungssystem und zeigt Wege aus der Krise auf.

Für die Hungerkrise in den Jahren 2007 und 2008 sowie die folgenden sozialen Unruhen sehen die beiden Organisationen eine Vielzahl von Ursachen: Zentrale Probleme seien die erzwungene Öffnung der Agrarmärkte in Ländern des globalen Südens, die Spekulation mit Nahrungsmitteln, die Dominanz des industriellen Ernährungssystems und die dadurch verursachte Verdrängung kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Keines dieser Probleme sei in den vergangenen zehn Jahren gelöst worden. In ihrem Bericht konstatieren Brot für die Welt und FIAN mangelndes Interesse vieler Regierungen, sich um Arme und Hungernde zu kümmern, die Diskriminierung dieser Bevölkerungsgruppen verschlimmere die Lage zusehends. Noch immer seien Kleinbäuerinnen und Kleinbauern die am meisten von Hunger und Mangelernährung betroffene Bevölkerungsgruppe, obwohl sie bis zu 70 Prozent der Grundnahrungsmittel weltweit produzieren.

„Die globalen Märkte, auf denen Lebensmittel nur eine Spekulationsware unter vielen darstellen, haben gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind, dringende Probleme wie den globalen Hunger zu lösen. Ganz im Gegenteil, die Zahl der Hungernden steigt aktuell an“, erklärt Dagmar Lassmann, Leiterin von Brot für die Welt, und ergänzt: „Wenn die größte Gruppe der Nahrungsmittelproduzierenden, die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, neben dem Zugang zu verbesserten Anbaumethoden und zu Krediten angemessene Preise für ihre Erzeugnisse bekäme, wäre das ein großer Beitrag zur Vermeidung künftiger Hungerkrisen.“

Nach Daten der Welternährungsorganisation FAO wurden noch nie so viele Nahrungsmittel produziert wie heute. Auch die Nahrungsmittellager weltweit sind prall gefüllt. Brigitte Reisenberger, Geschäftsleiterin von FIAN Österreich, betont: „Einmal mehr zeigt sich, dass Hunger meist nicht in geringen Produktionsmengen begründet liegt, sondern in Ungleichheit, Diskriminierung und Armut. Hungerbekämpfung muss daher zuerst die Rechte marginalisierter Bevölkerungsgruppen stärken.“

Im zehnten „Right to Food and Nutrition Watch“ werden die anhaltenden Fehlentwicklungen des industriellen Ernährungssystems analysiert und Wege aus der Krise aufgezeigt. Schwerpunkte sind die Konzentrationsprozesse im Agrarsektor, die Bedrohung der Ernährung durch den Klimawandel sowie der wachsende Einfluss großer Unternehmen auf die internationale Agrar- und Ernährungspolitik.

Der „Right to Food and Nutrition Watch“ wird jährlich von einem internationalen Konsortium aus Fachorganisationen und Netzwerken in Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch herausgegeben. Die Vollversion finden Sie unter http://www.righttofoodandnutrition.org/watch

Das Recht auf Nahrung ist als Menschenrecht verankert in Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, dem UN-Sozialpakt. Es gilt weltweit als das am häufigsten verletzte Menschenrecht. In den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) haben die Vereinten Nationen vereinbart, bis 2030 das Recht auf Nahrung für alle Menschen zu verwirklichen

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ISSN 2222-2464