Glawischnig: „Dialog mit Kirche ist spannend und wichtig“

Die "SAAT. Evangelische Zeitung für Österreich" und die Zeitschrift "SuperNews - evangelisches Magazin für Niederösterreich" luden Grünen-Obfrau Glawischnig sowie Bischof Bünker und den Wiener Theologen Körtner zu einem Europa-Gespräch ein. Foto: epd/Uschmann
Die "SAAT. Evangelische Zeitung für Österreich" und die Zeitschrift "SuperNews - evangelisches Magazin für Niederösterreich" luden Grünen-Obfrau Glawischnig sowie Bischof Bünker und den Wiener Theologen Körtner zu einem Europa-Gespräch ein. Foto: epd/Uschmann

Glawischnig, Bünker und Körtner im Europa-Gespräch

Wien (epdÖ) – Für die aktuelle Ausgabe der „SAAT. Evangelische Zeitung für Österreich“ und die Zeitschrift „SuperNews – evangelisches Magazin für Niederösterreich“ (März-Ausgabe) wurden Grünen-Obfrau Eva Glawischnig sowie Bischof Michael Bünker und der Wiener Theologe Ulrich H.J. Körtner zu einem Gespräch eingeladen. Europa, der Umgang mit politischen Krisen und das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Kirche waren Themen der Gesprächsrunde.

„Es muss damit aufgehört werden, negative Entscheidungen auf andere Ebenen abzuschieben. Diese Unterscheidung in Gut und Böse zwischen Wien und Brüssel muss aufhören“, sagt Grünen-Chefin Glawischnig, die Mitglied der Evangelischen Kirche ist. Sie spricht sich für eine größere Transparenz in der Politik aus. Angesichts der zahlreichen Konflikte in den an die EU angrenzenden Ländern fordert die Parteichefin ein gemeinsames außenpolitisches Vorgehen der Union. „Im Moment ist das nicht der Fall. Vieles ist von nationalen Interessen gesteuert.“ Gerade auch bei Krisenherden wünscht sich Glawischnig mehr Konfliktprävention, wie es etwa in Syrien notwendig gewesen wäre.

Ebenfalls Kritik an der Rolle der EU übt der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Europäischer Kirchen in Europa (GEKE) ist. „Die Union hat den Friedensnobelpreis 2012 zu Recht erhalten. Allerdings ist die EU nach außen nicht friedfertig, die Außengrenzen werden dichtgemacht. Es muss aber einen legalen Zugang nach Europa geben“, fordert der Bischof. Grundsätzlich spricht sich Bünker dafür aus, die demokratischen Strukturen innerhalb der Europäischen Union, wie etwa das EU-Parlament, zu stärken. „Die Evangelischen Kirchen rufen uneingeschränkt dazu auf, an den EU-Wahlen Ende Mai teilzunehmen!“

„Die EU weiß weder in der Ukraine noch in Syrien, was sie eigentlich will, das ist das große Problem“, erklärt Ulrich H.J. Körtner, Vorstand des Instituts für Systematische Theologie und Religionswissenschaft der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Universität Wien. Bis jetzt habe die EU keinen Masterplan, was den Umgang mit diesen Konflikten betrifft. „Die EU hat definitiv zu lange gewartet und dadurch den Konflikt noch verschärft.“ Körtner rechnet nicht damit, dass die EU oder die USA in politischen Konflikten militärisch intervenieren werden. Aus sozialethischer Sicht sei es aber in manchen Situationen durchaus gerechtfertigt, militärische Gewalt anzuwenden.

Welchen Stellenwert Religionsgemeinschaften in Europa in Zukunft haben werden, sei angesichts zunehmender Säkularisierung nur schwer vorhersehbar. „Säkularisierung ist ein brennendes Thema, an dieser Entwicklung ist aber nicht die EU schuld“, so Körtner. Die Frage sei, inwiefern sich die einzelnen Kirchen am politischen Projekt Europa beteiligen werden. Der Idee eines „christlichen Abendlandes“ steht Bischof Bünker kritisch gegenüber. Evangelische Kirchen hätten einen ganz spezifischen Zugang zur Säkularität und den damit verbundenen Konsequenzen. Auf der Ebene der Institutionen sollte man die Rolle der Religion „nicht hoch genug unterschätzen“. Gleichzeitig könnten die Religionen aber einen wichtigen Beitrag auf Ebene des Zusammenlebens der Menschen leisten.

Eva Glawischnig unterstreicht die Rolle der Religionsgemeinschaften in Österreich: „Ich glaube, dass Religionen und die Möglichkeit, Religion auszuüben, Feste zu feiern, Zäsuren im Leben zu haben, vielen Menschen Halt in schwierigen Lebenssituationen geben. Das darf man nicht unterschätzen. Und da meine ich ganz konkrete Situationen, mit denen ein jeder von uns konfrontiert ist, wenn etwa ein Familienangehöriger stirbt. Und genau in diesen Situationen ein Ritual zu haben, um Lebenssituationen zu bewältigen, ist hilfreich und gut.“ Darüber hinaus habe es aber auch beispielsweise im Rahmen der österreichischen Verfassungsdiskussion einen fruchtbaren Austausch gegeben. „Die Anstöße, speziell auch der Evangelischen Kirche, waren sehr bereichernd. Diese Dialoge sind für mich als Politikerin spannend, wichtig und auch unverzichtbar“, so die Grünen-Chefin.

ISSN 2222-2464