Glaube als wichtiges Bindeglied der Gesellschaft

Über gesellschaftliche und persönliche Fragen des Glaubens diskutierten Managerin Ulrike Baumgartner-Gabitzer, die Geschäftsführerin des Modelabels "Göttin des Glücks" Lisa Muhr, ORF-Journalist und Moderator Günter Kaindlstorfer, die Clubobfrau der Grünen Eva Glawischnig, und Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske (v.l.n.r.) Foto: epd/M.Windisch
Über gesellschaftliche und persönliche Fragen des Glaubens diskutierten Managerin Ulrike Baumgartner-Gabitzer, die Geschäftsführerin des Modelabels "Göttin des Glücks" Lisa Muhr, ORF-Journalist und Moderator Günter Kaindlstorfer, die Clubobfrau der Grünen Eva Glawischnig, und Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske (v.l.n.r.) Foto: epd/M.Windisch

Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema „Glaube in Wirtschaft und Politik“

Wien (epdÖ) – Religion dürfe im politischen und wirtschaftlichen Leben kein trennender Faktor sein, sondern müsse das Verbindende in der Gesellschaft betonen – so der Tenor der jüngsten Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Was ich glaube“ am 23. März in den Evangelischen Schulen am Karlsplatz. Der erste Teil des Abends, an dem die Clubobfrau der Grünen, Eva Glawischnig, Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske, Managerin Ulrike Baumgartner-Gabitzer und die Geschäftsführerin des Modelabels „Göttin des Glücks“, Lisa Muhr, teilnahmen, war dementsprechend der Funktion von Glaube und Religion in der heutigen Gesellschaft gewidmet.

Muhr, die als einzige der Diskutantinnen und Diskutanten – ORF-Journalist Günter Kaindlstorfer, der durch den Abend führte, miteingeschlossen – nicht evangelisch aufgewachsen ist, unterstrich, sich persönlich und in ihrem Unternehmen an den Prinzipien des Weltethos-Projekts zu orientieren, das Überzeugungen aller großen Glaubensrichtungen einschließt und an Gleichheit orientiert ist. In diesem Zusammenhang fand sie auch kritische Worte für die Institution Kirche: „Ethik kennt keine Macht, Kirche aber ist immer von Macht geprägt.“ Sie sehe kirchliche Institutionen wie Caritas und Diakonie in jedem Fall als „Verbündete“, hielt dem Eva Glawischnig entgegen. Sie stellten eine Macht dar, die sich für Gleichheit einsetze. In dieser Hinsicht fühle sie sich in der Evangelischen Kirche gut vertreten, beobachte aber auch mit großem Wohlwollen Entwicklungen in der katholischen Kirche wie die von Papst Franziskus verfasste Umweltenzyklika „Laudato si“.

Baumgartner-Gabitzer, als ehemalige Politikerin nun selbst in der Wirtschaft tätig, sagte: „Mit Achtung vor der Würde des Anderen kann man in der Wirtschaft nicht fehlgehen.“ Zugleich warnte sie davor, pauschal „die Wirtschaft“ zu verunglimpfen: Es gebe gute und schlechte Beispiele sozial verantwortlicher Wirtschaftspraxis, man möge hier nicht vorschnell über einen Kamm scheren. „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden!“, zitierte Gewerkschafter Kaske den Apostel Paulus, um einer zentralen Forderung für eine gerechte Wirtschaft – Lohngerechtigkeit – Ausdruck zu verleihen. Wer in der Wirtschaft von Ethik rede, müsse auch dementsprechend handeln: „Moral findet nicht nur an sechs Tagen in der Woche statt und ruht am siebten“, appellierte er an die Eigenverantwortung von Wirtschaftstreibenden.

Im zweiten Teil des Abends ließ Moderator Kaindlstorfer seine GesprächspartnerInnen zunehmend auf die persönliche, existenzielle Bedeutung des Glaubens für sie eingehen. Sie glaube an ein Leben nach dem Tod, erklärte Managerin Baumgartner-Gabitzer, sehe sich aber in Glaubensfragen immer noch „am Weg“ – endgültige Antworten habe sie für sich noch nicht gefunden. Auch sei ihr Leben „auf das Diesseits ausgerichtet“ und nicht auf eine „Belohnung für gute Taten im Jenseits“. Auch Muhr griff den Punkt der Konzentration auf das Diesseits auf: Sie könne nicht glauben, dass es noch etwas gebe, das besser sei als dieses Leben, bekannte sie, und fügte hinzu: „Ich will am Ende meines Lebens so zufrieden sein, dass ich bereit bin zu gehen, egal was kommt.“ Glawischnig sprach in Fragen des Sterbens und Geborenwerdens als den zwei entscheidenden Schnittpunkten des Lebens den Glaubensgemeinschaften einen hohen Stellenwert zu, da sie mithilfe von Ritualen Halt böten. Persönlich habe die Geburt ihrer Kinder sie entscheidend geprägt, so Glawischnig, auf das Sterben habe sie jedoch „für mich selbst noch nicht direkt hingesehen“, auch wenn ihr der Tod ihrer Kolleginnen Barbara Prammer und Sabine Oberhauser sehr nahegegangen sei. Rudolf Kaske hingegen bekannte in seinem Schlusswort, sich regelmäßig mit dem Tod konfrontiert zu sehen: „In der unmittelbaren Umgebung meiner Wohnung befindet sich ein Kindergarten, eine Schule, aber auch ein Hospiz. Oft, wenn ich am Abend mit meinem Hund spazierengehe, sehe ich dort einen Leichenwagen.“ Anfangs sei das für ihn sehr verstörend gewesen, heute aber erkenne er: „So schließt sich der Kreis des Lebens.“

Der nächste Teil der Gesprächsreihe zum Reformationsjubiläum widmet sich am 6. April unter der Leitfrage „Was glauben Menschen aus allen Ecken und Enden der Erde?“ den globalen Dimensionen des Glaubens.

ISSN 2222-2464