27.08.2020

„Getragen von einem Stück Stoff“

Was Glauben und Paragleiten miteinander verbindet

„In dem Moment, wo ich abhebe, bleibt mir nichts anderes übrig, als mit den Bedingungen, die ich vorfinde, klarzukommen.“ Foto: epd/Windisch

Was Glauben und Paragleiten miteinander verbindet

„Dem Himmel so nah“, heißt ein Roman der britischen Bestsellerautorin Jojo Moyes. Für manche mag der Titel etwas schal und abgedroschen klingen. Und doch kommt fast zwangsläufig diese Phrase in den Sinn, wenn man Timon Weber davon erzählen hört, wofür er brennt, und was ihn – buchstäblich – trägt: Das Paragleiten: „Im Fliegen habe ich persönliche Gebetsmomente, wenn ich von der Schöpfung förmlich erschlagen bin, 4000 Meter über dem Alpenhauptkamm. Das Fliegen bringt mich Gott näher. Man ist der Schöpfung ausgesetzt“, sagt der 28-Jährige. „Man wird getragen von einem Stück Stoff. Das hat beim Mitfliegen in mir Dankbarkeit ausgelöst über die Natur und das, was wir erleben dürfen“, ergänzt seine um ein Jahr jüngere Frau Stefanie – selbst keine Pilotin, aber wie ihr Mann spürbar dem Fliegen verfallen.

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Um der Berge willen aus Deutschland nach Kärnten: Timon und Stefanie Weber. Foto: epd/Windisch

Die Leidenschaft für die Berge und das Gleiten durch die Täler hat Timon und Stefanie 2015 nach Kärnten geführt. Ihn aus Nordrhein-Westfalen, sie aus Baden-Württemberg. Hier arbeiten sie als Jugendreferenten der evangelischen Diözese Kärnten-Osttirol. Aber das nur mehr in der kalten Jahreszeit. Von April bis August wollen Sie sich in Zukunft ganz einem neuen Projekt widmen, das in den letzten Jahren gereift ist, und das ihren Glauben mit dem Fliegen verbindet: „Para-Dise“ heißt der 2019 auf Initiative der beiden gegründete Verein, dessen Vision darin liege, „dass ein Ort in der Paragleiter-Szene entsteht, wo die Menschen Gemeinschaft erleben, aber auch ihre Gemeinschaft zu Gott erspüren und ihren eigenen Zugang zu Gott finden“ bringt es Stefanie auf den Punkt. Dazu wollen die beiden zu den Hotspots der Szene im Ostalpenraum – etwa Greifenburg in Kärnten, Kössen in Tirol, oder dem Sočatal ins Slowenien – reisen, Vorträge und Coachings organisieren, aber auch Morgenmeditationen oder Berggottesdienste abhalten: „Wir wollen ins Gespräch kommen über das, was uns wichtig ist, und was den Menschen wichtig ist“, sagt Timon. Ein erstes eigenes Event Anfang August in Greifenburg diente neben dem gemeinsamen Beten und Fliegen dazu, Spenden für die nepalesische Organisation „Karma Flights“ zu sammeln, die Kindern in dem Himalaya-Staat ein Zuhause und Bildung ermöglicht. 6000 Euro kamen dabei zusammen.

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„Auch bei vielen anderen Paragleitern, die nicht so wie wir im Glauben verwurzelt sind, erleben wir eine gewisse Art von Spiritualität.“ Foto: epd/Windisch

Das große Plus, das dem Verein zugute komme, sei seine enge Vernetzung in der Community, betont Timon, der mit 10 Jahren dank seinem Vater das erste Mal im Tandem flog und mit 16 selbst Pilot wurde. Noch zwei Jahre, bevor überhaupt der Glauben begann, in seinem Leben eine Rolle zu spielen. Bekannte und befreundete Piloten wüssten, „dass wir zu unserem Glauben stehen, aber dass wir nicht aggressiv unterwegs sind“, meint Timon. „Auch bei vielen anderen Paragleitern, die nicht so wie wir im Glauben verwurzelt sind, erleben wir eine gewisse Art von Spiritualität. Viele Menschen sind am Weg, zu suchen, was ihre Perspektive, ihr Lebenssinn sein kann“, erklärt Stefanie, warum ihr Ansatz auf fruchtbaren Boden falle.

Ein dunkles Thema, welches das Fliegen mit dem Glauben ebenso verbindet, ist der Tod. Offiziell gelte Paragleiten zwar nicht als Risikosportart, erklärt Timon, aber: „In dem Moment, wo ich abhebe, bleibt mir nichts anderes übrig, als mit den Bedingungen, die ich vorfinde, klarzukommen. Und wenn ich die falsch eingeschätzt habe, dann kann es auch gefährlich werden.“ Gerade im Leistungsbereich gehe es darum, Grenzen auszuloten, „und das macht auch Spaß“. Aber man erlebe immer wieder, dass Bekannte oder Freunde abstürzen, sogar sterben. „Gerade da finde ich es schön und sinnvoll, dass wir als Kirche in dieser Szene da sein dürfen. Ich würde mich freuen, wenn so eine Vertrauensbeziehung entsteht, dass Seelsorge wächst.“

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„Wir wollen ins Gespräch kommen über das, was uns wichtig ist, und was den Menschen wichtig ist.“ Foto: epd/Windisch

Noch steckt „Para-Dise“ in den Kinderschuhen. Mit einer Anschubfinanzierung der Evangelischen Kirche in Österreich und einem Freundeskreis von mehr als 160 Personen im ganzen deutschsprachigen Raum und sogar England und Norwegen soll sich das aber bald ändern. Dann wollen Timon und Stefanie Weber das in die Berge tragen, was der Glaube und das Fliegen für sie vereint: „Getragensein, Loslassen, Vertrauen“.

Alle Infos zu Para-Dise finden Sie auf www.para-dise.org

ISSN 2222-2464

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Schlagworte

Kärnten | Seelsorge | Sport | Weber | Sommer

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