Gesteigerte Lebenserwartung fordert neue Beschäftigung mit dem Körper

Altersforscher Rosenmayr zu Gast bei der Evangelischen Woche

Wien (epd Ö) – „Langelebigkeit ist das Schicksal des 21. Jahrhunderts“, sagte Univ.-Prof. Dr. Leopold Rosenmayr in seinem Vortrag „Schöpferische Langlebigkeit. Genügt die christliche Lehre des Alterns?“ am Dienstag, 6. März, im Rahmen der Evangelischen Woche im Wiener Evangelischen Gymnasium. Die Lebenserwartung der Menschen steige pro Jahrzehnt um zweieinhalb Jahre, „daher müssen die Menschen sich mit ihrem Körper neu beschäftigen und ihn als Partner wahrnehmen“. Damit einher gehe auch eine inhaltliche Erwartung an sich selber. Eine Theologie, die sich mit dem Altern beschäftige, müsse eine „Theologie von unten“ sein, die die Brüche und Schicksalsschläge der Menschen aufgreift und ernst nimmt. Als Grundlage der Alternsaufgabe sieht der Soziologe und Sozialphilosoph einen Satz aus Psalm 71: „Belebe mich neu“. Das bedeute, „sich selbst so anzunehmen, dass das Neubeleben im Alter gewinnt.“ Es gehe darum, neu geboren zu werden und ein neues Leben zu beginnen, so wie es im Johannesevangelium im 3. Kapitel symbolisch ausgedrückt sei. „Von hier aus muss die Lebenserwartung neu gedeutet werden.“ In diesem Zusammenhang stelle sich auch die Frage der Generationengerechtigkeit, „denn diese Frage ist auch eine Frage der christlichen Gerechtigkeit und des christlichen Gerechtigkeitsstrebens“. Und diese beginne damit, „den Jungen, den Alten, den Mittleren zuzuhören und sie wahrzunehmen und ihre jeweilige zeitgemäße Wahrheit zu suchen und zu hören“.

 

Als praktische Hinweise nannte der Leiter des Ludwig-Bolzmann-Instituts für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung in Wien, „sich niemals aufzugeben und sich nie zu bedauern. Denn wer sich bedauert, der schwächt sich und nimmt sich die Kraft zu hoffen und zu lieben“. Rosenmayr forderte einen „Glauben durch dick und dünn“ als Resultat eines langen Lebens, dem Körper immer etwas Gutes zu tun und damit die Leiblichkeit neu zu leben und die Zärtlichkeit zu pflegen. Dies gehöre zu der Wahrheitssuche über sich dazu.

 

Lein: Brücken zwischen den Generationen bereits errichtet

 

Moderiert hatte den Abend der Wiener Superintendent Mag. Hansjörg Lein, der den „Altersforscher der Nation“ mit dem Zitat begrüßte: „Alle wollen alt werden, aber niemand will alt sein.“ Lein wies auf den besonderen Ort der Veranstaltung hin: „Hier im Evangelischen Gymnasium gehen täglich Kinder und Jugendliche ein und aus. Zugleich haben wir in den oberen Stockwerken die Wohngruppen für ältere und pflegebedürftige Menschen.“ Die Brücken zwischen den Generationen in der Gesellschaft seien hier bereits errichtet.

Die Evangelische Woche unter dem Titel „Echt spannend. Beziehungen“ dauert noch bis Samstag, 10. März. Informationen zum Programm gibt es unter 0699/188 77 885 oder bildungswerk.evang-wien.at.

ISSN 2222-2464