„Geschäft mit dem Leben“ muss Grenzen haben

Salzburger Hochschulwochen: Körtner warnt vor „unreflektiertem Gebrauch“ des Begriffs „Leben“

Salzburg, 10. August 2005 (epd Ö) – Vor einem ausufernden „Geschäft mit dem Leben“ hat der evangelische Theologe und Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Körtner, bei den Salzburger Hochschulwochen gewarnt, die vom 1. bis 7. August stattfanden. Die gesundheitspolitische Debatte werde heute vor allem von medizinökonomischen Fragen bestimmt. Umso mehr sollte nach dem Ziel und Zweck der Medizin gefragt werden. Durch den Fortschritt der modernen Medizin kämen nämlich auch immer mehr neue Krankheiten „auf den Markt“. Auch die steigende Lebenserwartung führe zur brennenden Frage, wie Ressourcen gerecht verteilt werden können, wie ein gerechter Zugang zur Grundversorgung und zu bestimmten Dienstleistungen gewährleistet werden kann.

Kein Eigentumsrecht am Leben

Auch wenn die Ökonomie ein „Teil des Lebens“ sei, könne sie sehr leicht „lebensfeindlich“ werden, erinnerte Körtner. Der Theologe ging in diesem Zusammenhang auch auf Bestrebungen ein, Bausteine des Lebens zu patentieren. Aus christlicher Sicht sei dafür einzutreten, dass nicht nur die Würde des Menschen, sondern auch die Würde allen sonstigen Lebens geachtet und geschützt wird, so Körtner: „Ein Eigentumsrecht am Leben, konkret eine Patenterteilung auf Leben als solches, kann und darf es nicht geben. Das Geschäft mit dem Leben stößt hier an seine ethische Grenze“.

Es sei aber schwierig, die Begriffe „Natur“ und „Leben“ genau zu definieren, räumte Körtner ein. Solange der Begriff „Leben“ nicht präzisiert sei, bedeute auch Lebensbejahung „alles Mögliche“. Darin sieht der Theologe auch Gefahren für die christliche Ethik. Wenn sie in den Sog eines unreflektierten Gebrauchs des Wortes „Leben“ gerät, laufe sie Gefahr, „mit einem religiösen Durchlauferhitzer für Allerweltsweisheiten verwechselt zu werden“. Wo suggestive Formeln an die Stelle klarer Begriffe treten, verflache die Ethik zum moralischen „Appell“.

„Unverfügbarkeit“ des Lebens?

Das betreffe, so Körtner, auch den Begriff von der „Unverfügbarkeit des Lebens“. Das Leben sei so beschaffen, „dass wir ständig über anderes Leben verfügen müssen“, sei es in der Tierzucht oder beim Gemüse-Einkauf. Auch der Abschluss einer Lebensversicherung sei letztlich ein „Geschäft mit dem Leben“. Die Frage sei, wie man „ethisch begründet“ über Leben verfügen kann, ohne dabei die menschliche Würde, aber auch die Eigenwertigkeit, etwa von Tieren, zu missachten.

ISSN 2222-2464