Gesamter Sozialbericht ab sofort im Internet

Kirchen in Sorge über künftige Tragfähigkeit des sozialen Netzes

Wien, 06. Februar 2002 (epd Ö) Ab sofort stehen alle Kapitel des von den 14 christlichen Kirchen in Österreich vorgestellten „Sozialberichtes“ im Internet zur Verfügung. Die Themen reichen von Arbeitslosigkeit, Armut, soziale Sicherheit über Entwicklungszusammenarbeit bis hin zu Kinder und Jugend. Vom gedruckten Sozialbericht wurden bisher knapp 3.000 Stück abgesetzt. Alle Kapitel können ab sofort auch als Downloads direkt von der Website abgerufen werden.

In den 22 Kapiteln legen 522 soziale Initiativen und Einrichtungen der Kirchen einen Bericht über die sozialen und gesellschaftlichen Fragen und Probleme aus der Sicht der Praxis vor. Bis Ende Juni soll der Bericht österreichweit diskutiert werden. Alle Ergebnisse fließen in die Vorbereitung des „Sozialwortes“ ein, eine gemeinsame Stellungnahme der 14 christlichen Kirchen in Österreich zu den sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen.

Stellungnahmen zum „Sozialbericht“ sind per E-Mail an oder per Post an die Anschrift „Projekt Sozialwort“, c/o Kath. Sozialakademie Österreichs, Schottenring 35, A-1010 Wien, zu richten.

Spiegelbild des sozialen Engagements

Der Sozialbericht der Kirchen zeigt nicht nur ein Spiegelbild des sozialen Engagements in Österreich, sondern auch ein „besorgniserregendes Szenario der künftigen Tragfähigkeit des sozialen Netzes“, heißt es in einer Aussendung der Katholischen Sozialakademie. Die Kirchen seien daher in Sorge um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Der „Sozialbericht“ komme u.a. zu folgenden Ergebnissen: Die finanziellen Ressourcen des Staates werden zunehmend verknappt. Ein starker Trend zur Auslagerung der Zuständigkeiten des Staates im Sozialbereich an private Trägerorganisationen ist spürbar („weniger Staat“). Für die sozialen Organisationen bedeutet das mehr Kostendruck bei steigenden Erwartungen und wachsenden Betreuungsaufgaben.

Die Kirchen suchen ein möglichst breites Gespräch über die gesellschaftliche Entwicklung mit öffentlichen Stellen, Parteien, Interessenvertretungen, Medien, Wissenschaftlern, Kulturschaffenden, anderen Glaubensgemeinschaften, nicht-kirchlichen Sozialeinrichtungen und Initiativen. Bisher sind zahlreiche Stellungnahmen zum „Sozialbericht“ eingelangt, darunter auch vom Außen- und vom Landwirtschaftsministerium. Mehrere Veranstaltungen wurden bisher durchgeführt, wie etwa ein „Politiker-Round-table“ in Salzburg oder ein vom ÖVP-Parlamentsklub organisierter Studientag zum „Sozialbericht“. Derzeit ist eine Veranstaltung mit der SPÖ in Vorbereitung. Die Grünen haben eine Stellungnahme zum „Sozialbericht“ angekündigt.

Tagung über Grundeinkommen

Eine zentrale Forderung des „Sozialberichtes“, die nach einer Grundsicherung oder einem Grundeinkommen, ist Thema einer Tagung am 19. März, die von der Evangelischen Akademie und der Katholischen Aktion Österreich in Zusammenarbeit mit Arbeiter- und Wirtschaftskammer durchgeführt wird. Dabei werden unter dem Motto „Welche Sicherheit für welchen Grund?“ verschiedene Modelle einer Grundsicherung diskutiert. Die Themen: „Grundsicherung im erwerbsfähigen Alter“, „Bedarfsorientierte Grundsicherung“, „Reformoptionen in der Sozialhilfe“, „Grundsicherung als Bürgerrecht“.

www.sozialwort.at

ISSN 2222-2464