Generalversammlung des Reformierten Weltbundes

Nach heftiger Debatte Glaubenserklärung in Ghana verabschiedet – Hennefeld im Interview

Wien/Accra, 18. August 2004 (epd Ö) Bei der 24. Generalversammlung des Reformierten Weltbundes vom 30. Juli bis 12. August in Accra/Ghana war Oberkirchenrat Pfarrer Mag. Thomas Hennefeld mit Oberkirchenrätin Helene Horvath Delegierter der Evangelischen Kirche H.B. Seine Eindrücke und mögliche Konsequenzen der Konferenz schildert der Pfarrer aus Wien-West in diesem Interview.

epd Ö: Delegierte aus über 200 kongregationalistischen, presbyterianischen, reformierten und unierten Mitgliedskirchen haben 14 Tage lang in Accra getagt. Wie bewerten Sie die Ergebnisse dieser Generalversammlung?

Hennefeld: Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen von Accra. Natürlich sind solche Dokumente nicht perfekt, ja nicht einmal ganz ausgegoren. Aber man muss bedenken, dass Delegierte aus allen Kontinenten und verschiedenen Kirchen einen Konsens gesucht haben. Man merkt den Dokumenten an, dass sie in relativ kurzer Zeit erarbeitet wurden. Aber gerade deshalb, weil so viele unterschiedliche Interessen im Spiel waren, ist es bemerkenswert, dass die Versammlung Papiere zustande brachte, die eine klare und eindeutige Sprache sprechen.

epd Ö: Die Delegierten in Accra haben eine „Glaubenserklärung“ erarbeitet. Darin heißt es unter anderem: „Wir glauben, dass die Integrität unseres Glaubens auf dem Spiel steht, wenn wir weiterhin angesichts des gegenwärtigen Systems der neoliberalen ökonomischen Globalisierung schweigen und untätig bleiben.“ Wie wollen die reformierten Christen denn nun tätig werden?

Hennefeld: Wir haben in Accra – nach langen und heftigen Diskussionen – eine Glaubenserklärung verabschiedet, die uns in Zukunft in unserem kirchlichen Handeln als Maßstab dienen sollte. Diese Erklärung ist ein hilfreicher und wichtiger Schritt, um auch für unsere Gemeinden einen Aktionsplan aufzustellen. Es geht darum, nicht nur unsere eigenen Sorgen in Betracht zu ziehen, sondern immer auch die weltweite Gemeinschaft im Blick zu haben. Denn auch wenn die finanzielle Situation schwieriger wird und wir es mit schrumpfenden Gemeinden in Europa zu tun haben, sind es auch wir, die von der weltweiten Ungerechtigkeit noch immer mit profitieren.

epd Ö: Die Glaubenserklärung geht aus von dem Bibelzitat „Ich bin gekommen, dass alle ein Leben in Fülle haben.“ (Joh 10,10). Dazu heißt es dann in Ihrer Erklärung: Wir glauben, dass Gott uns dazu aufruft, die Schreie der Armen und das Stöhnen der Schöpfung zu hören und dem missionarischen Auftrag Jesu zu folgen, der gekommen ist, damit alle das Leben in Fülle haben. Das sind starke Worte.

Hennefeld: Ich bin froh darüber, dass die Generalversammlung kein ideologisches Manifest verabschiedet hat, was sich vor allem Delegierte aus Lateinamerika gewünscht hatten. Wir haben sehr deutlich gemacht, dass der Ausgangspunkt unseres Gottesverständnisses das Evangelium sein muss, sonst wäre so eine Erklärung leicht austauschbar. Ich glaube aber, dass diese Erklärung unverwechselbar ist, weil sie sowohl auf die reformierte Tradition und reformiertes theologisches Verständnis als auch auf die Bibel und insbesondere auf das Evangelium eingeht.

Mein ganz persönlicher und vielleicht der stärkste Eindruck, den ich aus Ghana mitbringe, ist der Besuch der Sklavenverliese an der Küste Ghanas. Damals waren auch reformierte Holländer beteiligt. Das hat mir deutlich vor Augen geführt, wie leicht man zum Mittäter und Komplizen grauenhafter Verbrechen werden kann. Das ist heute nicht anders.

epd Ö: Sehen Sie weitere Auswirkungen dieser Vollversammlung?

Neben dem schon erwähnten Aktionsplan für die Gemeinden kann die „Glaubenserklärung“ unter anderem sicher auch Impulse geben für den Prozess „Wirtschaft im Dienst des Lebens“, der vom Lutherischen Weltbund initiiert wurde und in dem auch die Evangelische Kirche A.B. in Österreich engagiert ist.

ISSN 2222-2464