GEKE-Präsident Locher: „Einheit auf Basis kirchlicher Werte“


Gottfried Locher, Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa: "Verrechtlichung ist für die GEKE durchaus ein Meilenstein." Foto: epd/Uschmann
Gottfried Locher, Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa: "Verrechtlichung ist für die GEKE durchaus ein Meilenstein." Foto: epd/Uschmann

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa mit permanentem Sitz in Wien

Wien (epdÖ) – Nach dem Beschluss der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), ihren Sitz dauerhaft nach Wien zu verlegen, folgte nun der nächste Schritt. Um der GEKE in Österreich eine geeignete Rechtsform für Ihre Arbeit zu ermöglichen, hat die Generalsynode der Evangelischen Kirche A.u.H.B. in Österreich am Freitag, 15. Juni, einstimmig beschlossen, der Kirchengemeinschaft den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts zu verleihen. Bisher war die GEKE nur ein loser rechtlicher Zusammenschluss einzelner Kirchen. Bei der Session der Generalsynode anwesend war mit dem Schweizer Gottfried Locher auch der Präsident der GEKE. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst für Österreich erklärt Locher, was der Schritt der Verrechtlichung für die GEKE bedeutet und wohin die Arbeit der GEKE in den kommenden Jahren steuern wird.

„Der Schritt zur Verrechtlichung ist auch ein Schritt zur Verkirchlichung. Die GEKE nannte sich schon lange eine Gemeinschaft, aber sie war es noch nicht ganz“, meint Locher, und sieht in dem Schritt auch ein „Symptom“ für eine in den vergangenen Jahrzehnten erfolgte Annäherung der Kirchen. Zwar seien rechtliche Fragen noch keine theologischen, dennoch: „Das ist für die GEKE durchaus ein Meilenstein.“ Für Wien als ständigen Sitz der GEKE habe einerseits die Internationalität, andererseits die zentrale Lage der Stadt in Europa gesprochen, insbesondere als Tor zu Osteuropa. Ihren vorläufigen Sitz hatte die GEKE bereits seit 2006 in der österreichischen Hauptstadt, seit damals ist auch der österreichische lutherische Bischof Michael Bünker GEKE-Generalsekretär. Ihm folgt ab Herbst erstmals ein hauptamtlicher Generalsekretär.

Angesprochen auf die politischen Tendenzen zur Renationalisierung in Europa sagte Locher: „Hier ist eine Bewegung im Gange, mit der neu geklärt werden muss, wie eine europäische Zusammengehörigkeit begründet wird.“ Er glaube allerdings nicht, dass es für die GEKE entscheidend sein werde, wie die politische Einheit in Europa verwirklicht wird. Dennoch gelte es für die Kirchen, „eine eigene starke und auf kirchlichen Werten basierte Einheit zu bilden.“ Man könne sich nicht auf das abstützen, was politisch entschieden werde. Mit Blick auf den Brexit meinte Locher, der selbst als Pfarrer fünf Jahre in London arbeitete: „Der Brexit hat mich nicht überrascht. Das Beste wird sein, dass die Engländer so sein dürfen wie sie wollen und dann Beziehungen gestiftet werden. Das ist ganz ähnlich mit der Schweiz.“

In Vorschau auf die Vollversammlung der GEKE im September in Basel betonte Locher jedoch, dass das politische Umfeld bestimmt thematisiert werde. Dennoch würden auch theologische Fragen – „Wir sind Kirchen und nicht Politiker“ – in den Blick genommen werden. „Wie wollen wir uns weiterentwickeln? Es geht um Fragen des gemeinsamen Kirche-Seins.“ Ein weiterer Schwerpunkt werde auf der Ökumene, insbesondere den Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche liegen. Bei einem Festgottesdienst werde auch der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch erwartet.

Der seit 1973 bestehenden Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) gehören 94 lutherische, methodistische, reformierte und unierte Kirchen aus über 30 Ländern Europas und Südamerikas an. Die GEKE vertritt damit insgesamt rund 50 Millionen Protestanten. Auf Grund der festgelegten Kirchengemeinschaft verpflichten sich die Mitgliedskirchen zum „gemeinsamen Zeugnis und Dienst“ trotz bestehender Unterschiede. Die Vollversammlung bestimmt etwa alle sechs Jahre die Grundlinien der Arbeit. Der 13-köpfige Rat, geführt durch ein dreiköpfiges Präsidium, leitet zwischen den Vollversammlungen die Arbeit, die von der Geschäftsstelle in Wien koordiniert wird. Der 1966 geborene Gottfried Locher ist seit 2011 Präsident des Rats des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) und seit 2016 Präsident der GEKE.

Schlagworte: | |

ISSN 2222-2464