Gefängnisseelsorge weltweit fordert neue Gerechtigkeit

Gefängnisseelsorger Matthias Geist
Gefängnisseelsorger Matthias Geist

Ökumenisches Gebet der IPCA am 25. August in Österreich

Wien (epdÖ) – Die internationale Vereinigung aller christlichen Gefängnisseelsorgenden (International Prison Chaplains‘ Association, Abk. IPCA) ruft in diesem Jahr wieder weltweit zum Gebet für Gefangene, deren Angehörige, die Opfer von Straftaten sowie die Bediensteten auf. Am Donnerstag, 25. August 2011, werden rund um den Erdball von verschiedensten Kirchen Gottesdienste gefeiert, so auch in Österreich.

In der Justizanstalt Wien-Josefstadt, dem größten Gefängnis Österreichs, wird am Donnerstag um 7.30 Uhr im Rahmen des wöchentlich stattfindenden evangelischen Gottesdienstes der „Global Day of Prayer for Prison Ministry“ begangen. Mit Lesungen, afrikanischen Rhythmen und mehrsprachigen Gebeten wird all derer gedacht, die weltweit von Folter und Todesstrafe betroffen sind. Doch auch die Zustände hierzulande werden formuliert, indem einzelne Gefangene ihre Ohnmacht benennen und um neue Hoffnung in aussichtslosen Zeiten bitten. Seelsorgerinnen und Seelsorger aller Konfessionen bedenken schließlich die Schwierigkeiten des Strafvollzugs und aller Mitarbeitenden. Gemeinsam wird die Klage vor Gott gebracht, dass im medialen und politischen Diskurs der Gedanke der Überwindung von Schuld im Sinne einer „Restorative Justice“ (Wiederherstellung des Rechtsfriedens) fehlt.

„In Österreich fehlt eine Kultur der Schuldbewältigung, die Schuld bei sich und anderen sieht und wahrhaftig bearbeitet“, so der evangelische Gefängnisseelsorger Matthias Geist. „Das Strafrecht und der Vollzug von viel zu langen Freiheitsstrafen dient in letzter Konsequenz schon lange nicht mehr der Bearbeitung von Schuld, sondern einem immer höheren, aber nie erfüllbaren Sicherheitsbedürfnis. Wer dies erkennt, ist aber meist Teil der globalen Strafrechtsindustrie und profitiert vom Freiheitsentzug an anderen.“

ISSN 2222-2464