Gedenkveranstaltungen erinnern an Novemberpogrome 1938

Über 6500 Jüdinnen und Juden wurden in der Reichspogromnacht von 9. auf 10. November allein in Wien inhaftiert. Foto: pixabay
Über 6500 Jüdinnen und Juden wurden in der Reichspogromnacht von 9. auf 10. November allein in Wien inhaftiert. Foto: pixabay

Ökumenischer Gottesdienst in Wiener Ruprechtskirche am 9. November

Wien (epdÖ) – Zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Wien veranstalten auch heuer wieder mehrere christliche und jüdische Organisationen gemeinsam eine Reihe an „Bedenktagen“. Unter dem Titel „Mechaye Hametim – Der die Toten auferweckt“erinnern bis zum 19. November zahlreiche Veranstaltungen an die Ereignisse am 9. und 10. November vor 81 Jahren. Im Zentrum steht ein ökumenischer Gottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche am 9. November um 17 Uhr, an dem der lutherische Bischof Michael Chalupka sowie hochrangige Vertreter der katholischen und orthodoxen Kirche teilnehmen. Anschließend ist ein Schweigegang für die jüdischen Opfer der Shoa auf dem Judenplatz vorgesehen.

Uni Wien: Vortragsreihe über Amos Oz

Eine Vortragsreihe nimmt am 29. Oktober, 4. und 12. November das Leben des Weltliteraten, Dichters, politischen Denkers und Aktivisten Amos Oz in den Blick. Yuval Katz von der Universität Wien stellt seinen Vortrag am 29. Oktober unter das Motto „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis – Biografische Spuren in Amos Oz‘ Werken“. Der Vortrag, der an der Universität Wien lehrenden Pastoraltheologin Regina Polak am 4. November, steht unter dem Titel „Juden und Wort. Gedanken einer katholischen Theologin“. Lukas Pallitsch von der Universität Wien referiert am 12. November schließlich über „Impulse israelischer Gegenwartsliteratur für den jüdisch-christlichen Dialog“.

Evangelische Akademie: Die Gewalt der Sprache

Am 2. November um 17 Uhr feiert die Gemeinde St. Ruprecht einen Gottesdienst unter dem Motto „An den Strömen von Babel“. Die Kultur- und Sozialanthropologin Birgit Prochazka nimmt am 5. November um 18 Uhr im Kardinal-König-Haus die Reaktion „Einheimischer“ auf „fremde Menschen“ und den pastoraltheologischen Umgang damit in den Blick. Am 19. November veranstaltet die Evangelische Akademie um 19 Uhr im Albert-Schweitzer-Haus eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Die Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf“ (Kurt Tucholsky) statt. Die DiskussionsteilnehmerInnen standen zum Redaktionsschluss noch nicht fest.

Aus den Erinnerungen Hans Gamliels, dessen Mutter von den Nationalsozialisten vertrieben worden war, liest die Initiatorin der „Vernetzten Ökumene Wien West“ Elisabeth Lutter am 10. November im Jüdischen Museum Wien (11 Uhr). Im Anschluss singt Oberkantor Shmuel Barzilei das jüdische Totengebet für die Gamliel-Familie, stellvertretend für die Millionen Ermordeten der Shoa.

In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 wurden im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte sowie Wohnungen zerstört und verwüstet. Zahlreiche Juden wurden bei den Pogromen getötet oder verletzt. Allein in Wien wurden im Zuge des Furors insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. 6.547 Wiener Juden kamen in Haft, knapp unter 4.000 davon wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.

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ISSN 2222-2464