Gedenktafel erinnert an Johann Genersich

In der Florianigasse 36 in Wien-Josefstadt erinnert eine Gedenktafel an Johann Genersich, den ersten Professor für Kirchengeschichte an der Protestantisch-Theologischen Lehranstalt in Wien. Foto: epdÖ/Dasek
In der Florianigasse 36 in Wien-Josefstadt erinnert eine Gedenktafel an Johann Genersich, den ersten Professor für Kirchengeschichte an der Protestantisch-Theologischen Lehranstalt in Wien. Foto: epdÖ/Dasek

Lehrer, Literat und erster Professor für Kirchengeschichte in Wien

Wien (epdÖ) – Johann Genersich (1761-1823) wurde 1821 an die neu gegründete Protestantisch-Theologische Lehranstalt in Wien berufen. Als erster Professer lehrte er dort Kirchengeschichte. Nun erinnert eine Gedenktafel in der Florianigasse 36 in Wien-Josefstadt an den aus der Zips stammenden Theologen. Bei der Enthüllung der Gedenktafel am Montag, 8. Juni, an der u.a. auch Bischof Michael Bünker und zahlreiche Mitglieder der ungarischen Gemeinde A.B. in Österreich teilnahmen, unterstrichen der ungarische Botschafter János Perényi und sein slowakischer Amtskollege Juray Machac das Nationen verbindende Element in Genersichs Biografie. Geboren in Käsmark/Kezmarok/Késmárk lernte er als Kind einer zipserdeutschen Familie ungarisch und slowakisch und wirkte lange am Evangelischen Lyceum seiner Heimatstadt, bis er nach Wien berufen wurde.

In Wien wurden die Forschungsarbeiten zu Genersich vor allem durch den Kirchenhistoriker und Kirchenrechtler Karl Schwarz vorangetrieben, der auch auf Genersichs letzte Wohnadresse in der Florianigasse stieß. Er zeigte sich erfreut, dass nun „ein langjähriges Projekt der Genersich-Stiftung zu einem guten Ende gebracht wird“. Schwarz ging in seinen Ausführungen zur Biografie Genersichs auch auf dessen reiche literarische Tätigkeit als Theologe, Pädagoge und Philosoph ein, ebenso war enersich Autor der „Jugendliteratur“, einer damals neuen Literaturgattung.

Seinen Ruf nach Wien führt Schwarz auf Genersichs „pro-österreichische Einstellung“ zurück, die sich etwa in Texten ausdrücke, die Genersich Leopold II. widmete. Ungeachtet seiner deutschen Mutter-, Schul- und Literatursprache habe sich Genersich als „Hungarus“ verstanden, „also als Angehöriger der ungarischen Nation, also der natio Hungarica, nicht der magyarischen Nation“, der im Unterschied zu anderen zipserdeutschen Intellektuellen aber nicht für Budapest, sondern „für Wien optierte“. Mehrere seiner Werke weisen, wie Schwarz weiter ausführte, Genersich als „versierten und kompetenten“ Historiker aus ebenso wie als Protagonisten eines Zipser Literatenkreises oder als Praktiker des Schulwesens. Nur zwei Jahre nach seinem Ruf nach Wien verstarb der schon länger kränkelnde Genersich in seinem letzten Wohnhaus in der Florianigasse und wurde auf dem Währinger Friedhof bestattet. Hinsichtlich der Forschungsarbeiten zu dem „Lehrer, Theologieprofessor und Literaten“ Johann Genersich erinnerte Schwarz an eine wissenschaftliche Konferenz, die 2011 in Käsmark stattfand und der 2012 eine Wiener Konferenz über die Zips als bedeutende Kulturlandschaft im alten Österreich-Ungarn folgte. Dort wie auch bei der Enthüllung der Gedenktafel wurde die kulturgeschichtliche Bedeutung der Zipser Region gewürdigt.

ISSN 2222-2464