Gedenkstunde von Juden, Christen und Muslimen

Krankenseelsorger aller Konfessionen riefen bei der Aktionswoche im Wiener AKH „Kranke(n)Welten“ zum Dienst am kranken Menschen auf

Wien, 19. Februar 2003 (epd Ö) Eine gemeinsame Gedenkstunde der Juden, Christen und Muslime bildete am Donnerstag, 13. Februar, den geistlichen Höhepunkt der Aktionswoche der Krankenhausseelsorge im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH). An der Gedenkstunde, die unter dem Leitwort „Der Herr ist mein Licht und mein Heil“ im Festsaal des Allgemeinen Krankenhauses stattfand, nahmen mit den Repräsentanten der einzelnen Religionen – unter ihnen der Altabt des Stiftes Melk, Burkhart Ellegast, Senior Hansjörg Lein von der Evangelischen Kirche, Willy Weisz von der Israelitischen Kultusgemeinde und der Mufti der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ramadan Yildiz – zahlreiche Patienten, Angehörige und Mitarbeiter des AKH teil.

„Wir können in jedem Kranken Gott begegnen und aus dieser Begegnung sehr viel lernen“, betonte Ellegast. Die Krankheit lehre vor allem die Betroffenen, Geduld mit sich zu haben. Genauso seien kranke Menschen aber auch eine Aufforderung an Gesunde, Geduld zu lernen, so Ellegast. Lein rief dazu auf, sich mit kranken Menschen zu identifizieren. Jeder, der schon einmal krank gewesen sei, könne sich in die Lage von Kranken versetzen, die manchmal mit wenig Aussicht auf Besserung, jedenfalls aber belastet von körperlichen und seelischen Schmerzen leben müssen. In dieser Situation brauche es Menschen, die sich auf die Kranken einlassen, mit ihnen reden, aber auch zuhören können, sagte Lein.

Die Frage nach dem „Warum“, sei für kranke Menschen oft besonders wichtig, erklärte Mufti Yildiz. „Im Prozess der Krankheit kann Reinigung und Reifung liegen, der Mensch kann sich entwickeln und der Glaube wachsen“, so Yildiz. Krankheit könne als Gnade erfahren werden, als Chance, Gott näher zu kommen. Dass der Glaube an Gott dabei helfe, Ängste zu überwinden, unterstrich auch Willy Weisz. „Das Vertrauen in den Allmächtigen gibt den Menschen Hoffnung“, so Weisz, der an alle Angehörigen und Ärzte appellierte, selbst in hoffnungslos scheinenden Situationen nicht aufzugeben.

Zeichen der Toleranz und Solidarität

Gerade in der heutigen Zeit, sei es notwendig, „Zeichen der gegenseitigen Toleranz und Solidarität zwischen den einzelnen Religionsgemeinschaften zu setzen“, betonte die katholischen Krankenhausseelsorgerin Jeannette Avena im Rahmen der Gedenkstunde. Die Seelsorge sehe hier im AKH, wo Menschen unterschiedlichster Herkunft und religiöser Identität liegen und arbeiten, eine ihrer Hauptaufgaben darin, für die Würde des Menschen – unabhängig von seinem sozialen oder religiösen Hintergrund – einzutreten.

ISSN 2222-2464