Gedenkstätte für Kaprun-Opfer

Superintendentin Müller: Versöhnung kann man nicht verordnen

Salzburg (epd Ö) – Die neue Gedenkstätte für die 155 Opfer der Standseilbahn-Katastrophe in Kaprun ist am Donnerstag, 11. November, dem vierten Jahrestag des Unglücks, von Superintendentin Luise Müller und Erzbischof Alois Kothgasser gesegnet worden. „Auch heute, vier Jahre danach, sind wir nicht unverletzlich. Wir hören ganz genau hin, lesen zwischen den Zeilen, und manche meinen Aufforderungen zu hören, denen sie nicht nachkommen können oder wollen“, sagte die Superintendentin. Versöhnung könne man nicht verordnen. Müller: „Die Zeit, wie lange die Trauer dauern darf, ist nicht normierbar.“ Dort, wo an der Gedenkstätte die 155 Namen der Opfer stehen, stehe auch der Name Gottes, „unsichtbar“. „Er stirbt mit, er lässt uns im Tod nicht allein“, so Müller in ihrer Ansprache.

Der österreichische Vatikan-Botschafter Walter Greinert verlas bei der Gedenkfeier eine Grußbotschaft des Papstes, in der Johannes Paul II. den Hinterbliebenen, der Bevölkerung von Kaprun und den Repräsentanten des öffentlichen Lebens seine Verbundenheit im Gebet versichert.

Rund 300 Angehörige der Opfer nahmen an der Einweihungsfeier der Gedenkstätte teil. Die Gedenkstätte im Bereich der Talstation der Gletscherbahnen ist ein begehbarer Betonbau in Form eines Zuges, in dem 155 Glaslamellen an die Opfer erinnern. Ein Fenster gibt den Blick auf das Tunnelportal frei, hinter dem sich die Brandkatastrophe vor vier Jahren ereignet hatte.

Einige Hinterbliebene sind am Morgen des Jahrestages zu Fuß vom Ort Kaprun zur Talstation der Gletscherbahnen gepilgert. Die Gedenkstätte ist täglich von 7 bis 19 Uhr „für jeden“ zugänglich, betont der Kapruner Bürgermeister Norbert Karlsböck.

ISSN 2222-2464