Gedenkfeier für den Holocaust in Rechnitz

Senior Manfred Koch: „Heute drohen neue Gefahren der Gewalt und Diskriminierung“

Rechnitz, 27. März 2002 (epd Ö) Bei einer Gedenkfeier für die am 23. März 1945 im südburgenländischen Rechnitz erschossenen rund 180 jüdischen Zwangsarbeiter aus Ungarn hat der evangelische Pfarrer Manfred Koch, Stadtschlaining, auf alte und neue Wurzeln der Unmenschlichkeit aufmerksam gemacht. „Das Gedenken für die Opfer von damals muss auch Folgen für die Gegenwart und Zukunft haben“, betonte Mag. Koch vor etwa 100 Personen in der Rechnitzer Erinnerungsstätte „Kreuzstadl“.

Heute seien andere Gruppen als vor 60 Jahren von Erniedrigungen und Verfolgungen betroffen: Flüchtlinge, Behinderte und alle Diskriminierten wie auch jene, die durch das Sozialnetz des Staates fallen. „Wir Christen können jedoch nicht Passion und Auferstehung, Karfreitag und Ostern feiern, wenn wir nichts gegen die diversen Entwürdigungen um uns herum sagen und tun“, erklärte Koch, der auch als Stellvertreter der burgenländischen Superintendentin Mag. Gertraud Knoll und im Auftrag der Evangelischen Kirche in Österreich sprach.

Die Feierstunde war von der Gedenkinitiative und Stiftung „Refugius“ mit Sitz in Oberwart veranstaltet worden. Deren Vorsitzender, der Pianist Paul Gulda, hatte im Kreuzstadl auch auf die in den letzten Kriegsmonaten beim so genannten Südostwallbau und in Lagern getöteten ca. 10.000 Zwangsarbeiter und Deportierten hingewiesen – darunter auch der Vater eines heute renommierten Schriftstellers, des Ungarn Imre Kertész. Wie Paul Gulda in Rechnitz erklärte, hoffe er, den Autor des deutschen Bestsellers „Ich – ein anderer“ als Referenten für die Rechnitzer Gedenkfeier im nächsten Jahr zu gewinnen.

ISSN 2222-2464