Hiroshimatag: Kirchenvertreter fordern Welt ohne Atomwaffen

Das Friedensdenkmal in Hiroshima. Foto: pixabay
Das Friedensdenkmal in Hiroshima. Foto: pixabay

Gedenkveranstaltungen in Wien und Melk – Bischof Bünker kritisiert Trump-Politik

Wien (epdÖ) – Eine Welt ohne Atomwaffen haben VertreterInnen von Kirchen, Wissenschaft  und Zivilgesellschaft anlässlich des 72. Jahrestages des Atombombenabwurfes auf die japanische Stadt Hiroshima in Wien eingemahnt. Bei der von der Wiener Friedensbewegung und der Hiroshimagruppe veranstalteten Gedenkveranstaltung für die Opfer der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki in der Wiener Innenstadt wurden 277 Grußadressen präsentiert, darunter Stellungnahmen hoher RepräsentantInnen der Österreichischen Kirchen. Mit der Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt knüpfen die Organisatoren an das am 7. Juli 2017 beschlossene UN-Abkommen gegen nukleare Waffen an, das von den Staaten mit Kernwaffenarsenal nicht mitgetragen wurde.

Die Verbreitung von Waffen verschlimmere eindeutig Konfliktsituationen und verursache enorme Kosten auf menschlicher und materieller Ebene, „die dann die Entwicklung und die Suche nach einem dauerhaften Frieden bedrohen“, hielt Kardinal Christoph Schönborn in seiner Erklärung fest. Der Wiener Erzbischof erinnerte zudem an die Ansprache von Papst Franziskus zum Weltgebetstag für den Frieden am 20. Juli 2016 in Assisi. Dort habe er eindringlich gemahnt, dass man angesichts von Krieg und Ungerechtigkeit niemals gleichgültig bleiben dürfe. Deshalb dürfe man nie müde werden zu erinnern, „dass der Name Gottes die Gewalt nie rechtfertigen kann.

In einer Phase der zunehmenden geopolitischen Spannungen und politischen Unberechenbarkeit, für die insbesondere der US-Präsident Donald Trump steht, „wird die Tatsache, dass es nach wie vor eine ungeheuer große Zahl atomarer Sprengköpfe gibt, zur Bedrohung des Friedens“, warnte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker. Es brauche daher den verstärkten Einsatz für den Frieden, vor allem die Abschaffung aller Atomwaffen. Bünker: „Das Verbot von Atomwaffen muss umgesetzt werden! Das sind wir den Opfern von Hiroshima und Nagasaki, den Überlebenden und deren Nachkommen, aber auch den zukünftigen Generationen schuldig.“ Atomwaffen, ob eingesetzt oder angedroht, seien „grob böse, moralisch falsch und eine Sünde gegen heutige und künftige Generationen“.

Anstatt Atomwaffen aus der Welt zu schaffen, „haben verantwortungslose und verbrecherische Regierungen diese Vernichtungswaffen weiterentwickelt und perfektioniert“, schrieb der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld in seiner Grußadresse. Mit dem heute existierenden Potential an Atomwaffen könne der ganze Planet mehrfach ausgelöscht werden. Hennefeld: „Christen haben die Mission, die Welt gerechter und friedlicher zu gestalten. Daher dürfen sie sich nicht damit abfinden, dass einige mächtige Staaten auch weiterhin über Atomwaffen verfügen und anderen dieses Recht abgesprochen wird.“ Christen müssten gemeinsam mit allen verantwortungsbewussten Menschen, Religionsgemeinschaften und Friedensorganisationen konsequent für atomwaffenfreie Zonen und in der Folge für die Ächtung und Verschrottung aller Atomwaffen weltweit eintreten, „ohne wenn und aber“, so Hennefeld.

Österreich habe federführend bei dem Vertrag von 2017 mitgewirkt, hob der Linzer römisch-katholische Bischof Manfred Scheuer hervor. „Und doch darf weder die Politik noch die Zivilgesellschaft ihre Hände in den Schoß legen.“ Noch immer werde von wesentlichen Staaten der Atomwaffenverbotsvertrag nicht unterzeichnet, kritisierte Scheuer: „Solange das nicht geschieht, ist uns eine latente und permanente Bedrohung durch den möglichen Einsatz dieser Vernichtungswaffen und ihrer unkontrollierbaren Folgewirkungen gewiss.“ Der Bischof nahm weiters die zunehmend angefeindeten Flüchtlinge in Schutz: „Die Menschen, die vor Gewalt und Terror aus ihrer Heimat flüchten mussten, sind keine Bedrohung. Vielmehr muss uns ihr Schicksal aufrütteln, mehr gegen die Bedrohung durch ausgefeiltere und mörderischere Waffensysteme zu unternehmen.“

Der Nagasaki-Gedenktag wird am Donnerstag, 9. August, in Wien um 20.00 Uhr mit einer Buddhistischen Gedenkzeremonie bei der Friedenspagode (1020 Wien, Hafenzufahrtsstraße) begangen. In Melk lädt die Friedensbewegung am Samstag, 11. August, von 10:00 bis 13:00 Uhr zu einer Gedenkaktion in die Fußgängerzone.

Am 6. August 1945 wurde die erste Atombombe über Hiroshima abgeworfen. Seit Beginn der 1980er-Jahre erinnert die Wiener Friedensbewegung gemeinsam mit der Hiroshima-Gruppe Wien mit Gedenkveranstaltungen an den Atombombenabwurf, bei dem in Hiroshima und drei Tage später in Nagasaki 300.000 Menschen unmittelbar starben, bis heute leiden ebensoviele an den Spätfolgen. Dass am 7. Juli 2017 von der UNO ein völkerrechtliches Verbot der Atomwaffen verhängt wurde, sei „ein wichtiger Schritt vorwärts“, heißt es seitens der Friedensbewegung. Jetzt müssten weitere folgen.

Infos: http://www.hiroshima.at

 

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ISSN 2222-2464