Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome 1938 in Wien

Kerzen erinnern an die Opfer der Schoa (Foto: epv/Uschmann)
Kerzen erinnern an die Opfer der Schoa (Foto: epv/Uschmann)

Ökumenischer Gottesdienst in der Ruprechtskirche – Oberkirchenrat Schiefermair verurteilt Ausgrenzung

Wien (epdÖ) – Im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und die Mitschuld der Christinnen und Christen während der NS-Zeit feierten die christlichen Kirchen am 9. November einen ökumenischen Gottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche. Genau vor 73 Jahren wurden während der Novemberpogrome im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen angezündet und jüdische Geschäfte sowie Wohnungen geplündert und verwüstet.

Jerusalem stand im Zentrum der Gedenkworte von Oberkirchenrat Karl Schiefermair. Das biblische Jerusalem sei ein „exemplarischer Ort der Geschwisterlichkeit für alle, ein Ort von Gottes Nähe, seines Rechts und seiner Gerechtigkeit“. Auch heute gäbe es viele Möglichkeiten, den Hoffnungen und Sehnsüchten Ausdruck zu geben, Städte und Dörfer zu Plätzen friedlichen Zusammenlebens zu machen, zu „Orten von Gottes Nähe“. Solche Orte entstünden dort, wo es Widerstand gebe gegen Antijudaismus und andere Formen des Rassismus, wo ethnischer, religiöser oder kultureller Ausgrenzung entgegengetreten werde, wo Opfer von gewalttätigen Regimen unterstützt würden und wo man religiöse und moralische Kräfte gegen alles Böse stärke.

Angesichts der aktuellen politischen Lage in Jerusalem sagte Schiefermair: „Wir müssen beide Jerusalems zusammen denken. Den konkreten Standort, zerrissen von Feindseligkeiten zwischen Israelis und Palästinensern, und den Ort der Hoffnungen und Sehnsüchte nach einem friedlichen Zusammenleben und Gottes Nähe.“ Dies alles stünde noch aus, so der Oberkirchenrat, die Feindschaften der unterschiedlichen Bewohnerinnen und Bewohner am konkreten Ort Jerusalem seien heute nicht aufgehoben. „Wir spüren die verfahrene Situation und leiden ein Stück mit.“

Jesuiten-Provinzial Gernot Wisser erinnerte an den vor wenigen Tagen verstorbenen Publizisten Paul Schulmeister. Dieser habe in seinem letzten veröffentlichten Kommentar für die Tageszeitung „Die Presse“ eindringlich davor gewarnt, dass die Erinnerung an die Shoa und der Einsatz gegen Antisemitismus kraftlos würden. Man solle die Warnung ernst nehmen und im Sinne Schulmeisters wachsam bleiben, so Wisser.

Im Anschluss an den Gottesdienst zogen die rund 200 TeilnehmerInnen in einem Schweigemarsch zum Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoa auf dem Judenplatz. Der Gedenkgottesdienst fand im Rahmen der Bedenkwoche „Mechaye Hametim – Der die Toten auferweckt“ statt, die von mehreren kirchlichen und jüdischen Organisationen gemeinsam organisiert wird.

ISSN 2222-2464