Gedenken an den Reformator Jan Hus in Prag

Prag gedachte des Reformators und Märtyrers Jan Hus, dessen Todestag sich am 6. Juli zum 600. Mal jährte. Das Bild zeigt Jan Hus in dem 1562 in Wittenberg erschienen Buch von Johann Agricola: Bildnisse etlicher Fürsten und Herren zur Zeit der Reformation. (Foto: Wikipedia)
Prag gedachte des Reformators und Märtyrers Jan Hus, dessen Todestag sich am 6. Juli zum 600. Mal jährte. Das Bild zeigt Jan Hus in dem 1562 in Wittenberg erschienen Buch von Johann Agricola: Bildnisse etlicher Fürsten und Herren zur Zeit der Reformation. (Foto: Wikipedia)

Märtyrer der Wahrheit, Wegbereiter der Reformation

Wien/Prag (epdÖ) – In Prag haben am Sonntag, 5. Juli 2015, die Feierlichkeiten zum Gedenken an den Märtyrertod des Reformators Jan Hus (1370-1415) vor 600 Jahren begonnen. Den Auftakt bildete am Abend ein Konzert der Mährischen Philharmonie Olomouc (Olmütz) auf dem Altstädter Ring, wo das berühmteste Hus-Denkmal Tschechiens steht. In der evangelischen Salvator Kirche wurde eine Ausstellung zur Reformation in verschiedenen Ländern eröffnet. Am Montag 6. Juli, dem eigentlichen Todestag, der in Tschechien ein Feiertag ist, stand unter anderem ein Festumzug vom Altstädter Ring am Programm. Am späten Nachmittag wurde zu einem Ökumenischen Gottesdienst eingeladen. An den Feierlichkeiten in Prag nahmen seitens der österreichischen evangelischen Kirchen Bischof Michael Bünker und Landessuperintendent Thomas Hennefeld teil.

„Jan Hus war ein Märtyrer der Wahrheit. Vor allem im Verständnis von Kirche und Gesellschaft hat er vieles vorweggenommen, was hundert Jahre später Martin Luther und andere gefordert haben: Gottesdienst in der Landessprache, Abendmahl unter beiderlei Gestalt, Beteiligung der Laien an der Kirchenleitung, Bildung durch Übersetzung der Bibel und vieles mehr“, erklärt Bischof Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist, gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Besonders beeindruckt zeigte sich Bünker von den öffentlichen Konzerten am Altstädter Ring, aber auch von der Ausstellung in der Bibliothek und dem Kunstprojekt an der Bethlehemskapelle, in der Hus regelmäßig predigte.

„Jan Hus war ein Wegbereiter der Reformation und ein unerschrockener Kämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit. Er hat es gewagt, sich mit den herrschenden Mächten seiner Zeit anzulegen und war bereit, dafür auch sein eigenes Leben zu riskieren. Das war nur möglich, weil er auf das Wort Gottes, wie es in der Bibel steht, in aller Demut vertraute“, betont Landessuperintendent Hennefeld. „Es war beeindruckend zu erleben, dass diese Feierlichkeiten im Gedenken an den 600. Todestag dieses bedeutenden Mannes in einem ökumenischen Geist und unter Beteiligung zahlreicher Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter aus Europa und Übersee stattgefunden haben.“

„Allein die Bibel sollte religiöse Autorität haben und allein Christus sollte im Zentrum des Glaubens stehen“, sagte die deutsche Luther-Botschafterin Margot Käßmann anlässlich ihres Besuches in Prag. Hus und Luther hätten beide Kritik am Zustand der Kirche in ihrer Zeit geübt, indem sie Korruption und Ablasshandel anprangerten. Beiden sei es um das „an der Bibel geschärfte Gewissen des Einzelnen“ gegangen. Hus zähle neben Martin Luther und Johannes Calvin zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Reformationszeit. Die Reformation sei eine Erneuerungsbewegung gewesen, die von vielen getragen worden sei und schon im 15. Jahrhundert begonnen habe. Deshalb werde es im Jahr 2017 auch „keinen deutschen Lutherkult geben, sondern ein internationales Reformationsjubiläum“. Reformation werde „als Prozess erkennbar, der lange vor Luther und seinen Mitstreitern begann und bis heute fortdauert“.

Jan Hus hatte in Prag studiert und war dort auch als Rektor tätig. Zehn Jahre predigte er in der Bethlehemskapelle und setzte sich für eine Reform der Kirche ein. Im Sommer 1415 sollte er vor dem Konstanzer Konzil seine Lehre leugnen. Er weigerte sich und wurde als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

ISSN 2222-2464