Für eine Wende in der Agrarpolitik

Anlässlich des Welternährungstags fordert die Evangelische Frauenarbeit ein Umdenken in Fragen der Ernährungssicherung

Waiern/Feldkirchen, 16. Oktober 2002 (epd Ö) Eine Wende in der Agrarpolitik hat die Evangelische Frauenarbeit in Österreich (EFA) gefordert. In einer Resolution, die im Rahmen der Herbstkonferenz am vergangenen Wochenende in Waiern verabschiedet wurde, fordern die Delegierten die wahlkämpfenden politischen Parteien in Österreich auf, Fragen der Ernährungssicherung heutiger und zukünftiger Generationen in ihren Programmen Priorität einzuräumen.

Die diesjährige Herbstkonferenz der Evangelischen Frauenarbeit tagte vom 11. bis 13. Oktober im Diakoniezentrum Waiern. 34 Delegierte aus ganz Österreich setzten sich im Vorfeld des Landfrauentages am 15. Oktober und des Welternährungstages am 16. Oktober mit dem Thema „Ernährungssicherung in Österreich und Südindien“ auseinander.

An der Konferenz nahm auch die Menschenrechtsbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche Indiens, Dr. Sarada Devi Karnataka teil. Devi leitet das Projekt der Aktion „Brot für Hungernde“ in Andhra Pradesh (Südindien). Am Samstag, 12. Oktober, wurde die Herbstkonferenz durch den Frauentag der evangelischen Frauenarbeit Kärntens erweitert. Vor 200 Besucherinnen stellte Devi die Rolle von Frauen in der Ernährungssicherung und der Landwirtschaft Südindiens dar. „Die Frauen arbeiten 18 bis 20 Stunden täglich. Sie verrichten jede Art von landwirtschaftlicher Arbeit und sind auch für die Beschaffung von Wasser und Feuerholz zuständig. Ihr Taglohn beträgt 25 Rupien, das ist nicht einmal ein halber Euro“, berichtete die Projektleiterin. Trotz der Anstrengungen, die sich auf den Gesundheitszustand und die Lebenserwartung auswirkten, schafften es die Frauen Südindiens kaum, zwei Mahlzeiten täglich für ihre Familien zu organisieren.“

Sterzinger: Ökologischer Landbau wird finanziell ausgetrocknet

Mag. Lisa Sterzinger, Referentin für Entwicklungszusammenarbeit, ging in ihrem Referat auf die Grenzen der industriellen Landwirtschaft ein. Als logischer Ausweg werde den Bauern und Bäuerinnen im bestehenden System die Anwendung von gentechnisch manipuliertem Saatgut angeboten. Diese Technik sei nicht nur teuer, sondern treibe die Bauern und Bäuerinnen in eine noch tiefere Abhängigkeit von den Agrarkonzernen. Forschungen im Bereich des ökologischen Landbaus würden systematisch abgewürgt und finanziell ausgetrocknet, kritisierte Sterzinger. Das Menschenrecht auf Nahrung sehe vor, dass Menschen durch eine geeignete Politik und internationale Zusammenarbeit in die Lage versetzt werden, sich aus eigener Kraft zu ernähren.

Den Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsdiskussion, an der auch die Kärntner Bäuerinnen Marlies Sulle, Vizebürgermeisterin in Himmelberg, und Carla Zwatz, Ortsbäuerin in Gnesau, teilnahmen. Sie berichteten über die schwierige Situation und die Arbeitslast der Bäuerinnen in Österreich. Die strengen Auflagen der EU seien für kleine Betriebe kaum zu erfüllen. Neben einem konventionellen Betrieb könne ein biologischer Betrieb kaum existieren. Sollten die strengen Gentechnik-Bestimmungen Österreichs nicht halten, würde dies das Ende des Biolandbaus bedeuten.

ISSN 2222-2464