Fortpflanzungsgesetz: Keine übereilte Reform

Theologe Körtner warnt vor „künstlich erzeugtem öffentlichen Druck“

Wien, 18. Dezember 2002 (epd Ö) Vor „künstlich erzeugtem öffentlichem Druck“ in der Debatte über eine Liberalisierung des österreichischen Fortpflanzungsmedizingesetzes warnt der Systematiker der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Univ. Prof. Dr. Ulrich H.J. Körtner.

In einem Artikel in ORF ON Science vom 18. Dezember nimmt Körtner zu den Nachrichten über zwei Frauen aus der Steiermark Stellung, die auf Grund einer eingepflanzten Ei- bzw. Embryonenspende nach der Menopause zwei Kinder zur Welt gebracht haben. Da derartige Eingriffe nach dem österreichischen Fortpflanzungsgesetz verboten sind, waren die Schwangerschaften im Ausland eingeleitet worden.

Körtner fragt in seinem Artikel, ob es bei der zunehmenden Forderung nach einer Änderung der Gesetzeslage in Österreich nur darum gehe, „Menschen in seltenen Notlagen zu helfen“, oder ob ein neues „Marktsegment der High-Tech-Medizin“ etabliert werden solle. Der Systematiker schlägt vor: „Statt scheibchenweise über eine Liberalisierung des österreichischen Fortpflanzungsmedizingesetzes zu diskutieren, ist eine Grundsatzdebatte über das Prinzip der ´reproduktiven Autonomie´ zu führen.“

Wichtige Fragen offen

Dabei, so Körtner, gehe es um die Fragestellungen. „Wie weit reicht das Recht auf Fortpflanzung? Welche Ziele beim Einsatz der modernen Repoduktionsmedizin und welche Mittel widersprechen der Menschenwürde der Geborenen und der Ungeborenen? Wie lässt sich der berechtigte Kinderwunsch gegen das mutmaßliche Kindeswohl abwägen? Und schließt das Recht auf das eigene Kind auch das Recht auf ein gesundes Kind ein?“ Bevor „diese und weitere Fragen“ nicht auf breiter Ebene diskutiert würden, bestehe kein Anlass für eine übereilte Reform des österreichischen Fortpflanzungsmedizingesetzes, schreibt der Theologe.

ISSN 2222-2464