Flüchtlinge: Vielfältiges Engagement in Innsbruck

Sprachkenntnisse und Integration gehören eng zusammen. In Innsbruck werden zahlreiche Deutschtrainings für Flüchtlinge angeboten. (Das Bild zeigt eine Schülerin beim Unterricht in Jordanien. Foto: Diakonie Katastrophenhilfe/ Ben Nausner)
Sprachkenntnisse und Integration gehören eng zusammen. In Innsbruck werden zahlreiche Deutschtrainings für Flüchtlinge angeboten. (Das Bild zeigt eine Schülerin beim Unterricht in Jordanien. Foto: Diakonie Katastrophenhilfe/ Ben Nausner)

Evangelisches Netzwerk ENFI aktiv in der Flüchtlingshilfe

Innsbruck (epd) – In Innsbruck hat Flüchtlingshilfe eine lange Tradition. Nicht erst seit der Flüchtlingskrise im Vorjahr sind die Evangelischen in der Tiroler Landeshauptstadt aktiv. Bereits seit Juni 2010 existiert das Evangelische Netzwerk für Flüchtlinge Innsbruck (ENFI). ENFI ist das Netzwerk der beiden Evangelischen Pfarrgemeinden (Christuskirche und Auferstehungskirche) und der beiden Einrichtungen des Diakonie Flüchtlingsdienstes (Interkulturelles Psychotherapiezentrum Ankyra und Rechtsberatung) in Innsbruck.

„ENFI sucht und findet Menschen, die bereit sind, Flüchtlinge kurzfristig oder auch über einen längeren Zeitraum persönlich, mit Sachspenden oder finanziell zu unterstützen“, heißt es auf einem Informationsblatt zum Netzwerk. Die Erhebung des Bedarfs bei Flüchtlingen geschieht durch die beiden Netzwerkpartner des Diakonie Flüchtlingsdienstes.

Beide Einrichtungen, das Psychotherapiezentrum wie die Rechtsberatung, leisteten notwendige und großartige Arbeit, in hohem Maße auch ehrenamtlich. Immer wieder kämen die professionellen HelferInnen aber an ihre Grenzen, etwa wenn sie sich wünschen, ihre Klienten umfassender und nachhaltiger zu unterstützen, betont man bei ENFI.
Über ENFI können die MitarbeiterInnen des Diakonie Flüchtlingsdienstesganz konkrete Anfragen per E-Mail an die UnterstützerInnen weitergeben. So hilft ENFI, indem es dievielfältigen Gaben und die Hilfsbereitschaft vieler Mitglieder der Pfarrgemeinden nutzt.Seit der Gründung im Juni 2010 wurde in über 150 Fällen Flüchtlingen auf diese Weise geholfen. Die meisten Anfragen beziehen sichderzeit auf finanzielle Unterstützung, damit Flüchtlinge notwendige Deutschkurse bezahlen können. „Bereits vor Jahren störten mich die negativen Äußerungen über Flüchtlinge. Da war die Errichtung von ENFI eine willkommene Gelegenheit, etwas für Flüchtlinge zu tun“, sagt Gundi Welzl, Unterstützerin des ENFI-Netzwerks. „ENFI überzeugte mich von Anfang an durch das Konzept – Unterstützung von Einzelpersonen beziehungsweise Familien für ein konkretes Projekt – sowie durch die Vorgangsweise – Verschicken der Anfragen und unmittelbare Rückmeldung, sobald ein Antrag abgeschlossen ist, durch die Koordinatorin.“ Durch persönlichen Einsatz bei ENFI, beispielsweise durch Lernhilfen, Konversation oder Begleitung bei Behördengängen, sind auch zahlreiche Freundschaften entstanden. „Besonders stolz sind wir auf eine gelungene Familienzusammenführung“, heißt es seitens des Netzwerks.

Seit September 2013 werden in den Räumen der Pfarrgemeinde Innsbruck-Christuskirche auch Deutschtrainings angeboten. Die Lerngruppe hat einen fixen Kern von 15 bis 25 Teilnehmenden (darunter auch Frauen). Manche Teilnehmende besuchen das Deutschtraining von Beginn an, andere bleiben weg, weil sich ihr Status ändert, sie eine Arbeit finden oder nicht mehr in Innsbruck wohnen. Es kommen aber auch immer wieder neue Interessierte hinzu. Zurzeit unterstützen 17 Trainerinnen und Trainer das Deutschtraining. „Ich kann die Situation in den Ländern, aus denen Menschen flüchten müssen, nicht verändern. Aber ich kann versuchen, denen, die hier bei uns sind, ein wenig Hoffnung zu geben, ihnen zu helfen, mit ihrer schwierigen Situation umzugehen. Und davon profitieren nicht nur sie, sondern wohl am allermeisten ich selber. Ich sehe seither die Welt ein wenig anders und stelle mir Fragen, an die ich früher nie gedacht hätte“, erzählt Erika Schwarz, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Deutschtraining der Christuskirche.

Ende des Jahres 2015 hat sich, angeregt durch den Bau eines Flüchtlingsheims der Barmherzigen Schwestern in der Sennstraße, der Verein „Freundeskreis HERberge“ mitVertreterInnen der Evangelischen Pfarrgemeinde Innsbruck-Christuskirche, der Römisch-katholischen Pfarre Saggen sowie der Barmherzigen Schwestern gegründet. Der Verein, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn gerichtet ist, bezweckt die begleitende Unterstützung von AsylwerberInnen, die in der „Herberge für Menschen auf der Flucht“ untergebracht sind.

ISSN 2222-2464