Flüchtlinge: Dantine kritisiert „übertriebene Alarmstimmung“

Superintendent Dantine: „Der Blick in unsere Gemeinden, aber vor allem darüber hinaus zeigt, wie groß noch immer die Hilfsbereitschaft in weiten Teilen der Bevölkerung ist.“ Foto: epd/Uschmann
Superintendent Dantine: „Der Blick in unsere Gemeinden, aber vor allem darüber hinaus zeigt, wie groß noch immer die Hilfsbereitschaft in weiten Teilen der Bevölkerung ist.“ Foto: epd/Uschmann

Mit der Rede vom drohenden Notstand fällt Politik Helfern in den Rücken

Salzburg (epdÖ) – Deutliche Kritik an der aktuellen Flüchtlingspolitik hat der Superintendent der evangelischen Diözese Salzburg/Tirol, Olivier Dantine, geübt. Die von der Bundesregierung ausgelöste „Alarmstimmung“ sei aus seiner Sicht „völlig übertrieben und unangebracht“, sagte der Superintendent am Samstag, 16. April, bei der Superintendentialversammlung in Salzburg, bei der Delegierte aller evangelischen Pfarrgemeinden der Diözese Salzburg/Tirol zusammenkamen. Dantine: „Der Blick in unsere Gemeinden, aber vor allem darüber hinaus zeigt, wie groß noch immer die Hilfsbereitschaft in weiten Teilen der Bevölkerung ist.“ Zudem gebe es nach wie vor viele politische Gemeinden, in denen keine Flüchtlinge untergekommen sind. „Die Rede von der notwendigen Abschreckung von Flüchtlingen und dem drohenden Notstand bewirkt eine noch stärkere Abkehr von einer akzeptierenden und hilfsbereiten Stimmung. Die Politik fällt damit allen Hilfsorganisationen und freiwilligen Helfern in den Rücken. Wo mehr Vertrauen notwendig wäre, werden durch Aussagen und Maßnahmen der verantwortlichen Politiker Ängste geschürt“, warnte der Superintendent. Die geplanten Verschärfungen des Asylgesetzes sieht Dantine als „menschenrechtlich äußerst bedenklich“.

Dantine erinnerte vor den Delegierten an das umfangreiche Engagement in evangelischen Pfarrgemeinden und Einrichtungen für Flüchtlinge. Schon seit langem ist der Diakonie Flüchtlingsdienst sowohl in Tirol als auch in Salzburg tätig, mit Rechtsberatung in diversen Organisationsformen, Integrationsprojekten und einem Projekt für Psychotherapie. Im Integrationshaus in Salzburg-Lehen beherbergt der Diakonie Flüchtlingsdienst etwa 70 Flüchtlinge. Neu eingestiegen ist das Diakoniewerk, das letztes Jahr in Liefering eine Flüchtlingsunterkunft für etwa 60 AsylbewerberInnen in der Grundversorgung eröffnet hat. Mehrere ehrenamtliche Helfer aus Pfarrgemeinden begleiten und betreuen die Flüchtlinge. Mittlerweile betreibt das Diakoniewerk in der Straniakstraße in Salzburg-Kasern eine weitere große Unterkunft mit 250 AsylbewerberInnen. Unterstützung kommt auch von der Schule für Sozialbetreuungsberufe des Diakoniewerks in Salzburg, die mit dem Fachmodul „Flucht und Integration“ auf den Bedarf nach qualifiziertem Personal in diesem Bereich reagiert.

Den Schwerpunkt des Engagements der Pfarrgemeinden sieht der Superintendent neben Deutschkursen und der Begleitung von Flüchtlingen im Schaffen von Begegnungsräumen. Zwar werde auch von einigen Pfarrgemeinden Wohnraum zur Verfügung gestellt, dennoch hätten hier „andere Organisationen mehr Möglichkeiten als Pfarrgemeinden“. „Gerade Angebote, die sich gemeinsam an Flüchtlinge und an die hiesige Bevölkerung richten, sind wichtig“, so der Superintendent weiter. Gute Beispiele dafür seien etwa Begegnungscafés oder eine Kochaktion von Flüchtlingen für Einheimische. Dantine: „Begegnung ist möglich, es wird deutlich, dass auch die Schutz suchenden und neu angekommenen Menschen uns etwas bieten können. Wichtig ist, dass Angst abgebaut und Vertrauen aufgebaut wird.“ Gerade hier könne die relativ kleine Evangelische Kirche einen wichtigen Beitrag leisten.

ISSN 2222-2464