Filmemacherin begleitet Krebskranken bis zum Tod

Der Film "Ein Augenblick Leben" - ein Vermächtnis für die Nachwelt. Filmemacherin Anita Natmeßnig begleitet einen 53-jährigen Lungenkrebspatienten in seiner letzten Lebensphase. (Foto: offizielles Filmplakat)
Der Film "Ein Augenblick Leben" - ein Vermächtnis für die Nachwelt. Filmemacherin Anita Natmeßnig begleitet einen 53-jährigen Lungenkrebspatienten in seiner letzten Lebensphase. (Foto: offizielles Filmplakat)

„Ein Augenblick Leben“ entstand nach Dreharbeiten für Doku im Hospiz

Wien (epdÖ) – Robert Linhart war Techniker in Wien und Patient im Hospiz der Caritas Socialis am Rennweg; er starb mit nur 53 Jahren an Lungenkrebs. Seine letzten Lebensstationen im Hospiz und zu Hause, seine noch offenen Wünsche und die oft verblüffend gelassenen Gedanken über seinen nahen Tod zeigt die Wiener Filmemacherin Anita Natmeßnig in ihrem jüngsten Streifen „Ein Augenblick Leben“, ihrem nach „Zeit zu gehen“ (2006) zweiten Film, der sich mit dem Sterben beschäftigt. Ihr neuer Film kam am 31. Oktober in die Kinos und soll in der Folge auch in Schulen zum Einsatz kommen.

„Ein Augenblick Leben“ entstand unmittelbar aus ihrer Beschäftigung mit würdevollem Sterben für die Kino-Dokumentation „Zeit zu gehen“, berichtet Anita Natmeßnig über ihr jüngstes Projekt. Die Dreharbeiten im Hospiz Rennweg hätten sie mit Robert Linhart in Kontakt gebracht; er sei von den sechs Protagonisten der Doku derjenige gewesen, „dessen Umgang mit dem Sterben mich am tiefsten berührte“.

Natmeßnig gibt Linhart viel Raum, behutsam und fast bedächtig zeichnet sie dessen „Übergang in eine andere Dimension“ auf. Der Film zeigt einen oft einsamen Mann, der mit der durch seine Krankheit brüchig gewordenen Stimme offen über seine Sehnsüchte und Ängste spricht, seine manchmal getrübte Beziehung zu seinen Eltern, die Nähemomente und das Distanzhalten in seinen Liebschaften, von denen keine in eine Lebensgemeinschaft mündete. Er hänge nicht sehr am Leben, es sei ja auch nicht besonders glücklich gewesen, sagt Linhart an einer Stelle des Films.

Und doch ist da sein Wunsch, zumindest filmisch der Nachwelt erhalten zu bleiben. Befragt nach seinem Vermächtnis nennt der manchmal mit Zigarette gezeigte Lungenkrebskranke zwei Dinge: Die Menschen mögen nicht rauchen, und: „Die Leute sollen sich selber mehr mögen, dann mögen sie auch die anderen mehr.“

Die evangelische Theologin Anita Natmeßnig wurde 1963 in Klagenfurt geboren, arbeitete als Journalistin für den ORF und ist jetzt Psychotherapeutin und freiberufliche Filmemacherin, die ehrenamtlich auch im Hospizbereich mitarbeitete. Über Robert Linhart sagt sie, er sei ihr ein Vorbild, „das Unveränderliche gelassen anzunehmen“.
Die Premierentour für „Ein Augenblick Leben“ war am 28. Oktober in Wien. Ab 31. Oktober ist der Film in verschiedenen Programmkinos in Österreich zu sehen. Zum Film erschienen auch Schulmaterialien, die zu Unterrichtsthemen wie Tod, Abschied, Krankheit und Lebenssinn altersgemäße Impulse geben.

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ISSN 2222-2464