Festakt und Festschrift für Altbischof Dieter Knall

Feier zum 75. Geburtstag in Graz – Schwarz: Tiefe Verantwortung für Kirchen und Christen im Donau- und Karpatenraum

Graz, 5. Oktober 2005 (epd Ö) – „Das Wichtigste, das sein Lebenswerk überstrahlt, ist eine tiefe Verantwortung für die Kirchen jenseits der Grenzen, für die Christen im Donau- und Karpatenraum“, sagte Ministerialrat Prof. Dr. Karl Schwarz in seiner Laudatio anlässlich des Festaktes zum 75. Geburtstag von Altbischof D. Dieter Knall am 30. September im Festsaal der Grazer Heilandskirche vor zahlreichen Gästen aus Kirchen und Politik. Diese Verantwortung resultiere aus seiner Herkunft aus Siebenbürgen. Schwarz betonte in seiner Ansprache ausführlich die kirchenhistorische Bedeutung des Altbischofs: „Allein die Bibliographie in der Festgabe für Knall umfasst 20 Seiten“. Die „Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus“, deren Mitglied Knall ist, hat ihr Jahrbuch 2005 dem emeritierten Kirchengeschichtsprofessor Dr. Peter Barton und Knall als Festschrift gewidmet.

„Sein eigentliches kirchengeschichtliches Thema“, so Schwarz, „hat Knall in der Landlerforschung und den letzten vier Zwangsumsiedlungen von Evangelischen in der letzten Phase der Regierungszeit Maria Theresias gefunden.“ Auch die Diasporaforschung und die Ökumenik seien prägend für Knall gewesen. Dies habe mit seinen Grund darin, dass der Altbischof elf Jahre theologischer Mitarbeiter und Generalsekretär des Gustav-Adolf-Vereins gewesen sei: „In dieser Zeit in Kassel lag ein Schwerpunkt in der Betreuung der evangelischen Minderheitskirchen in den Ländern Süd- und Osteuropas.“ So sei es nicht verwunderlich, dass der Name Knall oft als Abkürzung für „kennt natürlich alle lutherischen Landeskirchen“ genannt werde.

Miklas: Europa in die Steiermark geholt

„Dieter Knall hat die Diözese Steiermark in seiner Zeit als Superintendent geöffnet für alle theologischen Richtungen“, betonte der jetzige Superintendent der Steiermark, Mag. Herrmann Miklas, in seiner Begrüßung. Auch habe Knall Europa in die Steiermark geholt. „Knall hat uns gezeigt, was es bedeutet, global zu denken und lokal zu handeln“, so Miklas. Er habe aber nicht nur eine theologischer Öffnung initiiert, sondern auch eine „fruchtbare Zusammenarbeit mit der Landespolitik begonnen“. Die Steiermark schließlich sei nach Siebenbürgen „zur zweiten Heimat Knalls geworden“, unterstrich der Superintendent.

Krömer: Aus der Kraft des Evangeliums

„Ich danke Ihnen für all das, was Sie in Ihrem Dienst Gutes für die Evangelische Kirche in Österreich getan haben“, sagte der Präsident der Synode A.B. und der Generalsynode, Dr. Peter Krömer. Entscheidend sei gewesen, dass Knall sein Amt aus der Kraft des Evangeliums gelebt und versehen habe: „Es war immer wichtig für Sie, als Bischof das Wort Gottes zu verkündigen und so zu lenken und zu leiten.“ So bleibe Knall auch nach seiner Pensionierung eine geistliche Autorität. „Persönlich möchte ich mich bei Ihnen bedanken für die Unterstützung, die ich als Synodenpräsident immer bei Ihnen erfahren durfte“, schloss Krömer.

Sturm: Die Welt in unsere Kirche geholt

„Altbischof Knall hat sein Bischofsamt auf gute, verlässliche und präzise Weise gefüllt“, betonte Bischof Mag. Herwig Sturm. Es sei „enorm bereichernd gewesen für uns als Pfarrerinnen und Pfarrer, wenn Knall von seinen Erfahrungen und Erlebnissen als Generalsekretär des GAV jenseits des damaligen Eisernen Vorhangs erzählt hat“. Auch im Exekutivausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen habe Knall die Evangelische Kirche in Österreich „hervorragend vertreten und die Welt in unsere Kirche geholt“. Das sei ein „Aufbruch und etwas ganz Neues“ gewesen. Sturm erinnerte an die beiden Papstbesuche 1983 und 1988 in Österreich: „Noch heute erinnere ich mich an die Predigt Knalls über die einende Taufe in der Salzburger Christuskirche, als der Papst dabei war.“

Lintner: Sensibel für Pfarrfrauen dank Frau Knall

„Immer war Altbischof Knall das Wohlergehen der Pfarrfrauen wichtig, und immer hat er das Gespräch mit uns gesucht“, sagte die ehemalige Pfarrfrau und jetzige Superintendentialkuratorin der Steiermark, Evi Lintner. Knall habe auch das Pfarrfrauentreffen eingerichtet. Dafür gebühre letztlich der Dank seiner Frau, Elisabeth Knall, denn sie habe ihren Mann dafür sensibilisiert, „erst als Pfarrfrau, dann als Frau eines Superintendenten und schließlich als Frau des Bischofs“.

Knall: Zuversichtlich in die Zukunft gehen – Aus der Kraft des Evangeliums

„Was wir sind, das sind wir nicht aufgrund unserer Leistungen oder unserer Werke“, betonte Knall in seiner Dankesrede. „Was wir sind, das sind wir allein daraus, dass Gott uns liebt, und das müssen wir gesagt bekommen aus der Frohbotschaft des Evangeliums.“ Er selber habe erlebt, dass Gott die Menschen auf anderen Wegen führe, als sie sich das denken. „Aber Gott bewahrt uns auf diesen Wegen. Das habe ich oft erlebt hinter dem eisernen Vorhang, verfolgt von Sicherheitsdiensten.“ Gott habe ihm viele treue und wohlwollende Weggefährten zur Seite gestellt: „So lassen Sie uns miteinander zuversichtlich in die Zukunft gehen, weil sie von Gottes Geist erhellt wird. Unser Weg bleibt gesegnet aus der Kraft des Evangeliums.“

Dieter Knall war von 1976 bis 1983 Superintendent der Diözese Steiermark, von 1983 bis 1995 Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich.

Die Festschrift für Peter Barton und Dieter Knall ist das Jahrbuch 120 der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich. Die Festschrift ist erschienen im Evangelischen Presseverband, wo sie auch bezogen werden kann: Tel.: 01/712 54 61, ta.gn1513470648ave@v1513470648pe1513470648

ISSN 2222-2464