Evi Lintner neue Supertintendentialkuratorin

Die Religionslehrerin aus Trofaiach folgt auf Georg Haditsch – Steirsche Superintendentialversammlung tagte in Kapfenberg

Graz, 12. März 2003 (epd Ö) Im 8. Wahlgang hat die Superintendentialversammlung der Diözese Steiermark am 8. März in Kapfenberg die Religionslehrerin Evi Lintner zur neuen Superintendentialkuratorin gewählt. Lintner (58) ist seit 1975 in Trofaiach im Religionsunterricht tätig, weiters vertritt sie seit einigen Perioden alle ReligionslehrerInnen in der Generalsynode der Evangelischen Kirche A. und H.B. in Österreich. Ihr neues Amt möchte Lintner „mit Leben, Spiritualität und Offenheit erfüllen“. Privat, beruflich und ehrenamtlich ist Lintner Zeit ihres Lebens stets in engem Kontakt mit Kindern und Jugendlichen gewesen. Ihr Interesse gelte den Menschen, sie könne gut auf andere zugehen und unter-schiedliche Gruppierungen an einen Tisch bringen, sagte Lintner bei ihrer Vorstellung. Mit den Worten „Ich habe den Mut, Dinge beim Namen zu nennen, und versuche trotzdem, andere nicht zu verletzen“ konnte Lintner die Delegierten für sich überzeugen. Für das Leitungsamt kandidierten neben Lintner noch zwei weitere Frauen sowie vier Männer.

Der Superintendentialkurator bzw. die Superintendentialkuratorin ist das weltliche Pendant zum Superintendenten bzw. zur Superintendentin, wie bei diesem/dieser ist für die gültige Wahl eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Notwendig geworden war die Neuwahl durch den Rücktritt von Univ. Prof. Dr. Johann Georg Haditsch, der nach über siebzehn Jahren Tätigkeit als steirischer Superintendentialkurator dieses Amt in jüngere Hände legen wollte.

Am Ende der langen Sitzung in Kapfenberg dankte Superintendent Mag. Hermann Miklas seinem engen Weggefährten Haditsch bewegt für die gute Zusammenarbeit. Die Delegierten würdigten ihren scheidenden Vorsitzenden mit Standing Ovations. Die offizielle Amtsübergabe wird am 26. April in einem feierlichen Gottesdienst in der Grazer Heilandskirche erfolgen. Prof. Haditsch, im bürgerlichen Beruf Geologe, bleibt weiterhin Umweltbeauftragter der Evangelischen Kirche für die Steiermark und für Österreich und vertritt diese auch im europäischen Rahmen.

Evi Lintner war bisher schon Mitglied im Superintendentialausschuss, dem diözesanen Leitungsgremium. Dorthin folgt ihr nun der 65-jährige Jürgen Schmidt. Schmidt war lange Jahre Vizebürgermeister von Knittelfeld und ist derzeit als diözesaner Kirchenbeitragsreferent und stellvertretender Vorsitzender der Finanzkommission der Evangelischen Kirche in Österreich ehrenamtlich engagiert. Schmidt konnte sich in der siebzig Personen umfassenden Super-intendentialversammlung gegen fünf weitere Kandidaten durchsetzen.

„Auch als Kirche kommen wir nicht darum herum, unsere Mitglieder als Kunden zu sehen, die es zu umwerben gilt“ sagte der Superintendent der Diözese Steiermark, Mag. Hermann Miklas, in seinem Bericht vor der Superintendentialversammlung am vergangenen Samstag in Kapfenberg. Miklas forderte dies aufgrund der statistischen Zahlen der Kirchenmitglieder in der Steiermark. Zwar sei „vorsichtig anzumerken“, dass die Austrittszahlen das dritte Jahr in Serie abflachen, insgesamt aber sei eine Negativbilanz von insgesamt 694 Personen im Vergleich zu 2001 zu verzeichnen. Erstmals gesunken sind dadurch auch die Einnahmen durch den Kirchenbeitrag. „Noch längst nicht“ seien alle Potentiale an werbewirksamen und effizienten Methoden der Kirchenbeitragseinhebung ausgeschöpft, so Miklas. Mögliche Gegenstrategien „schließen auch die Bereitschaft zu tiefgreifenden strukturellen Änderungen ein.“ Ende März werde es daher eine PfarrerInnenkonferenz zum Thema „Kundenfreundlichkeit in der Kirche“ geben.

Kernkompetenz von Kirche definieren

Die „schlimmste Gefahr“ sei aber nicht die, „dass der christliche Glaube womöglich radikal abgelehnt würde, sondern wenn er von den Menschen als unverbindlich, langweilig und nichtssagend wahrgenommen würde.“ So müsse bei den Arbeitszweigen der Gemeinde, wo es notwendig sei, „sehr genau die Kernkompetenz von Kirche definiert werden“, damit es zu einer Konzentration auf das Wesentliche“ komme und noch bewusster als bisher „Schwerpunkte gesetzt werden.“

Beeindruckt zeigte sich der Superintendent von dem Engagement, mit dem in der evangelischen Kirche gearbeitet werde. Besonders in der Urlaubszeit oder bei krankheitsbedingten Ausfällen sei aber zu bemerken, dass „wir an den Grenzen unserer Kapazität stehen“.

Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile

Kirche sei mehr als die „Summe von Gottesdiensten, Bibelarbeiten, Frauenkreisen, Amtshandlungen und Religionsunterrichtsstunden,“ so Miklas. Kirche sei mehr als die Summe dieser Teile, sie „ist eine weltumspannende Idee und eine göttliche Stiftung. Sie ist das Fenster von Raum und Zeit hinaus in die Unendlichkeit der Ewigkeit.“ Die großartige Idee des Evangeliums „darf nicht abstrakt bleiben, sondern muss sich bis in die ganz kleinen Dinge des Lebens und unserer Kirche hinein konkretisieren.“

Mit dem Stichtag 31. Dezember 2002 leben 45.888 evangelische Christen und Christinnen in der Steiermark.

ISSN 2222-2464