Evi Krobath war „Pionierin der feministischen Theologie“

„Die Bibel zur Sprache bringen“ – Buchpräsentation und Symposion

Wien (epd Ö) – „Die Bibel zur Sprache bringen“ ist der Titel eines neuen Buches mit Texten der evangelischen Theologin Evi Krobath. Präsentiert wurde der Sammelband im Rahmen eines Symposions, zu dem die Evangelische Akademie und die Evangelisch-Theologische Fakultät Wien am Mittwoch, 8. Dezember, ins Albert Schweitzer Haus geladen hatte. Im Gedenken an die 2006 bei einem Unfall tragisch verstorbene Theologin veranstaltet die Evangelische Akademie Wien jährlich eine Tagung, die „Themen gewidmet ist, von denen Evi Krobath überzeugt war“, sagte die Leiterin der Evangelischen Akademie, Waltraut Kovacic. Heuer stand die Gedenkveranstaltung im Zeichen der „Feministischen Bibelauslegung in drei Generationen“.

Die Universitätsprofessorin für Altes Testament, Marianne Grohmann, die das Buch mit großteils bisher unveröffentlichten Texten gemeinsam mit Astrid Bamberger herausgegeben hat, würdigte Krobath als „Pionierin der feministischen Theologie“, die mit ihrer Arbeit auch im jüdisch-christlichen Dialog eine herausragende Stellung eingenommen habe. „Für mich war sie Freundin, Mentorin und Lehrerin, die mich immer ermutigt hat, wissenschaftlich zu arbeiten“, erzählte Grohmann. Krobath, Jüdin und evangelische Theologin, habe die Anfänge und damit die erste Generation der feministischen Theologie in Österreich „entscheidend“ geprägt. Ihr sei es, so Grohmann, gelungen, „gesellschaftspolitisches Engagement mit theologischen Fragestellungen zu verknüpfen und zwischen Theorie und Praxis zu vermitteln“. Wichtig sei Evi Krobath, die aus einer Schauspielerfamilie stammte und mit dem evangelischen Pfarrer Heinz Krobath verheiratet war, immer der Dialog gewesen.

Das neue Buch, das im Evangelischen Presseverband erschienen ist, bringe die „Herzstücke“ aus der Arbeit von Evi Krobath, sagte Astrid Bamberger vom Institut für Alttestamentliche Wissenschaft an der Evangelisch-Theologischen Fakultät. So zeichne das Buch eine hohe sprachliche Qualität aus, die lebendige und oft auch humorvolle Sprache täusche jedoch nicht „über den Ernst der Lage“ hinweg. Krobath sei immer für eine „Sprachgerechtigkeit“ eingetreten und habe sich an festgefahrenen Strukturen gestoßen. Auch wenn sich in der Zwischenzeit viel in der Kirche verändert habe, „sind nicht alle Problemfelder aus dem Weg geräumt“. Auch heute noch werde „die männliche Sicht als die allgemeine Sicht“ verstanden, kritisierte Bamberger. Sprache bilde gesellschaftliche Realität ab. Die „Aufbruchstimmung“ der ersten Generation der feministischen Theologinnen habe an Kraft verloren, Anliegen, etwa hinsichtlich einer gendergerechten Sprache, würden oft „ins Lächerliche gezogen“. In Krobaths Texten sei „eine Emotionalität und Polemik zu spüren, die zu Unrecht abgehakt ist“, befand die junge Theologin.

Schottroff: Zeitdokumente, die heute immer noch hochaktuell sind

Als Vertreterin der so genannten „zweiten“ Generation der feministischen Theologinnen unterstrich die Vizerektorin der Karl-Franzens-Universität Graz, Irmtraud Fischer, den Wandel in den Zielvorstellungen. Während in der ersten Generation das gesellschaftspolitische Engagement breiten Raum eingenommen habe, sei es in der zweiten Generation vor allem um das Ziel der Habilitation gegangen, „wir haben gewusst, wir können nur etwas verändern, wenn wir auch Lehrende sind“. Heute sei dies „Gott sei Dank selbstverständlich“, sagte Fischer mit Blick auf die habilitierte Marianne Grohmann, wenn auch nach wie vor der Weg „für Männer und Frauen nicht gleich schwer“ sei. Fischer stellte bei dem Symposium das Projekt „Die Bibel und die Frauen“ vor. Bei der auf 22 Bände angelegten exegetischen und kulturgeschichtlichen Enzyklopädie – der erste Band („Tora“) ist bereits erschienen – arbeiten Wissenschaftlerinnen international und interdisziplinär zusammen, um „den weiblichen Anteil an der Geschichte aufzuzeigen und diese damit neu zu schreiben“. Über das „Erbe der Mütter und Großmütter. Weibliche Genealogien in der Bibel und heute“ sprach bei dem Symposium Ulrike Sals von der Universität Bern.

Als „Zeitdokumente ihrer Zeit, die heute immer noch hochaktuell sind“, bezeichnet die renommierte Theologin Luise Schottroff die Texte von Evi Krobath. „Die Fragen, wie christlicher Antijudaismus erkannt und überwunden werden kann, sind noch nicht wirklich beantwortet. Vor allem aber: Evi Krobaths Texte sind getragen von einer Liebe zur biblischen Tradition, auch zu Paulus, dem viel Verkannten“, schreibt die Freundin und Weggefährtin Krobaths in ihrem Geleitwort. Erhältlich ist das neue Buch im Evangelischen Presseverband unter 01/712 54 61 und , im Webshop auf evang.at (http://shop.evang.at/) sowie im Buchhandel.

(Die Bibel zur Sprache bringen. Texte von Evi Krobath, herausgegeben von Astrid Bamberger und Marianne Grohmann, 302 Seiten, 6 Fotos, erschienen im Evangelischen Pressever-band, ISBN 978-3-85073-142-3, EUR 18,50).

Fotos zur Buchpräsentation unter http://foto.evang.at/

ISSN 2222-2464