Europäische Konferenz für christliche Erziehung tagt in St. Pölten

Bünker: Kinder als Subjekte religiöser Überzeugung wahrnehmen

Wien (epd Ö) – Zum Thema „Zwischen den Traditionen – Neue Ausrichtungen in der kirchlichen Arbeit mit Kindern“ tagt seit Montag, 29. Jänner, bis Samstag, 3. Februar, die Europäische Konferenz für christliche Erziehung (European Conference on Christian Education – ECCE) im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. Aus ganz Europa sind über 90 Verantwortliche aus der kirchlichen Arbeit mit Kindern zusammengekommen.

Durch die Konferenz führt der lutherische Oberkirchenrat Michael Bünker. Ein Thema ist die so genannte „Kindertheologie“. Bünker forderte die TeilnehmerInnen am Dienstag dazu auf, „Kinder nicht länger als Objekte der Belehrung, sondern als Subjekte der eigenen religiösen Überzeugung“ wahrzunehmen: „Kinder sind in der Kindertheologie die Partner der Lehrenden auf dem gemeinsamen Weg der Wahrheitssuche.“ Der Oberkirchenrat gab zu bedenken, dass Kinder eigenständig Gottesbilder hervorbringen können, auf ihre Art biblische Texte auslegen, über kosmologische und schöpfungstheologische Fragen nachsinnen und sich auch mit ethischen und moralischen Grundproblemen beschäftigen. Bünker: „Kinder und Erwachsene haben die gleichen Stimmen im Prozess der Suche und des Fragens, im Abwägen der Argumente und gemeinsamen Überlegen.“

Kinderfreundliche Kirche

Bünker berichtete über den Schwerpunkt „Kinderfreundlichen Kirche“, der im vergangenen Jahr die lutherische Kirche in Österreich geprägt hatte. „Eine kinderfreundliche Kirche sieht die Gesellschaft, die Politik, die Konsumwelt und auch sich selbst aus einer anderen, einer neuen Perspektive.“ Das führe dazu, dass sich Kirche zu ändern beginne, wenn sie diesen Perspektivenwechsel ernstnimmt, betonte der Oberkirchenrat. „Kinder sind ein Geschenk an die Kirche, das uns von Jesus selbst gemacht wird; Jesus stellt das Kind in unsere Mitte, nicht als Objekte unseres Wohlwollens oder als Empfänger von Belehrungen, sondern damit wir am Kind erkennen, was Jüngerschaft bedeutet.“ Deshalb schade eine Kirche, die Kinder nicht bedingungslos aufnehme, „sich selbst massiv“, resümierte Bünker.

Tradition erlebbar und nachvollziehbar

Reverend Cannon Leslie Francis, Professor für Praktische Theologie an der Universität von Wales und Direktor des Walisischen Nationalen Zentrums für Religiöse Erziehung, unterstrich bei seinem Vortrag am Dienstag, dass „das Kind als Theologe“ nicht verwechselt werden darf mit „Kindertheologie“. Theologie sei kein Wissenskomplex und keine Tradition, sondern sie beruhe auf Erfahrungen und Aktivitäten von Kindern und Erwachsenen in einer von Gott geschaffenen Welt und führe zum Dialog, so Francis. Heute gehe es darum, Tradition für Kinder erlebbar und nachvollziehbar zu machen. Als Quellen für die Erfahrung führte er die Natur, die Bibel und die Gemeinschaft von Menschen an. Francis sprach sich dafür aus, Kinder von ihren täglichen Erfahrungen her zu einer Auseinandersetzung mit der Bibel und der Kirche heranzuführen. An diese Erfahrungen anknüpfend sollen Interesse, Aufregung und Wissbegierde lebendig gehalten werden. Begeisterung endet nicht in einem bestimmten Alter, sondern könne „ein Leben lang anhalten“.

Von einer „Theologie auf Augenhöhe“ sprach am Dienstag Pfarrerin Kerstin Othmer-Haake aus Dortmund. Bei dieser Theologie gehe es darum, lebendig und praktisch alle Sinne anzusprechen, so Othmer-Haake. Dabei stünden die Teilnahme und das Erlebnis im Vordergrund. Die Kinder sollen teilnehmen, eingebunden und aktiv sein, die Regeln beeinflussen und den Prozess beenden oder lenken können. Die Pfarrerin: „Kindern sind mit Respekt zu behandeln; sie sind nicht bessere Menschen, aber sie sind Menschen.“

Die ECCE fördert mit Vorträgen, Workshops und Seminaren den fachlichen Austausch von Menschen, die im Bereich der Kirche mit Kindern arbeiten. Die Konferenz findet alle drei Jahre in verschiedenen Teilen Europas statt. Im Rahmen eines Wien-Tages ist die diesjährige Konferenz am Donnerstag auch Gast in der Superintendentur der Evangelischen Diözese A.B. Wien.

Weitere Informationen unter www.ecceweb.org

ISSN 2222-2464