Evangelischer Kirchenhistoriker Alfred Raddatz gestorben

Als langjähriger Vizepräsident des „Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ war Raddatz besonders im christlich-jüdischen Dialog engagiert

Wien (epd Ö) – Der Wiener evangelische Theologe Alfred Raddatz, emeritierter Professor für Kirchengeschichte, christliche Archäologie und kirchliche Kunst an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, ist am Mittwoch, 7. Juni, im 79. Lebensjahr verstorben. Raddatz war besonders im christlich-jüdischen Dialog engagiert. „Die Fakultät verliert mit Alfred Raddatz einen Wissenschaftler, der als Mensch und Lehrer eine eindrucksvolle Gestalt war“, erklärte der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Univ.-Prof. Dr. Gottfried Adam. Die Beisetzung findet am Mittwoch, 21. Juni, um 12.00 Uhr am Dornbacher Friedhof (Alszeile 28, 1170 Wien) statt, der Gedenkgottesdienst findet am selben Tag um 19.00 Uhr in der Lutherkirche (Martinstraße 25, 1180 Wien) statt.

Raddatz wurde am 15. März 1928 in Berlin geboren. Nach dem Studium der Theologie, Kunstgeschichte und Christlichen Archäologie an der Humboldt-Universität Berlin erhielt er ab 1959 Lehraufträge an der Universität Greifswald und an der Humboldt-Universität, wo er sich 1963 habilitierte und wo er ab 1966 als Dozent lehrte. 1971 kam Raddatz an die Wiener evangelische Fakultät, wo er erster Ordinarius des neu gegründeten Instituts für Kirchengeschichte, Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst wurde.

Wilhelm Dantine holte Raddatz in den Vorstand des „Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit“, dessen Vizepräsident er ab 1974 war (von 2001 bis 2003 wirkte er auch als Präsident). Besonders wichtig war Raddatz auch die Einrichtung eines „Tags des Judentums“ in ökumenischer Trägerschaft. Raddatz ging es aber nicht nur darum, dass die Christen rational bedenken, was ihnen an Besonderem durch die Verwurzelung ihres Bekenntnisses im Judentum geschenkt wurde. Er wollte die Freude über diese Verwurzelung in Israel auch spirituell und emotional verwurzelt sehen: „Sind wir Heiden wirklich froh, dass Gott uns Israel zum Licht gesetzt hat? Die Kirchengeschichte beweist das nicht gerade!“ Die Geschichte christlicher Judenfeindschaft, dargestellt am Bildmotiv von „Ecclesia“ und „Synagoga“, beschäftigte Raddatz bereits seit seiner Dissertation. 2004 initiierte er die Ausstellung „Ecclesia und Synagoga in der christlichen Kunst“ im Wiener Dom- und Diözesanmuseum. Raddatz regte auch an, in einem Forschungsprojekt des „Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ alle Ecclesia-Synagoga-Darstellungen in Österreich zu dokumentieren.

ISSN 2222-2464