Evangelischer Bund feierte 111-jähriges Bestehen

Glückwünsche zum Jubiläum: (v.l.) Matthias Ullrich (Vorsitzender des Evangelischen Bundes Hessen-Nassau), Moderatorin Astrid Schweighofer, Paul Weiland (Obmann des Evangelischen Bundes in Österreich) und Walter Fleischmann-Bisten (Leiter des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim) Foto: epd/M. Uschmann
Glückwünsche zum Jubiläum: (v.l.) Matthias Ullrich (Vorsitzender des Evangelischen Bundes Hessen-Nassau), Moderatorin Astrid Schweighofer, Paul Weiland (Obmann des Evangelischen Bundes in Österreich) und Walter Fleischmann-Bisten (Leiter des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim) Foto: epd/M. Uschmann

„Glauben sprachfähig machen“ – Neues Buch über evangelische Standpunkte

Wien (epdÖ) – „Der Evangelische Bund ist aufgrund seiner Basisarbeit im Dienste der Kirche, des Evangeliums und der Gesellschaft aus dem evangelischen Leben nicht wegzudenken.“ So würdigte Bischof Michael Bünker den Evangelischen Bund im Rahmen seiner 111-Jahr-Feier am Donnerstagabend, 16. Oktober, in der Lutherkirche in Wien-Währing. Zahlreiche Mitglieder und Repräsentanten der Kirchen aus Österreich sowie von den Partnerverbänden in Deutschland waren gekommen, um den 1903 in Österreich gegründeten Bund zu feiern.

In seiner Arbeit gehe es darum, den Glauben wieder sprachfähig zu machen und aktuelle Themen zum Ausdruck zu bringen, sagte der Obmann des Evangelischen Bundes, Superintendent Paul Weiland. Eingestimmt wurde die Feier mit einem Gottesdienst, den die stellvertretende Obfrau Pfarrerin Birgit Lusche und der stellvertretende Obmann Pfarrer Christoph Weist gestalteten. In drei Interviewrunden wurden anschließend aktuelle Herausforderungen diskutiert.

Mit der Fragestellung „Gesellschaft ohne Gott?“ setzten sich Bischof Bünker und der Theologe und Vorstand des Instituts für systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Ulrich Körtner, auseinander. Bünker sieht sich prinzipiell nicht als Teil einer gottlosen Gesellschaft, auch wenn man die Transformations- und Indifferenzierungsprozesse der Zeit natürlich ernst nehmen müsse. Er zeigte sich davon überzeugt, dass nur der kleinste Teil derer, die sich nicht mit der Kirche identifizieren könnten, auch dezidiert antireligiös eingestellt sei. Früher, so Bünker, war es begründungsbedürftig, wenn man nicht zur Kirche dazugehörte. Heute sei es „normal, nicht an Gott zu glauben“. Auf diese Situation hätten sich die Kirchen weitgehend noch nicht eingestellt. Ulrich Körtner betonte, dass die Zahl der Kirchenmitglieder global zwar zunehme, in Europa jedoch über alle Konfessionen hinweg stark sinke. Wenn Kinder danach fragen, „warum dieser Mann am Kreuz hängt“, könne man mittlerweile leider nicht einmal mehr von einer gewissen „Kulturreligiosität“ ausgehen. Den „militanten Atheismus“ sieht Körtner gelassen, denn die „mediale Lautstärke“ lasse nicht automatisch auf eine hohe Zahl schließen. Auch wenn sich Menschen immer weniger mit der Institution Kirche verbunden fühlten, nehme der Glaube an sich keineswegs ab. Beim Rückgang der Kirchlichkeit in Europa ortet Körtner einen direkten Zusammenhang mit dem starken Ausbau des Wohlfahrtsstaates. Einig waren sich Bünker und Körtner, dass die Sprachfähigkeit mit jenen fehle, die Kirche und Religion gegenüber indifferent eingestellt seien.

In einer zweiten Gesprächsrunde diskutierten der niederösterreichische Jugendpfarrer Michael Simmer, Konfirmandenpfarrer Stefan Grauwald sowie Clemens Kolb von der Evangelischen Jugend Österreich zum Thema „Kirche und Jugend“. Tenor war, dass die Kirche die Jugendlichen in ihren Bedürfnissen und Verantwortungen ernster nehmen müsse. Man müsse ihnen zeigen, „dass sie wertvoll sind und ihre Aufgaben innerhalb der Gemeinde sich nicht nur auf das Rasenmähen im Pfarrgarten“ beschränkten, meinte etwa Grauwald. Jugendliche wollen „aufrichtig gebraucht werden“, dann würden sie auch viel eher am Gemeindeleben teilnehmen. Dass sich junge Menschen nicht unbedingt für Kirche, aber für Religion und Glaube interessieren, hat Michael Simmer in seiner Arbeit erfahren. Wie Grauwald und Kolb ist auch Simmer überzeugt, dass „coole Events“ alleine nicht mehr reichen, um Jugendliche anzusprechen.

Neues Buch informiert über evangelische Standpunkte

Obmann Paul Weiland ging an dem Abend, durch den die Journalistin und Theologin Astrid Schweighofer führte, auch auf die Geschichte des Evangelischen Bundes ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe der Bund, der davor stark nationalsozialistisch geprägt war, eine Neuausrichtung erfahren. In evangelischer und ökumenischer Perspektive habe man sich auf konfessionskundliche und gesellschaftspolitische Themen konzentriert. Der Leiter des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim, Walter Fleischmann-Bisten, erinnerte daran, dass in der Gründungsphase die Evangelischen Bünde in Deutschland wie in Österreich Arbeitsfelder übernommen hätten, um die sich die Kirche nicht kümmerte. Heute gehe es um „theologischen Austausch in ökumenischer Perspektive“. Der Vorsitzende des Evangelischen Bundes Hessen-Nassau, Matthias Ullrich, hob den notwendigen Blick über die Grenzen und den wissenschaftlichen Auftrag hervor. So fördere der Bund besonders junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und ermögliche so immer wieder neue, interessante Zugangsweisen.

Vorgestellt wurde im Rahmen der Feierstunde auch ein neues Buch, das im Auftrag des Evangelischen Bundes im Verlag Evangelischer Presseverband erscheint. „Evangelisch. Standpunkte für christliches Leben“ bringt „kurzgefasst wichtige Themen des evangelischen Lebens auf den Punkt“, sagte Elizabeth Morgan-Bukovics aus dem Kreis der Herausgeber. Nähere Informationen über die Arbeit des Evangelischen Bundes finden sich unter www.evangelischerbund.at.

Bilder zur Veranstaltung unter foto.evang.at

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ISSN 2222-2464