Evangelische Studierende damals und heute

Theologiestudent Karl Schiefermair im Interview für die ORF-Sendung "Ohne Maulkorb" aus dem Jahr 1979. 35 Jahre später zeigt das ORF-Magazin "Orientierung" den Beitrag nocheinmal und bat Schiefermair, mittlerweile Oberkirchenrat, noch einmal ins Studio. (Foto: screenshot)
Theologiestudent Karl Schiefermair im Interview für die ORF-Sendung "Ohne Maulkorb" aus dem Jahr 1979. 35 Jahre später zeigt das ORF-Magazin "Orientierung" den Beitrag nocheinmal und bat Schiefermair, mittlerweile Oberkirchenrat, noch einmal ins Studio. (Foto: screenshot)

„Orientierung“ bat ehemalige Interviewpartner vor die Kamera

Wien (epdÖ) – Einen aus evangelischer Sicht interessanten Blick ins Archiv warf die ORF-Sendung „Orientierung“ in ihrer Ausgabe vom 22. Juni. Zu sehen war eine Ausgabe des ORF-Jugendmagazins „Ohne Maulkorb“ aus dem Jahr 1979, in der evangelische Theologiestudierende über ihre Ansichten, Perspektiven und Ideale sprachen. 35 Jahre später bat die „Orientierung“ die ehemaligen Studierenden wieder vor die Kamera, um sich gemeinsam mit ihnen die Sendung von damals anzusehen.

„Man merkt, in den Grundzügen ist man mit sich noch einer Meinung“, stellt Karl Schiefermair fest. Der damals 22-jährige Student kritisierte 1979 das Theologiestudium an der Universität, dieses sei zu vielen Zwängen unterworfen und die Ausbildung zu theoretisch. „Wenn man nach dem Studium dann vorm Lehrling steht, dann hat man ganz große Schwierigkeiten, halbwegs was zu sagen. Das müssen wir alle wieder lernen.“ Auch heute noch gebe es dieses Sprachproblem, zeigt sich Schiefermair, mittlerweile Oberkirchenrat, überzeugt. „Da sind wir nach wie vor Lernende. Eben Menschen in unserer Zeit zu erreichen, ihre Sprache zu sprechen und trotzdem das sagen zu können und wollen, was unsere Mission ist.

„Kritischer sieht Thomas Krobath sein jüngeres Selbst. Als Theologiestudent habe er noch eine äußert wirtschaftskritische Position vertreten. „Das Christentum hat den Anspruch, den Menschen zu befreien. Das ist eine Kraft, die wieder lebendig gemacht werden muss. So verstehe ich auch die Aufgabe eines Pfarrers. Er hat einen lässigen Job, er braucht nicht im Akkord zu schaffen, damit der Profit eines Unternehmens steigt“, so der junge Student. Heute vertritt Krobath, mittlerweile Vizerektor der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, diese Meinung nicht mehr. „Die plumpe Gegenüberstellung von Theologie, Kirche und Wirtschaft, das sehe ich heute so nicht mehr.“ Es gelte, die Wirtschaft sinnvoll zu gestalten, sie in den Dienst der Menschen zu stellen.

Ganz andere Sorgen hatte 1979 die 22-jährige Theologiestudentin Dagmar Lassmann. Zwar war es damals bereits möglich, dass Frauen zu Pfarrerinnen ordiniert wurden. Mit der Verheiratung mussten die Frauen aber aus dem Amt ausscheiden, kritisiert Lassmann. Bereits ein Jahr nach Ausstrahlung der „Ohne Maulkorb“-Sendung wurde dies von der Synode geändert. Im Gegensatz zu Krobath ging Lassmann nach dem Studium ins Pfarramt, schied aber nach sieben Jahren wieder aus dem kirchlichen Dienst aus. „Die Sonderstellung der Pfarrerin in der Gemeinde hat mir nicht gefallen. Man soll nicht die Position des Entertainers und Managers aller Themen und Fragen für eine Gruppe von Leuten übernehmen müssen, das kann es nicht sein“, sagt Lassmann, die mittlerweile für die Diakonie Katastrophenhilfe und die evangelische Hilfsaktion „Brot für die Welt“ arbeitet.

Die aktuelle Ausgabe der Orientierung kann noch bis zum kommenden Sonntag, 29. Juni, in der TVthek des ORF nachgesehen werden: tvthek.orf.at/program/Orientierung/1366/Orientierung/8084941

Schlagworte: |

ISSN 2222-2464