Evangelische Stimmen zum Hiroshima-Gedenken

„Atommächte an Verpflichtung zur Abrüstung erinnern“

Wien (epd Ö) – Zum Hiroshima-Gedenktag am Sonntag, 6. August, haben mehrere leitende Persönlichkeiten der Evangelischen Kirchen in Österreich in Grußbotschaften Stellung genommen. Am Sonntag vor 61 Jahren wurde die erste Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen, drei Tage später folgte die Atombombe auf Nagasaki. Seit den 80er Jahren gedenkt die Wiener Friedensbewegung mit Veranstaltungen der Atombombenopfer. Im Rahmen der Aktion am Sonntagabend wurden wieder Grußbotschaften von prominenten Persönlichkeiten verlesen, darunter Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Bürgermeister Dr. Michael Häupl, Josef Hader, Ludwig Hirsch, Elfriede Jelinek und Bischof Erwin Kräutler. Am Mittwoch, 9. August, wird bei einer weiteren Gedenkveranstaltung ein Überlebender aus Nagasaki sprechen. Die Veranstaltung findet bei der Wiener buddhistischen Friedenspagode am Donauufer statt und beginnt um 20 Uhr.

Weltweite Friedensordnung einzige Alternative

„Die Idee eines Krieges mit allen verfügbaren Mitteln ist trotz der tiefen Erschütterung durch die beiden Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki nicht aus den Köpfen der Menschen zu vertreiben“, schreibt der evangelisch-lutherische Bischof Mag. Herwig Sturm in seiner Botschaft. „Einzige Alternative“ sei eine weltweite Friedensordnung. Die Europäische Union begrüßt Sturm als „bisher einzigartiges Friedensprojekt auf unserem Kontinent“. Er hofft, dass „die internationale Zusammenarbeit, die internationale Anerkennung der Menschenrechte und ein internationaler Gerichtshof einmal die Angst vor der unglaublichen Vernichtungskraft eines Atomkrieges oder auch nur begrenzter Atomschläge überflüssig machen wird. Bis dahin sei es notwendig, mit Wort und Tat für ein friedvolles Leben einzutreten.

Oberkirchenrat Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker erinnert an den Ökumenischen Rat der Kirchen, der heuer im Februar auf der Welt-Vollversammlung die Aufforderung zur Beseitigung aller Atomwaffen bekräftigt hat. Die fünf Atommächte – China, Frankreich, Russland, Großbritannien und die USA – müssten sich verpflichten, ihre Nuklearwaffen niemals als Erste einzusetzen, ihren Gebrauch nicht anzudrohen und sie auch nicht in Ländern von Nicht-Atommächten aufzustellen. Die Kirchen fordert der Ökumenische Rat auf, bei den eigenen Regierungen darauf hinzuwirken, dass die vollständige Vernichtung von Nuklearwaffen entsprechend den Bestimmungen des Atomwaffensperrvertrages angestrebt wird. Bünker: „Die Mahnung der Opfer von Hiroshima und Nagasaki verpflichtet uns, Atomwaffen keinesfalls hinzunehmen und alle Atommächte an ihre Verpflichtungen zur Abrüstung und friedlichen Konfliktbeilegung zu erinnern.“

Heute sei mehr als Erinnern notwendig, meint der evangelisch-reformierte Oberkirchenrat Mag. Thomas Hennefeld. Der Jahrestag dürfe nicht zu einem bloßen Ritual verkommen, sondern „muss uns allen vor Augen führen, zu welchen Taten der Mensch fähig und bereit ist“. Der Einsatz von Atombomben vor 61 Jahren habe nicht dazu geführt, „von der Teufelswaffe die Finger zu lassen, sondern bringt Regierungen immer wieder in Versuchung, mittels dieser zerstörerischen Waffe Macht an sich zu reißen, zu erhalten oder auszubauen“. Allein der Besitz solcher Waffen, die die gesamte Erde zerstören können, sei „ein Frevel und eine Sünde gegen Gott“. Christinnen und Christen sind aufgerufen, sich „kompromisslos und ohne Wenn und Aber für die Zerstörung aller Atomwaffen“ einsetzen und Initiativen zu unterstützen, die auf dem Weg dorthin einen Beitrag leisten.

Ideologische Verengung

„Was mag in den Köpfen von Machthabern vorgehen, die trotz der grauenhaften Bilder von Hiroshima und Nagasaki immer noch – oder wieder – selbstverliebt mit dem Bau von Atomwaffen spielen?“, fragt der steirische Superintendent Mag. Hermann Miklas. Offenbar, so der Superintendent, werden durch „ideologische Verengung“ das logische Denken und das menschliche Mitgefühl weitgehend außer Kraft gesetzt. Mit der Dokumentation des Schreckens und dem Gedenken an seine Opfer allein sei es noch nicht getan, vielmehr gehe es darum, „einer drohenden Neu-Ideologisierung unserer Welt entgegenzutreten“ und beharrlich auf Dialog und zwischenmenschliche Begegnung zu setzen statt auf Konfrontation zwischen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen.

„Wie eh und je floriert das Geschäft mit Krieg und Waffen“, warnt die evangelisch-lutherische Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner. Die Arsenale würden aufgefüllt und auf den letzten Stand der Technik gebracht, Atomaufbereitungsanlagen so ausgebaut, dass Kernenergie auch für Kriegszwecke jederzeit zur Verfügung steht. Reiner: „Es scheint zur ‚Entwicklung’ eines Landes zu gehören, in diesem todbringenden Pool mitschwimmen zu können.“ Das neue Jahrhundert wurde als ein Jahrhundert des Friedens herbeigesehnt und begrüßt. „Es kann und darf nicht sein, dass Konflikte weiterhin kriegerisch ausgetragen werden und die Atomgefahr die Menschheit auch künftig in Angst und Schrecken erstarren bzw. abstumpfen lässt“, betont die Oberkirchenrätin.

Unbeschreibliches Leid jenseits der Vorstellungskraft

Krieg bedeutet immer Leid und Verzweiflung, so der Kärntner Superintendent Manfred Sauer. Was Bomben anrichten, „erleben wir zurzeit in sehr dramatischer Weise im Libanon. Besonders dann, wenn unschuldige Kinder und Zivilisten betroffen sind“. Die zerstörerischen Folgen der Atombomben, das unbeschreibliche Leid und die bis heute spürbaren Folgen seien jenseits der Vorstellungskraft. Sauer ruft zur Friedensarbeit auf: „Wir sind herausgefordert, alles dafür zu tun, dass Krieg keine Option mehr in der Auseinandersetzung zwischen Völkern und Nationen ist.“

Info: www.hiroshima.at

ISSN 2222-2464