Evangelische Kirchen in Europa: Aufruf zu Schweigeminute

Die Bevölkerung Berlins liest in einem "Extrablatt" von der Kriegserklärung Deutschlands an Russland am 1. August 1914 - aus einem Lokalkrieg in Serbien wird ein Weltkrieg. Zu einer europaweiten Gedenkminute am 1. August um 12 Uhr (MEZ) anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs ruft die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa auf. (Foto: Deutsches Bundesarchiv)
Die Bevölkerung Berlins liest in einem "Extrablatt" von der Kriegserklärung Deutschlands an Russland am 1. August 1914 - aus einem Lokalkrieg in Serbien wird ein Weltkrieg. Zu einer europaweiten Gedenkminute am 1. August um 12 Uhr (MEZ) anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs ruft die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa auf. (Foto: Deutsches Bundesarchiv)

Gedenken an Ausbruch des Ersten Weltkriegs

Wien (epdÖ) – Zu einer Gedenkminute anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren ruft die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) auf. „Die Dimension des Grauens macht nach wie vor sprachlos. So könnte ein angemessenes Zeichen europäischen Erinnerns ein Moment des Schweigens sein: In ganz Europa – von Island bis zum Balkan, von St. Petersburg bis Lissabon, von Hammerfest bis Ankara – schweigen Leben und Arbeit am 1. August 2014 um 12 Uhr (MEZ) für eine Minute. Wir ermutigen unsere Mitgliedskirchen, diese Anregung für ihren jeweiligen Kontext umzusetzen“, heißt es in der Erklärung zum Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs.

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, die ihren Sitz in Wien hat, greift aber auch die Rolle evangelischer Kirchen und Theologen in der damaligen Zeit kritisch auf und hält fest: „Gott und Krieg wurden in einen positiven Zusammenhang gesetzt.“ Der Kriegsausbruch sei überwiegend begrüßt und der Kriegseintritt als „gerechter Krieg“ theologisch zu legitimieren versucht worden. Stimmen, die zum Frieden mahnten, seien überhört worden. „Diese bittere Erfahrung mahnt auch heute zur kontinuierlichen Selbstkritik in Kirche und Theologie.“ Die Bedeutung des Krieges sei in den einzelnen Ländern Europas unterschiedlich, jedoch seien Folgen heute noch präsent und einige Konflikte immer noch ungelöst. Das Erinnerungsjahr 2014 könne die Möglichkeit für Kirchen und Gesellschaften eröffnen, miteinander Wege des Erinnerns, Erzählens und Zuhörens zu gehen und so einen Beitrag zur Versöhnung zu leisten.

Anlässlich seiner Sitzung in Kopenhagen äußert sich der Rat der GEKE bestürzt über die nach wie vor vorhandene Verstrickung europäischer Länder in gewaltsame Konflikte. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, die hinter sich annähernd 50 Millionen Evangelische versammelt, verwirkliche Einheit in versöhnter Vielfalt und halte fest an Verheißung und Auftrag des Evangeliums: „Selig sind die Frieden stiften“. „Die Friedensarbeit in Europa ist eine bleibende Aufgabe“, so der Rat der GEKE in seiner Stellungnahme.

Zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft haben sich 94 protestantische Kirchen in Europa (und in Südamerika) zusammengeschlossen. Lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen gewähren einander durch ihre Zustimmung zur Leuenberger Konkordie von 1973 Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Generalsekretär der GEKE ist der österreichische evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker.

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ISSN 2222-2464