Evangelische Kirchen fordern Abschaffung von Atomwaffen

Das Friedensdenkmal in Hiroshima ist eine Gedenkstätte für den ersten kriegerischen Einsatz der Atombombe. Foto: Wikimedia/FlyingToaste
Das Friedensdenkmal in Hiroshima ist eine Gedenkstätte für den ersten kriegerischen Einsatz der Atombombe. Foto: Wikimedia/FlyingToaste

68. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki

Wien (epdÖ) – Mit Gedenkveranstaltungen in Wien, Linz, Salzburg und anderen österreichischen Städten wird rund um den 6. August der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 gedacht. Heuer jähren sich die Abwürfe der Atombomben auf die beiden japanischen Städte, bei denen am 6. und 9. August 1945 rund 300.000 Menschen starben, zum 68. Mal. Zahlreiche Persönlichkeiten, darunter auch kirchliche Vertreter, wandten sich bereits im Vorfeld in Grußadressen an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkveranstaltungen.

Evangelische Stimmen

„Der Ökumenische Rat der Kirchen hat in seinem Aufruf zum gerechten Frieden aus dem Jahr 2011 unmissverständlich festgehalten, dass der Besitz und Einsatz von Massenvernichtungsmitteln aus christlicher Sicht ‚kategorisch und endgültig‘ abzulehnen ist“, erinnert der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker in einem Grußwort anlässlich des Gedenktags. „Deshalb setzen sich die Kirchen weltweit allgemein für Abrüstung und besonders für die Reduktion und endgültige Abschaffung aller nuklearen Massenvernichtungsmittel ein. Das Gedenken an die unzähligen Opfer von Hiroshima und Nagasaki gebietet es, in diesem Einsatz nicht nachzulassen.“ Der evangelisch-reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der auch Vorsitzender der ökumenischen Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung ist, fordert die Abschaffung aller Atomwaffen. „Durch Atomwaffen werden nicht nur einzelne Menschen, sondern die ganze Menschheit gefährdet und bedroht. Wer auf den Besitz von Atomwaffen pocht, kann sich nicht zur zivilisierten Welt rechnen“, so Hennefeld. Eine ähnliche Position vertritt auch der Superintendent von Salzburg-Tirol Olivier Dantine: „Die atomare Abschreckung widerspricht christlichen Friedenskonzepten. Die Abrüstung darf nicht nur Thema von Sonntagsreden sein, sondern muss in die Tat umgesetzt werden.“ Und Niederösterreichs Superintendent Paul Weiland betont: „Dass heute immer noch Atomwaffen gebaut werden und einsatzbereit zur Verfügung stehen, ist ein schreckliches Symptom dafür. Das Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe am 6. und 9. August 1945 in Hiroshima und Nagasaki heißt deshalb für mich, den Bau und den Einsatz von Atomwaffen zu ächten und an einer Welt mitzubauen, in der es keine Atomwaffen und keine atomare Bedrohung mehr gibt.“ „Umso wichtiger ist es daher, auch in diesem Jahr die Stimme zu erheben und nicht zu resignieren, die Hoffnung nicht sterben zu lassen und hinauszugehen und das ‚Nie wieder‘ zu rufen, auf das sich Menschen nach 1945 eingeschworen haben“, ergänzt Evelyn Martin, Mitglied im Leitungsteam der Evangelischen Frauenarbeit i.Ö. und im Ökumenischen Forum christlicher Frauen in Österreich.

Grußworte aus der Ökumene und den Religionen

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hob in seiner Grußadresse die Ohnmacht des Menschen gegenüber „dem Wahnsinn“ einer atomaren Katastrophe und die scheinbare Hilflosigkeit derer hervor, die gegen Gewalt und für den Frieden eintreten. Schlussendlich sei der Friede aber stärker als alle Waffen, selbst die Atombombe, so Schönborn. Der emeritierte Bischof der Altkatholiken, Bernhard Heitz, sieht dringenden Handlungsbedarf, um eine friedliche Zukunft zu ermöglichen.

Die Israelitische Kultusgemeinde Wien weist in ihren Grußworten vor allem auf die Gefahren durch antijüdischen Regime hin – explizit wird der Iran angesprochen -, die unermüdlich daran arbeiteten, sich zumindest eine nukleare Option zu verschaffen. Eine Welt ohne Atomwaffen fordert auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac, und appelliert gleichzeitig an alle Menschen, sich solidarisch für den Frieden einzusetzen. „Wir müssen erkennen, dass jeder Wandel eines langen Atems und großer Ausdauer bedarf. In diesem Sinne dürfen wir in unserem Bemühen um eine sichere und lebenswerte Zukunft weder müde noch ungeduldig werden“, sagt Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft.

Die zentrale Hiroshima-Veranstaltung in Wien begann am Dienstag, 6. August auf dem Wiener Stephansplatz und wurde mit einem Laternenmarsch zum Teich vor der Karlskirche abgeschlossen. Im Rahmen der Aktion wurden auch heuer wieder die Grußbotschaften als Zeichen des gemeinsamen Eintretens für eine atomwaffenfreie Welt präsentiert. In Salzburg wurde der Film „Strahlen aus der Asche“ gezeigt sowie das Buch „Sonne statt Atom. Robert Jungk und die Debatten über die Zukunft der Energieversorgung von den 1950er Jahren bis heute“ präsentiert. Am Freitag, 9. August wird um ca. 20.00 Uhr mit einer traditionellen buddhistischen Lichterzeremonie bei der Wiener Friedenspagode der Opfer von Hiroshima und Nagasaki gedacht. Am Samstag, 10. August gibt es von 10.00 bis 13.00 Uhr eine Gedenkaktion in der Fußgängerzone in Melk (vor dem Rathaus). Weitere Infos: http:/www.hiroshima.at/

ISSN 2222-2464