Evangelische Kirche trauert um Altbundeskanzler Fred Sinowatz

Bischof Bünker: „Große Fortschritte in der Bildungspolitik“ – Pfarrer Rampler: Dankbar für die Verbundenheit mit der evangelischen Gemeinde

Wien – Neufeld (epd Ö) Tief betroffen reagierte der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Dr. Michael Bünker, auf das Ableben von Altbundeskanzler Dr. Fred Sinowatz. Als Mensch und Politiker habe Sinowatz immer auch die Evangelische Kirche „mit im Blick gehabt“, erklärte der Bischof und Vorsitzende des Evangelischen Oberkirchenrates A.u.H.B. Als Historiker sei Sinowatz mit der Geschichte der Evangelischen in Österreich vertraut gewesen, auch in seiner Dissertation habe er sich mit diesem Thema befasst. In der Bildungspolitik verdanke Österreich ihm als Unterrichtsminister große Fortschritte, besonders durch die Umsetzung des schrankenlosen Zugangs zum Schul- und Bildungssystem. Seine Zeit als Bundeskanzler war, so Bünker, von vielfältigen Krisen überschattet, unter denen sich die Auseinandersetzung um den Bundespräsidentschaftswahlkampf von Kurt Waldheim für ihn negativ auswirkten. „Durch seine Denkpause im Hainburg-Konflikt hat Fred Sinowatz den bemerkenswerten Schritt gesetzt, in der Politik auf die Anliegen der Zivilgesellschaft und des Naturschutzes zu hören und nicht ausschließlich wirtschaftliche Interessen umzusetzen“, betont der Bischof.

Sinowatz war am Montag, 11. August, verstorben. Er wohnte bis zuletzt zurückgezogen in seinem Geburtsort Neufeld, wo er sich historischen Studien widmete. Tief betroffen zeigte sich auch der evangelische Pfarrer von Eisenstadt/Neufeld, Senior Dr. Herbert Rampler. Er sei „dankbar für die vielen Begegnungen, in denen sich die Verbundenheit von Fred Sinowatz mit der evangelischen Gemeinde“ gezeigt habe. Sinowatz habe sich „zeitlebens mit wesentlichen Zusammenhängen von Politik und Geschichte“ beschäftigt, als Politiker sei er stark unterschätzt worden, so der Pfarrer. Den Altbundeskanzler würdigte Rampler als einen „großen Mann der österreichischen und burgenländischen Sozialdemokratie, als Politiker, als Historiker und vor allem als Mensch“.

ISSN 2222-2464