Evangelische Kirche in Wien: Deutliches Nein zu Pegida

Der Wiener Superintendent Hansjörg Lein spricht sich gegen Hetze und für ein respektvolles Miteinander aus (Foto: epd/M. Uschmann)
Der Wiener Superintendent Hansjörg Lein spricht sich gegen Hetze und für ein respektvolles Miteinander aus (Foto: epd/M. Uschmann)

Lein: Achtung und Wertschätzung statt Angstmache und Hetze

Wien (epdÖ) – Rund 350 Menschen haben sich am Montagabend, 2. Februar, in der Wiener Innenstadt versammelt, um an der ersten Pegida-Demonstration in Österreich teilzunehmen. Die Pegida-Bewegung („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) hat ihren Ursprung in Dresden, wo sie mittlerweile jedoch im Auflösen begriffen ist. So musste etwa deren Vorsitzender Lutz Bachmann zurücktreten, nachdem eine Eigenfotografie in „Hitler-Pose“ und verhetzende Facebook-Postings aufgetaucht sind. Ziel der Versammlung in Wien sei es, gegen die angebliche Islamisierung des „Abendlandes“ zu demonstrieren, so die österreichischen Veranstalter. Laut ORF haben viele Teilnehmer an der Demonstration gegen das Verbotsgesetz verstoßen.

Bereits im Vorfeld übte der Wiener Superintendent Hansjörg Lein deutliche Kritik an der Veranstaltung und der Pegida-Bewegung. „Was Europa braucht, sind aufgeklärte, informierte und dialogbereite Menschen. Was Europa nicht braucht, sind Hetzer gegen Gläubige einer Weltreligion“, schreibt Lein in einer Aussendung vom 30. Jänner. Darin spricht sich der Superintendent klar gegen Angstmache und Hetze und für ein respektvolles Miteinander aus.

„Die Namensgeber von Pegida schreiben ein ‚A‘ für das so genannte Abendland. Viel wichtiger ist mir ein ‚A‘ für gegenseitige Achtung und Wertschätzung“, unterstreicht Lein, „nur so sehe ich ein künftiges Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens.“ Nur im respektvollen Miteinander aller Mitglieder der Gesellschaft könne Krieg verhindert und Frieden angestrebt werden. Lein erinnert in diesem Zusammenhang an die Orientierungshilfe „Evangelische Christen und Muslime in Österreich“, die die Generalsynode der Evangelischen Kirchen in Österreich am 26. Oktober 2011 einstimmig beschlossen hatte. Dort heißt es: „Aus unserem christlichen Glauben heraus suchen wir die Begegnung mit Menschen, die sich zum Islam bekennen, weil wir als BürgerInnen Österreichs jenes Miteinander suchen, das dem Frieden und der guten Nachbarschaft dient.“ Lein weiter: „Lassen wir uns nicht täuschen oder gar vereinnahmen von Wölfen im ‚patriotischen‘ Schafspelz! Und sagen wir deutlich ‚Nein‘ zu ihrer anti-islamischen Hetze! Wehret den Anfängen!“

Kritik übt auch die „Plattform Christen und Muslime“, die sich gegen den Versuch der Pegida-Bewegung wendet, „nun auch in Österreich Unruhe zu stiften“. Das Schüren von Angst und Aggression auf der Basis von Halbwahrheiten und Ressentiments sei ein Angriff auf den solidarischen Zusammenhalt der Gesellschaft, so die Plattform in einer Aussendung vom 1. Februar. Der Islam mit seiner mehr als hundertjährigen Geschichte in Österreich habe nichts mit den Gewalttaten islamistischer Terroristen zu tun. Das „christliche Abendland“, das Pegida zu verteidigen vorgibt, sei längst weitgehend säkularisiert und die Bewegung somit ein „Affront gegen Religion überhaupt“ und ignoriere die Tatsache, „dass die christlichen Konfessionen immer wieder zum respektvollen Dialog mit dem Islam aufrufen“.

„Hass und Ausgrenzung sind nie ein Rezept, um eine Gesellschaft in ihrem ‚Wir-Gefühl‘ zu stärken. Das zeigt auch Pegida. Die aggressive und menschenfeindliche Rhetorik heizt diffuse Ängste in der Bevölkerung an, um sich dann in islamfeindlichen radikalen Parolen zu ergehen“, heißt es auf der Homepage der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. „Die starken Antworten der Zivilgesellschaft auf jede Form der Hetze bieten viel bessere Konzepte, um den Redebedarf in der Gesellschaft aufzugreifen. Wir danken allen, die sich hier entschieden zu Wort gemeldet haben, insbesondere den vielen Stimmen aus den Religionsgemeinschaften, die anders als Pegida echte Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit geben. In Österreich können wir auf einem nachhaltigen Dialog aufbauen, der sich gerade jetzt bewährt, indem gemeinsame Projekte intensiviert werden.“

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ISSN 2222-2464