Evangelische feierten Gustav-Adolf-Feste

Vielfältige Programmangebote für alle Altersgruppen

Zurndorf, Velden, Neunkirchen, Bad Ischl, Jenbach, Knittelfeld, Wien, 16. Juni 2004 (epd Ö) Mehrere Tausend evangelische Christen sind am Donnerstag, 10. Juni, in ihren Diözesen zu den Gustav-Adolf-Festen zusammengekommen. Neben den Festgottesdiensten und den Jahresversammlungen der diözesanen Gustav-Adolf-Vereine boten die regionalen „Kirchentage“ ein vielfältiges Programm für alle Altersgruppen.

Burgenland: Geist der Ökumene nicht mehr wegzudenken

„Lasst euch begeistern! Gottes Geist ist Energie“ lautete das Motto des burgenländischen Gustav-Adolf-Festes, das heuer zum ersten Mal in Zurndorf, einer der nördlichsten evangelischen Pfarrgemeinden des Burgenlandes, stattfand. Das Motto des Festes, zu dem ca. 2000 Besucher auf dem Sportplatz erwartet wurden, stand in Verbindung mit den vielen Windrädern, welche die Umgebung Zurndorfs prägen. Die ersten Windräder des Burgenlandes wurden in Zurndorf aufgestellt. „Feste wie dieses zeigen uns, dass der Geist der Ökumene nicht mehr aus unseren Gemeinden wegzudenken ist,“ sagte Mag. Silvia Nittnaus, Pfarrerin in der evangelischen Toleranzgemeinde in Zurndorf, und begrüßte zum Gottesdienst im großen Festzelt „auch die katholischen Glaubensbrüder und Glaubensschwestern.“ In seiner Festpredigt bezog sich der reformierte Landessuperintendent HR Pfr. Mag. Peter Karner auf die Verklärung Jesu in Matthäus 17 und erklärte: „Gott ist Licht, und jeder Mensch, der mit Gott zu tun hat, der leuchtet.“ Er dankte den Politikern, „dass sie dieses Land zum Leuchten gebracht haben“, denn, „ein Land, das die Spuren Gottes trägt, ist ein Land, wo Menschen im Sinne der Nächstenliebe behandelt werden.“ In seinem Grußwort wies Ing. Werner Falb-Meixner, Bürgermeister von Zurndorf, auf den „Geist und das Klima der gegenseitigen Toleranz“ in Zurndorf hin, in dem etwa 50 Prozent evangelische und 50 Prozent katholische Christen wohnen. Landeshauptmann Hans Niessl dankte der evangelischen Bevölkerung für ihren Einsatz, „denn die Evangelischen haben wesentliche Beiträge dazu geleistet, dass sich das Burgenland in den letzten Jahren so gut entwickeln konnte.“

Kärnten: Grußbotschaft des schwedisches Königshauses

Beim Kärntner Gustav-Adolf-Fest in Velden gab es beinahe eine Sensation. Das schwedische Königspaar Carl-Gustav und Silvia nahm die Einladung des Veranstalters zum Gustav-Adolf-Fest wohlwollend entgegen, blieb aber aus Termingründen dem Fest fern. Mit den Grußbotschaften des schwedischen Königshauses, des scheidenden Bundespräsidenten Thomas Klestil und des designierten Bundespräsidenten Heinz Fischer begann das Fest am Wörther See.

Bei der Predigt „Gottes Wort ist das Wasser des Lebens“ von Oberkirchenrat Hon. Prof. Dr. Michael Bünker und Pfr. Hans Schmidt vom deutschen Gustav-Adolf-Werk waren auch Landesrat Josef Martinz und der Landtagsabgeordnete Johann Gallo zugegen. Für den Pfarrer der Gemeinde Velden am Wörther See, Mag. Martin Satlow, und den Obmann des Gustav-Adolf-Zweigvereins Kärnten, Senior Michael Guttner, war das Fest „ein voller Erfolg“. Etwa 1000 Festgäste wurden vom Kärntner Doppelsextett, dem Gemischen Chor Rosegg, den Jagdhornbläsern Köstenberg und von den Trommlern um Paulos unterhalten. Den Reisesegen spendete Superintendent Manfred Sauer.

Weiland: Sehnsucht nach Lebenssinn stärker denn je

Unter dem Pauluswort „Ihr seid alle einer in Christus Jesus“ (Galater 3,28) feierte die Diözese Niederösterreich in Neunkirchen ihr Gustav-Adolf-Fest und den ersten Gemeindetag in der erweiterten Europäischen Union. Im Gottesdienst in der Evangelischen Pfarrkirche sprach der gastgebende Pfarrer Mag. Dr. Ernst Hofhansl von der „Notwendigkeit, die vorhandenen Strukturen der Schöpfung und der Gesellschaft von der vorrangigen Einheit in Christus durchdringen zu lassen“. Unterstützt wurde seine Predigt von einem Kinderschauspiel. Bekenntnisse und Fürbitten verschiedener Europäer in ihrer jeweiligen Muttersprache führten das Leitwort des Festes weiter aus. Superintendent Mag. Paul Weiland widersprach in seinem Grußwort allen kirchlichen Pessimisten: „Es gibt keine Krise der Kirche. Die Sehnsucht nach dem Wissen des Woher und Wohin, nach Erfüllung und Lebenssinn, nach dem Besonderen und Heiligen ist heute stärker denn je vorhanden.“ Im Blick auf Europa zitierte der Superintendent Dietrich Bonhoeffer: „Nicht Genies, nicht Zyniker, nicht Menschenverächter, nicht raffinierte Taktiker, sondern schlichte, einfache, gerade Menschen werden wir brauchen.“ Unter den vielen internationalen Gästen fand sich eine reformierte Konfirmandengruppe aus der französischen Schweiz sowie der Moskauer Virtuose Vassili Dolinski, der zu einer Orgelmatinee einlud. Das umfangreiche Rahmenprogramm fand bei den Besuchern großen Anklang. Der von der Frauenarbeit vorbereitete Reisesegen schloss den evangelischen Festtag im niederösterreichischen Industrieviertel ab.

Oberösterreich: Quellfrische Ermutigung zum Glauben

„Leben aus der Quelle“ war das Thema des oberösterreichischen Gustav-Adolf-Festes in Bad Ischl. „Die Wüste des Lebens, in der die Seele blank liegt, wird durch das Fragen nach Gott neu belebt. Glaubenskurse führen dazu, dass Menschen zur Quelle kommen und den Kurs für ihr Leben finden,“ sagte Pfarrer i.R. Sven Findeisen aus Neumünster/Deutschland in seiner Predigt. Das Thema des Festes wurde in der Theaterszene „Die Geschichte vom Bambus“, dargeboten von Cornelia Kirsch und Gerhard Schilcher, aufgenommen. Ein Musical über das bekannte Gleichnis Jesu vom Barmherzigen Samariter wurde am Nachmittag von Ebenseer Kindern aufgeführt. Die über hundertjährige Gemeinde präsentierte sich abschließend mit Bildern aus ihrer Geschichte und Gegenwart. Mit einem Grußwort und dem Reisesegen schloss Superintendent Mag. Hansjörg Eichmeyer das Fest: „Die Gerechtigkeit aus dem Glauben ist Gottes Geschenk, das er der Gemeinde zusagt. Er gibt Kraft zum Leben aus der Quelle.“

Jenbach: Predigt des Festgottesdienstes in Form eines „Hexalogs“

Mit einer überfüllten Kirche und etwa 170 Gästen, darunter viele junge Familien, eine große Anzahl von Jugendlichen und Besucher aus der ganzen Diözese Salzburg und Tirol, präsentierte sich das diesjährige Gustav-Adolf-Fest der Diözese Salzburg und Tirol in Jenbach, wo gleichzeitig das 40-jährige Jubiläum der Erlöserkirche gefeiert wurde. Die Zahl 40 war auch zentrales Thema des Gottesdienstes, den Ortspfarrer Mag. Meinhardt von Gierke zusammen mit den fünf Lektoren der Pfarrgemeinde gestaltete. Die Predigt wurde daher in der Form eines „Hexalogs“ gehalten und betonte, „dass Gott einen Erlöser auf diese Welt geschickt hat“. Die Kollekte des Gottesdienstes in der „Erlöserkirche“ war für das diözesane Tansaniaprojekt bestimmt. Parallel zur Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins stellte Lektor Fritz Troger, der im Gottesdienst für seine langjährige Mitarbeit durch die Pfarrgemeinde geehrt wurde, die Geschichte der Pfarrgemeinde vor, anschließend folgte ein buntes Programm, das auch gut besuchte Angebote für Kinder und Jugendliche enthielt. Der Reisesegen von Superintendentin Mag. Luise Müller setzte einen gemeinsamen Schlusspunkt für alle Gäste des Festes.

Miklas: Ein Christ lebt nicht im Schneckenhaus

Das steirische Gustav-Adolf-Fest in Knittelfeld war gleichzeitig der erste steirische Evangelische Kirchentag und stand unter dem Motto „Ein Christ lebt nicht im Schneckenhaus“. Superintendent Mag. Hermann Miklas erklärte in seiner Predigt, „der unmittelbare Kontakt zum Mitmenschen, ihn hören und seine Bedürfnisse wahrnehmen, sind Grundelemente der Gemeinschaft.“ Miklas rief zur Sprach- und Dialogfähigkeit auf, die durch die Liebe und Geduld geprägt werde. Ortspfarrer DI Mag. Klaus Gerstenberg lud die Gäste ein, die Schaustände im Pfarrgarten zu besuchen. In den Grußworten erinnerte der Bürgermeister von Knittelfeld daran, dass nach der Reformation ein großer Anteil der Bevölkerung protestantisch geworden sei, es heute aber wegen der Gegenreformation nur eine kleine Schar von Evangelischen gebe, die sich jedoch „sehr am politischen Gemeindeleben beteiligen“. Die Kindervolkstanzgruppe und der ÖBB-Bläserchor boten den Rahmen für die anschließenden Programmangebote. Stefan Haider unterhielt mit Kabarettstücken die Zuhörer. Mit einer Gedichtlesung und Volksliedern, gesungen vom Kirchenchor, klang das Fest aus.

Wiener Gustav-Adolf-Fest auf dem Bisamberg: „Kirche, wirf deine Angst fort!“

Der Email-Befehl „Senden und Empfangen“ bildete das Motto des Wiener Gustav-Adolf-Festes auf dem Gelände des Heurigen-Restaurants „Magdalenenhof“ auf dem Bisamberg. Der Vorsitzende des Gustav-Adolf-Werkes im Rheinland, Pfr. Rüdiger Dunkel, forderte in seiner Festpredigt: „Kirche, wirf doch deine Angst fort!“ Der Prediger kritisierte, dass die Kirche sich sehr gern um sich selbst drehe und sich zu oft von der Angst leiten lasse. Demgegenüber gelte, so Dunkel: „Es gibt so viele Wunder in der Kirche und Menschen, auf die und durch die das Reich Gottes scheint. Wir sind eine empfangende, das heißt mitfühlende, mitleidende und immer neu lernende Kirche.“ Auf dem Programm des Festes stand neben dem Festgottesdienst, einem Kindergottesdienst und der Jahreshauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins auch ein Kinderprogramm mit Basteln, Schnitzeljagd und Spielen. Zusammen mit den Festabzeichen erhielten die Besucher ein Memory-Spiel mit Bildern der evangelischen Kirche in Floridsdorf, die heuer 100 Jahre alt wird. Der Reinerlös des Festes ging an die Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Wien-Floridsdorf, die auch das Fest organisierte.

Veranstaltet wurden die diözesanen Feste von den Pfarrgemeinden zusammen mit den Gustav-Adolf-Vereinen. Der Gustav-Adolf-Verein ist ein Hilfswerk, das evangelische Gemeinden in der Diaspora beim Bau und der Erhaltung von Kirchen, Gemeinderäumen und Pfarrhäusern unterstützt. Der Name geht auf den Schwedenkönig Gustav Adolf zurück, dem 1832 mit der Gründung des heute weltweit tätigen Werkes ein lebendiges Denkmal gesetzt werden sollte. Den Gustav-Adolf-Verein gibt es seit dem Jahr 1862.

ISSN 2222-2464