Evangelische Diözese Burgenland hilft bei Sprachprojekt in Tansania

Mündlich überlieferte regionale Sprachen erhalten eine Schrift – Wycliff-Bibelübersetzer feiern 25-jähriges Bestehen

Eisenstadt (epd Ö) – Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Österreich-Zweiges der auf Sprachforschung spezialisierten Entwicklungshilfeorganisation Wycliff (Wycliff-Bibelübersetzer) präsentiert sich die Organisation im Oktober im Rahmen einer Tour in allen Bundesländern. Am 10. Oktober ist auch eine Veranstaltung in der Evangelischen Kirche in Eisenstadt geplant. Bischof Job Mbwilo von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania war am Freitag, 3. Oktober, im Burgenland zu Gast, um sich für die Unterstützung durch die evangelische Diözese Burgenland bei der Verschriftung seiner Muttersprache zu bedanken.

Bischof Mbwilo berichtete über die Bemühungen, die Sprache seines Volkes, Kiwanji, die nur mehr von etwa 40.000 Menschen gesprochen wird, in Schriftform zu bringen. In Tansania gebe es rund 130 Sprachen, davon seien 80 noch nicht verschriftet, schilderte Mbwilo. Mit Unterstützung von Wycliff sei die vor dem Ersten Weltkrieg von Missionaren begonnene und später zum Erliegen gekommene Übersetzungsarbeit fortgesetzt worden. Mittlerweile wurde eine Grammatik entwickelt und ein Wörterbuch erstellt, man habe begonnen, landwirtschaftliche Bücher und Teile der Bibel zu übersetzen.

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit der Organisation liege auf der Sprachforschung. Dabei wird versucht, Sprachen, die bisher nur mündlich weitergegeben wurden, durch Verschriftung vor dem Verschwinden zu bewahren. Ein Ziel sei es, das kulturelle Erbe – auch die alten Geschichten und Mythen – von Völkern, die noch nicht verschriftet seien, festzuhalten und aufzuschreiben, erläuterte Alice Tlustos von Wycliff-Österreich, die selbst an einem Projekt zur Verschriftung von zehn Sprachen in Tansania mitgewirkt hat.

Von 6.000 Sprachen weltweit seien etwa 2.000 noch nicht verschriftet. Im deutschen Sprachraum allein gebe es hingegen an die 50 verschiedene Bibelübersetzungen. Die Geschichte zeige, dass die Kultur eines Volkes mit einer verschrifteten Sprache nicht so leicht ausgelöscht werden könne. Eine gute Bibelübersetzung sollte theologisch so neutral wie möglich sein, so Tlustos.

Wycliff ist nach Eigendefinition eine der größten protestantischen Missionsorganisationen. Der Name leitet sich vom englischen Philosophen und Theologen John Wycliff ab. Wycliff übersetzte im 14. Jahrhundert die Bibel vom Lateinischen in die englische Sprache, was damals von der Katholischen Kirche verboten worden war.

Die persönlichen Kontakte zur Diözese in Tansania reichten bereits Jahrzehnte zurück, schilderte der burgenländische Superintendent Manfred Koch. Koch bot an, dass die evangelische Diözese Burgenland ein Projekt im nächsten Jahr unterstützen werde. Die Arbeit von Wycliff sei auch für das Burgenland wichtig, „weil wir vier Sprachen haben und erst in jüngster Zeit das Romanes alphabetisiert wurde“, so der Superintendent.

ISSN 2222-2464