• Start
  • Themen
  • Nachrichten
  • Evangelische Akademie Wien kritisiert Hirtenbrief des Kärntner Superintendenten zum Haider-Ableben

Evangelische Akademie Wien kritisiert Hirtenbrief des Kärntner Superintendenten zum Haider-Ableben

Wien (epd Ö) – In einem offenen Brief vom 3. November haben der Vorstand und die MitarbeiterInnen der Geschäftsstelle der Evangelischen Akademie Wien den Hirtenbrief des Kärntner Superintendenten Manfred Sauer kritisiert, den dieser anlässlich des Unfalltodes des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider veröffentlicht hatte. Die Evangelische Akademie Wien zeigt sich in dem Brief „bestürzt und empört“, die Worte Sauers erweckten den Eindruck, „als ob Dr. Haider ein engagiertes christliches Leben geführt hätte“. Durch seine Politik in Kärnten, aber auch in ganz Österreich, habe er die Rolle von Minderheiten immer wieder „gröblich missachtet“, hält die evangelische Bildungseinrichtung fest. In seinen Wahlkämpfen habe er auch in Wien immer wieder gezielt Ressentiments und Vorurteile gegen sprachliche, religiöse und ethnische Minderheiten eingesetzt und mit dem Thema „Ausländerfeindlichkeit“ Stimmen gewinnen wollen.

Die Evangelische Akademie Wien erinnert an des Engagement ihres langjährigen Leiters, Ulrich Trinks, für die Rechte slowenischer Minderheiten und das entschiedene Eintreten gegen jede Form des Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit. Seit ihrer Gründung vor 56 Jahren hätten sich die Verantwortlichen immer für die Rechte von Minderheiten in Österreich eingesetzt. Auch viele engagierte evangelische ChristInnen hätten wie etwa beim „Lichtermeer“ gegen die Politik Jörg Haiders protestiert.

In dem Hirtenbrief vom 11. Oktober hatte der Kärntner Superintendent seine persönliche Betroffenheit über den Tod des Landeshauptmanns zum Ausdruck gebracht und ihn u.a. als „charismatischen und leidenschaftlichen Politiker, als Mensch zum Anfassen“ bezeichnet. Für die Anliegen der Evangelischen Kirche habe Haider „immer ein offenes Ohr“ gehabt, mit Luther habe ihn „große Sympathie und Bewunderung verbunden“ – was von der Evangelischen Akademie Wien wiederum als „zynisch und empörend“ empfunden wird.

ISSN 2222-2464