Europas Protestanten kommen in Florenz zusammen

Intensive Diskussionen und zukunftsweisende Beschlüsse erhofft sich Bischof Michael Bünker von der in Florenz tagenden Vollversammlung der GEKE (Im Bild: Stadtblick vom Dom aus gesehen. Foto: Onanymous/wikimedia commons)
Intensive Diskussionen und zukunftsweisende Beschlüsse erhofft sich Bischof Michael Bünker von der in Florenz tagenden Vollversammlung der GEKE (Im Bild: Stadtblick vom Dom aus gesehen. Foto: Onanymous/wikimedia commons)

Vertreter der 106 GEKE-Kirchen beraten vom 20. bis 26. September über zukünftige Arbeitsfelder, Reformationsjubiläum und Ökumene

Wien/Florenz (epdÖ) – Unter dem Motto „Frei für die Zukunft“ tagt vom 20. bis 26. September die siebente Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) in Florenz. Rund 250 Delegierte, Beobachter, Gäste und Medienvertreter werden zu der repräsentativen Versammlung des europäischen Protestantismus erwartet. Schwerpunkte des Treffens sind die Zukunft der Kirchengemeinschaft, die Pluralität der Religionen in Europa, das Reformationsjubiläum 2017 sowie die Ökumene. Außerdem steht die Wahl des Präsidiums auf dem Programm.

„Das Wort von der Freiheit hat für Evangelische Kirchen eine besondere Bedeutung“, sagt der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, Generalsekretär der GEKE, im Vorfeld des Treffens. „Auf der Vollversammlung werden sich die europäischen Protestanten fragen: Was bedeutet es, Evangelische Kirche in der heutigen Zeit zu sein und vor welchen gemeinsamen geographischen, kulturell oder gesellschaftlich spezifischen Herausforderungen stehen die protestantischen Kirchen? Was gilt es zu reformieren? Ich erwarte mir dazu von der Vollversammlung intensive Diskussionen und zukunftsweisende Beschlüsse.“

Die etwa alle sechs Jahre stattfindende Vollversammlung der GEKE wählt nicht nur einen neuen Rat, sondern nimmt auch die Ergebnisse von Lehrgesprächen, Empfehlungen aus Arbeitsgruppen und Vorschläge aus Studien entgegen. Beschlüsse werden gefasst und in die Mitgliedskirchen getragen. Beraten werden die Delegierten darüber hinaus Fragen der Gerechtigkeit, das Amtsverständnis, eine Gottesdienststudie und Ausbildungsfragen.

Aus der Ökumene sprechen u.a. auf der Vollversammlung der Generalsekretär des Weltkirchenrates Olav Fykse Tveit und Matthias Türk vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen. Erwartet wird auch Rosangela Jarjour, Generalsekretärin der Fellowship of Middle East Evangelical Churches.

In Florenz wird es nach Abschluss der Vorgespräche zur Unterzeichnung von zwei Dokumenten kommen. Zum einen werden die Anglikanischen Kirchen von Großbritannien und Irland und die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa ein Memorandum unterzeichnen, in dem die Kirchen ihre Gemeinsamkeiten festhalten und über offene Fragen weitere Dialoge vereinbaren. Zum anderen wird eine Vereinbarung mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche Ecuadors unterzeichnet. Zur GEKE gehören bereits jetzt einige so genannte „Auswandererkirchen“ in Lateinamerika, die sich den Mutterkirchen in Europa weiterhin verbunden fühlen und über die Leuenberger Kirchengemeinschaft den theologischen Dialog suchen und finden. Breiter Raum wird während der Vollversammlung in Florenz auch der Begegnung mit den örtlichen protestantischen Kirchen, etwa der Waldenserkirche, gewidmet.

106 Kirchen verwirklichen durch ihre Zustimmung zur Leuenberger Konkordie von 1973 die Kirchengemeinschaft der GEKE, die ihren Sitz in Wien hat. Sie vertreten insgesamt rund 50 Millionen Evangelische. Kirchengemeinschaft im Sinne der Konkordie ist durch das gemeinsame Verständnis des Evangeliums möglich. Unterschiede im Bekenntnis und in der Verfassung der Kirchen verlieren ihre kirchentrennende Wirkung. Die Kirchen feiern gemeinsam Gottesdienst, Abendmahl, Ordination und Ämter werden wechselseitig anerkannt.

ISSN 2222-2464