EU-Parlamentarier: Christliches Engagement in Europa wichtig

Solidarität auch beim Fremdenrecht forderte der sozialdemokratische EU-Parlamentarier bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Werte für die Zukunft Europas. Fragen von Christen an Europa - Fragen von Europa an Christen"
Solidarität auch beim Fremdenrecht forderte der sozialdemokratische EU-Parlamentarier bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Werte für die Zukunft Europas. Fragen von Christen an Europa - Fragen von Europa an Christen"

Europa brauche die Mitarbeit und die Bereitschaft zur Mitgestaltung seiner Bürger. Gerade auch ChristInnen sind eingeladen, sich aktiv an der Entwicklung der EU zu beteiligen.

Wien (epd Ö) – Versöhnung, Wahrhaftigkeit und Engagement, dies seien jene zentralen Werte, die das Christentum ins gemeinsame Haus Europa einbringen könne, erklärte Erich Berger, Leiter der römisch-katholischen Schönstatt-Bewegung und Vertreter von „Miteinander in Europa“ bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Werte für die Zukunft Europas. Fragen von Christen an Europa – Fragen von Europa an Christen“ am vergangenen Freitag in Wien.

„Wir alle sind Europa“, ist der Europaparlamentarier Othmar Karas (ÖVP) überzeugt. „Jeder von uns ist mitverantwortlich für Europa, jeder kann einen Beitrag leisten.“ Die EU sei eine Wertegemeinschaft, deren wesentlichste Werte Respekt und Frieden seien. „Europa ist ein Friedensprojekt. Aber Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Frieden ist verbunden mit Freiheit, mit sozialer Sicherheit, es geht um Zukunftssicherheit und um den Respekt vor Minderheiten“, so Karas. Angesprochen auf die Unzufriedenheit mit der Institution EU empfiehlt der Parlamentarier: „Machen Sie Europa zum Thema. Leisten Sie Widerstand, wo Werte nicht eingehalten werden, wo Respektlosigkeit vorkommt, und informieren Sie sich über die Arbeit der EU.“

Auch für den sozialdemokratischen EU-Parlamentarier Hannes Swoboda spielen Werte eine große Rolle, nicht nur in der Europäischen Union, sondern auch in den beiden großen Bewegungen Christentum und Sozialdemokratie. Die drei Werte Versöhnung, Wahrhaftigkeit und Engagement möchte Swoboda noch ergänzt wissen durch den Wert der Solidarität. „Solidarität ist leicht gesagt, aber nicht leicht einzufordern. Was mich beschämt, ist, wie angesichts der Hilfspakete für Länder wie Griechenland, Irland oder Portugal jeweils ein ganzes Volk abgewertet wird. Dabei sollten das Christentum und die Sozialdemokratie fragen: Was können wir tun? Und wie können wir verhindern, dass so etwas noch einmal passiert?“, appellierte Swoboda. Auch auf anderen Ebenen solle Solidarität stärker zum Ausdruck kommen, beim Fremdenrecht etwa gebe es Nachholbedarf.

„Engagement ist wichtig und ganz zentral. Doch viele Menschen tun sich schwer, weil sie sich gar nicht mit der EU identifizieren können“, erklärte Ulrike Lunacek, Grünen-Abgeordnete zum Europäischen Parlament. Gerade in der heutigen Zeit sei es besonders wichtig, sich einzubringen und sich für etwas einzusetzen. Dass die Kirchen in der Lage sind, politisch positiv aktiv zu werden, erlebte Lunacek während ihres Engagements für Lateinamerika in den 1970er und 1980er Jahren. „Damals habe ich katholische Einrichtungen kennen gelernt, die sich um politisch verfolgte und benachteiligte Leute gekümmert haben. Das ist eine große Sache, die ich an der Kirche schätze, als Verbündete für Solidarität mit den Menschen und als Stimme gegen Armut.“

Alle drei EU-ParlamentarierInnen waren sich einig, dass Werte in der Europäischen Union eine große und wichtige Rolle spielen. Auch das Engagement von Christinnen, Christen und Kirchen wurde von allen drei Abgeordneten begrüßt. Das Christentum habe seinen Platz in den Gesellschaften Europas, erklärten sie unisono und ergänzten dies durch ein Bekenntnis zum säkularen Staat.

Die Bewegung „Miteinander in Europa“ ist ein Netzwerk, das 1999 entstand und in dem sich evangelische, katholische, anglikanische, orthodoxe und freikirchliche ChristInnen engagieren. Ziel ist es, sich für das Leben, für Ehe und Familie, Umwelt und Natur, Arme und Bedürftige sowie für Frieden und Ausgleich in der Gesellschaft einzusetzen.

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ISSN 2222-2464