Ethikerinnen gegen Dominanz des Ökonomischen

Erste Tagung feministischer Ethikerinnen im deutschsprachigen Raum in Salzburg

Salzburg, 4. September 2002 (epd Ö) In einer „Salzburger Erklärung zur so genannten Bioethik“ haben sich feministische Ethikerinnen aus mehreren europäischen Ländern für eine „Weltsicht der Bezogenheit“ und gegen eine Verkürzung der Diskussion auf die Zulässigkeit neuartiger medizinischer Techniken ausgesprochen. Fragen der medizinisch-biologischen Forschung waren Hauptthema bei der ersten Tagung über feministische Ethik im deutschsprachigen Raum unter dem Titel „Am Ende des Patriarchats … neu über gutes Leben nachdenken“, zu der knapp 100 Teilnehmerinnen nach Salzburg gekommen waren. Initiatorin der Erklärung war die Schweizer Theologin und Ethikerin Ina Praetorius.

„Mechanismen des ökonomischen Profits“, in die der ärztliche Wille zum Heilen oft verstrickt sei, dürften bei bioethischen Fragestellungen nicht außer Acht gelassen werden, heißt es in der Erklärung. Das den Prinzipien feministischer Ethik widersprechende und immer noch vorherrschende Modell des beziehungslosen „autonomen Subjekts“ sei genauso abzulehnen wie die Verengung des ethischen Blicks auf eine technikfixierte Medizin, „in der Leben und Tod von Menschen von einsamen Entscheidungen von Fachleuten des Rechts und der Medizin abhängig werden“.

Für aktuelle Fragestellungen gelte es zu bedenken, dass Würde nicht nur isolierten Individuen zukomme. Die Freiheit von Frauen, ihre Keimzellen für Zwecke außerhalb ihres Körpers zur Verfügung zu stellen, sei daher ebenso „fragwürdig“ wie die Freiheit der Forscher und Forscherinnen, diese Zellen als „Arbeitsmaterial“ zu betrachten.

Ethischer Perspektivenwechsel

Alternative Lösungsansätze wurden aber auch für andere aktuelle gesellschaftliche Fragen diskutiert, so die Veranstalter (u.a. das Österreichische Frauenforum Feministische Theologie und die Österreich-Sektion der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen) in einer Aussendung. Rund 30 Ethik-Expertinnen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und Praxisfeldern zeigten in Beiträgen zu ökonomischen, sozialen, politischen, ökologischen und bioethischen Fragen die Notwendigkeit eines ethischen Perspektivenwechsels „am Ende des Patriarchats“ auf.

ISSN 2222-2464