„Erzähl mir was …“: Kinderbibel-Ausstellung in Wiener Universitätsbibliothek

Orientierung im vielfältigen Angebot

Wien (epd Ö) – Vom Betbüchlein des Martin Luther aus 1529, der ersten Kinderbilderbibel im protestantischen Raum, bis zur Flash-animierten Kinderbibel auf CD-Rom: Die Vielfalt der Kinderbibeln zeigt eine kritische Schau in der Wiener Universitätsbibliothek. Konzipiert haben die Ausstellung, die am Dienstagabend feierlich eröffnet wurde, das Institut für Religionspädagogik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät und die Fachbereichsbibliothek Evangelische Theologie in Kooperation mit der Universitätsbibliothek der Universität Wien. Anhand von sechs Themenkomplexen wie etwa „Schöpfung“, „Rut“ oder „Jesus und die Kinder“ werden die Kinderbibeln genau unter die Lupe genommen, die Frage nach der Auswahl der Geschichten gestellt, der Text mit dem Originaltext verglichen und die Qualität des Textes und der Illustrationen beurteilt. Wesentliches Kriterium ist dabei auch die Frage, wie weit die gezeigten Geschichten Raum für kindliche Fantasie lassen.

Dass Kinderbibeln enorme Bedeutung in der Vermittlung des Evangeliums zukomme, unterstrich der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Gottfried Adam. Vor rund 10 Jahren habe die wissenschaftliche Beschäftigung mit Kinderbibeln begonnen, so der Religionspädagoge, der sich selbst intensiv mit dem Thema auch in einigen Publikationen auseinander gesetzt hat. Dass um die Kinderbibel eine „Erzählgemeinschaft“ entstehe, wünschte Bischof Mag. Herwig Sturm in seinem Grußwort bei der Eröffnung. Die Ausstellung wolle im breiten Angebot des Marktes Orientierung bieten und kundig machen, was eine gute Kinderbibel ausmache, betonte der Präsident der Österreichischen Bibelgesellschaft, Sup. Mag. Paul Weiland. Kinderbibeln leisten ein wichtigen Beitrag für Menschen, die „nach dem Woher und Wohin ihres Lebens fragen und sich darüber ehrlich und offen auch mit ihren Kindern auseinander setzen wollen“.

Erzählen in der Familie

In ihrem Eröffnungsvortrag analysierte die Schweizer Autorin Dr. Regine Schindler einige Kinderbibeln. Seit 1970 entstehen Geschichtenbücher und Bilderbuchtexte aus ihrer Feder. Wichtigstes Anliegen der Autorin und vielfachen Großmutter ist eine dichterische und gleichzeitig theologisch verantwortete Umsetzung christlicher Inhalte für heutige Kinder. Neben den neuen Medien komme dem Buch eine besondere Aufgabe zu, sagte die am Zürichsee lebende Autorin. Kinderbibeln richten sich auch direkt an Kinder und „verführen dazu, in der Familie zu erzählen“. So entstehe eine „Kleinstgemeinde“, in der eine „natürliche, nicht missionarische“ Toleranz vermittelt werde. Erfreulich sei, dass die Gestalter von Kinderbibeln sich heute der Ökumene verpflichtet wissen.

kinderbibel.net

Präsentiert wurde bei der Ausstellungseröffnung erstmals auch das Projekt „kinderbibel.net“. Ein Team um einen Computergrafiker, eine evangelische Theologin und einen Programmierer habe begonnen, eine kindgerechte Computerbibel zu entwickeln, erzählte Katharina Angerer, die 2001 die Idee zu diesem Projekt hatte. Im Herbst wird die CD-Rom über den Buchhandel erhältlich sein. Die Grafiken und Animationen stammen von Tom Klengel, die Inhalte von Mag. Andrea Klimt. Mit der CD-Rom können Kinder interaktiv und multimedial die Geschichten der Bibel erleben, Spiele wählen und Hintergrundinformationen abfragen.

Die Ausstellung ist bis 2. September zu den Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek zu besichtigen.

ISSN 2222-2464