Ernesto Cardenal zu Gast in Bregenzer Kreuzkirche

Der 90-jährige Revolutionär, Dichter und ehemalige Priester Ernesto Cardenal kam nach Bregenz, um über seine Heimat Nicaragua zu berichten, wo ein umstrittenes Bauprojekt verwirklicht werden soll. (Foto: Hans Rapp)
Der 90-jährige Revolutionär, Dichter und ehemalige Priester Ernesto Cardenal kam nach Bregenz, um über seine Heimat Nicaragua zu berichten, wo ein umstrittenes Bauprojekt verwirklicht werden soll. (Foto: Hans Rapp)

„Ich muss erzählen, was in meiner Heimat Nicaragua passiert“

Bregenz (epdÖ) – Der Revolutionär, Dichter und Politiker Ernesto Cardenal war am 27. Februar zu Gast in der evangelischen Kreuzkirche in Bregenz. Der 90-jährige ehemalige Priester berichtete über seine Heimat Nicaragua, wo gerade ein umstrittenes Bauprojekt große Umweltschäden anrichte.

„Ich muss erzählen, was in Nicaragua passiert“, so Cardenal bei seinem Vortrag, übersetzt von Lutz Kliche. Ohne Volk und Behörden einzubinden, habe Nicaraguas Präsident Daniel Ortega mit einem chinesischen Milliardär einen Geheimvertrag über die Errichtung eines neuen Kanals durch den Nicaraguasee geschlossen, der dadurch seine Rolle als Naturparadies, Trinkwasserspeicher und Fischwasser verlieren werde. 100 Jahre lang werde das Land nichts davon haben, weil dem Bauherrn ohne die geringste Einschränkung alle Rechte übergeben wurden, sagte Cardenal.

Um den Menschen zu verdeutlichen, was sie hier verlieren, pries Cardenal in Gedichten Flora und Fauna sowie die Farben des üppigen Lebens auf der Inselwelt von Solentiname, die Spiele des Lichts und der Wolken über dem See und glückliche, in Frieden lebende Menschen. Heute sei sein Zugang zum See ein zutiefst mystischer. „Der See – mein Sakrament“, meinte Cardenal. Für ihn spiegle sich Gott in ihm. Daraus schöpfe er als alter Mann die Motivation, sich mit aller verbliebenen Kraft auch im Interesse seines Volkes gegen diesen Bau aufzulehnen. Der Abend in Bregenz wurde musikalisch gestaltet vom Trio „Grupo Sal“.

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ISSN 2222-2464