Erdbeben in Japan: Aufruf zur Fürbitte und Hilfe

Sendai vor dem Erdbeben, es zählt zu den am schlimmsten betroffenen Provinzen. Foto: Cavemen2 (wikimedia)
Sendai vor dem Erdbeben, es zählt zu den am schlimmsten betroffenen Provinzen. Foto: Cavemen2 (wikimedia)

Diakonie verteilt Lebensmittel – Bischof und Diakonie-Direktor wenden sich in Brief an alle evangelischen Pfarrgemeinden

Wien (epd Ö) – „Die Verletzlichkeit des menschlichen Lebens und die Risiken der Kernenergie zeigen sich auf furchtbare Weise. Wir denken an die Menschen, die Angehörige verloren haben, und an alle, deren Gesundheit und Leben gefährdet sind, sowie an die Mitglieder unserer Evangelischen Japanischen Gemeinde in Wien, die um ihr Land und seine Menschen in großer Sorge sind. Wir rufen dazu auf, der Menschen in Japan im Gottesdienst am kommenden Sonntag zu gedenken und für sie zu beten.“ So heißt es in einem am 12. März veröffentlichten Aufruf des evangelisch-lutherischen Bischofs Michael Bünker an die PfarrerInnen und Pfarrgemeinden der Evangelischen Kirche A.B. angesichts der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan.

In dem auch von Diakonie-Direktor Michael Chalupka unterzeichneten Aufruf wird ein Schulpartnerprojekt der Diakonie genannt, das in Utsunomiya nördlich von Tokio liegt – in unmittelbarer Nähe der Erdbebenzone und im Hinterland der Atomkraftwerke. Dort hat die Diakonie mitgeholfen, eine Johann Sebastian Bach Musikschule aufzubauen, in der Kleinkinder und Jugendliche musikalische Grundausbildung und Instrumentalausbildung erhalten. Das Projekt, so der Aufruf, umfasst die Arbeit im „Makoto-Kindergarten“ und im Behindertenzentrum „AIAIKAI“, wo Menschen mit Behinderungen integrativ betreut werden. In der Johann Sebastian Bach Musikschule Utsunomiya werden 300 SchülerInnen und Erwachsene unterrichtet, 50 Menschen mit Behinderungen werden integrativ betreut. In der gegenwärtigen Situation plant die Schule Projekte wie die Aufnahme von Flüchtlingen, die Betreuung von Tsunami-Waisenkindern und Unterstützung beim Wiederaufbau von Kindergärten und Schulen in Japan. In dem Aufruf werden die Pfarrgemeinden gebeten, das Partnerprojekt der Diakonie in ihre Gebete einzuschließen und eine zusätzliche Kollekte diesem Projekt zu widmen.

Bünker erinnert an die Position der evangelischen Kirche zur Frage der Atomenergie, zuletzt dokumentiert in der Stellungnahme zum 20. Jahrestag des Reaktorunfalls von Tschernobyl. Angesichts der Verantwortung, „die wir vor Gott für Menschen und Natur tragen“, sollte auf Techniken verzichtet werden, die zu „unüberschaubaren und irreversiblen Folgeschäden“ führen. Es genüge nicht, im eigenen Land keine Kernkraftwerke zu haben. An die Bundesregierung appelliert die evangelische Kirche, sich auf EU-Ebene verstärkt für den Ausstieg aus der Kernenergie einzusetzen.

Inzwischen hat die Partnerorganisation der Diakonie Österreich in Japan begonnen, Lebensmittel im Tsunami-Gebiet zu verteilen. Grund für diese Entscheidung sei die zunehmend prekäre Lage in den Notunterkünften für die obdachlos gewordenen Menschen, heißt es in einer Aussendung der Diakonie.

Tatsuo Yamamura, Geschäftsführer der Partnerschule in Utsonomiya, organisiert die zahlreichen freiwilligen HelferInnen. Obwohl es in der Stadt Utsonomiya zu Erdbebenschäden gekommen ist, sind die Gebäude der Partnerschule intakt geblieben. Flüchtlinge, vor allem Kinder, können hier aufgenommen werden. Yamamura: „Japan ist ein reiches Land, aber wir schaffen es nicht alleine. Unsere Behörden leisten Großartiges, aber auch sie sind mit der Situation überfordert.“

Viele MitarbeiterInnen der Schule haben Angehörige verloren und beteiligen sich an den Hilfsmaßnahmen. Sie koordinieren den Einkauf von Lebensmitteln, Trinkwasser und Decken und bringen diese Güter zu den völlig zerstörten Küstenstädten Soma und Sanriku, die sich nahe des Epizentrums befinden. Die Menschen in den Notlagern leiden Hunger, Durst und Kälte, und viele hoffen immer noch auf Nachricht von vermissten Familienmitgliedern.

Diakonie-Direktor Michael Chalupka: „Wir stellen 10.000 Euro aus dem Soforthilfefonds der Diakonie Katastrophenhilfe zur Verfügung und bitten all jene, die sich mit der Bevölkerung in Japan solidarisch zeigen möchten, um Spenden. Es geht jetzt um Soforthilfe für die Menschen, die Hunger, Kälte und radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind. Wir werden uns aber auch am Wiederaufbau in Utsonomiya beteiligen.“

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden für Soforthilfe und Wiederaufbau: Spendenkonto Diakonie Katastrophenhilfe, PSK 23.13.300 (BLZ 60.000), Kennwort: Erdbeben Japan, oder online unter http://www.diakonie.at/katastrophenhilfe

ISSN 2222-2464