EÖV3: Kirchen wollen in Sibiu auch ökologische Fragen thematisieren

Reiner: Überlegen, ob die Lehrstreitigkeiten der Kirchen noch als aktuelle Probleme wahrgenommen werden – VertreterInnen der Ökumene diskutierten in der Lutherstadt Wittenberg über Aufgaben der Kirchen in Europa

Wittenberg/Wien (epd Ö) – Es sei weniger ein Problem für die nächste Generation, „ob wir in der Abendmahlsfrage weiterkommen, aber entscheidend, ob wir Luft haben, die wir noch atmen können“. Man müsse überlegen, „ob die Lehrstreitigkeiten zwischen den Kirchen noch aktuelle Probleme sind oder nicht andere“. Das sagte die Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Dr. Hannelore Reiner, gegenüber epd Ö nach einem Treffen von mehr als 150 evangelischen, katholischen und orthodoxen KirchenvertreterInnen aus ganz Europa in der Lutherstadt Wittenberg. Das Treffen hatte am Donnerstag, 15. Februar, begonnen und endete am Sonntag, 18. Februar, mit einem ökumenischen Segensgebet in der Wittenberger Schlosskirche. Die Beratungen der KirchenvertreterInnen beschäftigten sich mit den Aufgaben der Kirchen im zusammenwachsenden Europa und einer gemeinsamen Zukunft der Konfessionen. Die Tagung in Wittenberg stellte die dritte Etappe zur Vorbereitung der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) dar, die im September im rumänischen Sibiu/Hermannstadt stattfinden wird.

 

Evangelium wieder auf den Leuchter stellen

 

Dort sollen verstärkt auch ökologische Aspekte betont werden, kündigte Reiner an. Bei der vorbereitenden Tagung in Wittenberg wurde überlegt, in Hermannstadt einen Wald zu pflanzen – in einer Umgebung, die durch umfangreiche Rodungen stark belastet ist, ein „Zeichen für die Zukunft“, so Reiner. Geprägt habe die Beratungen auch der Tagungsort Wittenberg, von dem sich der reformatorische Impuls, „das Evangelium wieder auf den Leuchter zu stellen“, nach ganz Europa ausgebreitet habe. Diskutiert wurde in Wittenberg auch das vorgesehene Programm für die große Kirchenversammlung im Herbst, zu der 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden. ReferentInnen werden am Vormittag verschiedene Aspekte des Rahmenthemas „Das Licht Christi scheint auf uns alle. Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa“ beleuchten, am Nachmittag sind Gruppenarbeiten vorgesehen, angesichts der örtlichen Möglichkeiten „kein leichtes Unterfangen“. Kritisch hinterfragt wurde in Wittenberg etwa die zu geringe Beteiligung von Frauen bei der Leitung der Gruppen, aber auch die angemesse Beteiligung der Orthodoxie, berichtete Reiner, die auch dem Zentralausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) angehört.

 

Köhler: Chance zur Ökumene nicht verspielen

 

Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler forderte in Wittenberg von den christlichen Kirchen Europas neuen Schwung für die Ökumene. In den Gemeinden gebe es den Wunsch nach mehr Gemeinschaft, größerer Annäherung, „gerade in einer Zeit, in der sich die Kirchgänger immer stärker in der Minderheit fühlen“, sagte Köhler. Er warnte davor, die Chance zur Ökumene zu verspielen. Köhler wies darauf hin, dass die Haltung der Kirchen zu ethischen Problemstellungen heute sehr gefragt sei. „Sie können die Chance nutzen, indem sie die Stimmenvielfalt und Verschiedenheit in den Dienst der zentralen Botschaft ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen stellen. Aber sie können die Chance auch verspielen, wenn Verschiedenheit und Streit die Botschaft ihres Glaubens übertönen.“

 

Der Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen, der reformierte Pfarrer Jean-Arnold de Clermont, dankte den Kirchen in Deutschland für die Einladung nach Wittenberg. Die Stadt des Reformators Martin Luther sei ein Symbol für „die fortwährende Reformation“, die die Kirche brauche, um ihre Mission zu erfüllen. „Zugleich werden wir daran erinnert, dass Luther nie eine Trennung wollte, sondern im Gegenteil, Einheit im Vertrauen auf die Botschaft Christi“, sagte Clermont.

 

Leuenberger Konkordie Modell für Zusammenwachsen der Kulturen Europas

 

Das Modell der „versöhnten Verschiedenheit“ der Leuenberger Konkordie kann ein Modell für die Versöhnung und das Zusammenwachsen der Völker und Kulturen Europas sein. Dies stellte Pfarrer Thomas Wipf, Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE, vormals Leuenberger Kirchengemeinschaft) in Wittenberg fest. Wipf verwies in seinem Referat auf die Erfahrungen der europäischen Kirchen mit der Leuenberger Konkordie. Diese habe vor über 30 Jahren die schmerzhafte Trennung zwischen den evangelischen Konfessionen überwunden.

 

Es sei an der Zeit, dass sich die Oberhäupter der Kirchen klar zur Ökumene bekennen, betonte die evangelisch-lutherische Pfarrerin Elfriede Dörr. Sie vertrat Sibiu (Hermannstadt), die rumänische Gastgeberstadt der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung. „Die Gemeinden an der Basis müssen ihren Willen zur Gemeinschaft mit gesunder Sturheit den Kirchenleitungen vermitteln.“ In Rumänien werde beispielsweise ein gemeinsames Abendmahl verschiedener Kirchen ganz selbstverständlich praktiziert, berichtete Dörr. „Streitigkeiten wie in Deutschland wären undenkbar.“ Deshalb sollten Kirchen anstelle von Konflikten Fortschritt importieren.

 

Vorsicht in der Frage nach zukünftiger Entwicklung der Ökumene

 

Bei der Frage nach der zukünftigen Entwicklung der Ökumene blieben die TeilnehmerInnen aus 30 Ländern vorsichtig. ProtestantInnen, KatholikInnen und orthodoxe ChristInnen bekannten sich in der Lutherstadt zwar zur Ökumene, wollten aber keine großen Würfe versprechen. Dazu sei die Angst vor dem Verlust des eigenen Profils auf allen Seiten zu groß, hieß es häufig. Dennoch wolle man die Zusammenarbeit der Kirchen in Europa ausbauen. Optimistisch äußerte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber. Trotz unterschiedlicher Traditionen gebe es viel Gemeinsames.

ISSN 2222-2464