Engagement für Flüchtlinge: Pfarrgemeinden für stärkere Vernetzung

Michael Bubik: Asyl ist Recht, keine Gnade
Michael Bubik: Asyl ist Recht, keine Gnade

Studientag der Generalsynode zum Thema Migration

Wien (epd Ö) – Pfarrgemeinden, die sich für Flüchtlinge engagieren, wünschen sich eine professionelle Begleitung ihrer Arbeit, eine stärkere Vernetzung mit anderen in der Flüchtlingsarbeit tätigen Personen und Institutionen auf diözesaner und gesamtkirchlicher Ebene sowie einen professionellen Ansprechpartner in Diakonie und Kirche. Das sind, wie Oberkirchenrat Karl Schiefermair gegenüber epdÖ erklärte, die Ergebnisse der Arbeitsgruppen des Studientags zum Thema Migration am Montag, 15. November, im Evangelischen Zentrum in Wien. Eingeladen hatten dazu der Missionsrat und der Ausschuss für Weltmission und Entwicklungszusammenarbeit der Generalsynode, die den Studientag zum Jahresthema 2010 initiiert hatte.

Bubik: Bekenntnis zum Recht auf Asyl und zu den Menschenrechten

Michael Bubik, Rektor der „Diakonie Eine Welt“, zu der der Flüchtlingsdienst gehört, kritisierte die Willkür im österreichischen Fremdenrecht. Nach „Gutdünken“ der jeweiligen Regierung werde entschieden, „wer Flüchtling ist oder nicht“. Asyl sei jedoch Menschenrecht und kein Gnadenakt. Bubik forderte ein „uneingeschränktes Bekenntnis der Regierung zum Recht auf Asyl und zu den Menschenrechten“. Menschen würden „willkürlich“ in Haft genommen, Familien auseinandergerissen. Der Rektor kritisierte auch, dass die Zahl der afrikanischen Asylwerber „medial aufgebauscht“ werde, im Vergleich zu anderen Herkunftsländern sei sie „lächerlich gering“. Bubik berichtete auch von den kirchlichen Aktivitäten im Schwerpunktjahr „Migration“. Am „Tag des Flüchtlings“ am 20. Juni hatten sich 128 von 209 Pfarrgemeinden mit Aktionen beteiligt, 18 Pfarrgemeinden hatten ihre Kollekte der Flüchtlingsarbeit gespendet.

Bauer: „Mehr Mut zur Normalität der Zuwanderung“

Als eine „Mär“ bezeichnete der Soziologe Ramon Bauer die Rede von „Zuwanderern, die das Sozialsystem belasten“. Tatsächlich brauche Österreich Zuwanderung, so der Mitarbeiter am Institut für Geografie und Regionalforschung der Universität Wien. Eine Last für das Sozialsystem seien Zuwanderer „höchstens dann, wenn sie nicht ins Erwerbssystem integriert sind“. Derzeit stelle der Familiennachzug die größte Quelle der Zuwanderung dar. Bauer: „Wir holen uns im Moment nicht die Leute ins Land, die der Arbeitsmarkt braucht.“ Bauer plädierte für „mehr Mut zur Normalität“ der Zuwanderung und einen „unaufgeregteren“ Umgang mit dem Thema Migration, „stattdessen ist es populär, die Integrationsfähigkeit von Moslems in Frage zu stellen“. Integration setze voraus, „dass sich alle beteiligen und aufeinander zugehen“, sagte der Wissenschaftler.

Lang-Czedik: „Lebhaftes Interesse an der anderen Seite“

Die Liesinger Pfarrerin Gabriele Lang-Czedik gab beim Studientag Einblick in die Praxis ihrer Pfarrgemeinde, die sich seit vielen Jahren für Flüchtlinge einsetzt. Obwohl das Engagement „nicht immer friktionsfrei“ verlaufen sei, habe die Pfarrgemeinde „nie aufgehört, sich für Flüchtlinge einzusetzen“. In der Begegnung mit Flüchtlingen habe sie immer wieder „großes Interesse an Beziehung“ erlebt, die Gastfreundschaft und religiöse Praxis muslimischer Flüchtlinge habe sie „tief beeindruckt“. Lang-Czedik berichtete auch vom interreligiösen Dialog, der in ihrer Pfarrgemeinde und mittlerweile im Stadtbezirk letztlich aus persönlichen Begegnungen heraus gewachsen sei. Dialog definierte Lang-Czedik als „lebhaftes Interesse an der anderen Seite“; in der Begegnung und im gemeinsamen Feiern „dort, wo es möglich ist“, wachse „viel Vertrauen“.

Heyse-Schaefer: Konkrete Formen des Dialogs kennenlernen

„EPIL“ ist ein europäisches Projekt für interkulturelles Lernen. Beim Studientag stellte die Direktorin der Frauenarbeit, Barbara Heyse-Schaefer, das Projekt vor, dessen neuer Studienkurs im nächsten Jahr beginnt. Innerhalb von zwei Jahren nehmen kleine Gruppen von muslimischen und christlichen Frauen an Reisekollegs teil und lernen an verschiedenen Orten „konkrete Formen des Dialogs“ kennen. Stationen des Reisekollegs sind Zürich, Wien, Sarajevo, Köln und Beirut. Bei den gemeinsamen Treffen gehe es darum, „zu lernen, was die andere ausmacht“. Dabei hätten die Teilnehmerinnen etwa auch erfahren, dass ein vermeintlich islamisch-christliches Problem tatsächlich nicht religiöse, sondern kulturelle Ursachen habe.

ISSN 2222-2464