Ende der Diskriminierung Homosexueller gefordert

Landessuperintendent Karner: Ein Stück Diskriminierung beseitigen – Oberkirchenrat Kauer: Augenmaß fehlt

Wien, 8. August 2001 (epd Ö) Die Evangelische Kirche A.B. und die Evangelische Kirche H.B. in Österreich haben ein Ende der Diskriminierung Homosexueller gefordert. Bei einer Pressekonferenz in Wien wiesen Oberkirchenrat MMag. Robert Kauer von der Evangelischen Kirche A.B. und Hofrat Mag. Peter Karner, Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B., am 8. August darauf hin, dass beide Kirchen zum Thema Homosexualität „gleicher Meinung“ seien, „aber noch nicht die gleichen Konsequenzen“ gezogen hätten. So hätte die reformierte Kirche 1999 bereits eine Segnung für Gleichgeschlechtliche eingeführt, während die lutherische Kirche noch an einer Form für eine Segnung arbeite, sagte Kauer. Im Zuge der gegenwärtigen Diskussion um Paragraph 209 sprachen sich Kauer und Karner für eine Veränderung aus, da, so Kauer „der Paragraph in dieser Form nicht haltbar ist“.

Karner: Ein Stück Diskriminierung beseitigen

Karner bemerkte, dass der Umgang mit der Homosexualität in der Kirche einen ähnlichen Verlauf zeige wie die schließlich erreichte Einführung des geistlichen Amtes für Frauen. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, so Karner, werde in der reformierten Kirche seit 1999 praktiziert. Dabei sei es jeder Gemeinde freigestellt, diese Segnung durchzuführen, Pfarrgemeinden und geistliche Amtsträger hätten „Gewissensfreiheit“. Mit „Rücksicht auf konservative Gruppen“ wäre die lutherische Kirche aber nicht so weit gegangen, erklärte der Landessuperintendent. Mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare hoffe die reformierte Kirche „ein Stück Diskriminierung in diesem Land zu beseitigen.“ Karner: „Wir sind der Überzeugung, damit Gottes Willen zu erfüllen.“

Kauer: Augenmaß fehlt

Der lutherische Oberkirchenrat Kauer bedauerte, dass in der Einstellung zur Homosexualität, „in der gegenwärtigen Situation das Augenmaß fehlt.“ Lediglich dreieinhalb Prozent der Bevölkerung Mitteleuropas seien gleichgeschlechtlich orientiert. Ein „Erdrutsch“ oder „Dammbruch“ sei nicht zu erwarten.“

Zur Gestaltung von Segnungsgottesdiensten sagte Kauer, der synodale Ausschuss für Gottesdienst und Kirchenmusik sei „noch nicht so weit, dass sie sich auf eine Form verständigt hätten.“ Außerdem, so Kauer, müsste das Presbyterium der jeweiligen Gemeinde der Segnung für Gleichgeschlechtliche zustimmen. In der Diskussion um die Homosexualität gebe es „keinen anderen Weg in der Praxis“, als dass die „verschiedenen Meinungen miteinander im Gespräch bleiben.“

ISSN 2222-2464