Empfang für fremdsprachige evangelische Gemeinden

Integrationsminister Sebastian Kurz im Gespräch mit Mitgliedern der taiwanesischen evangelischen Gemeinde in Wien. (Foto: BMEIA/Dragan Tatic)
Integrationsminister Sebastian Kurz im Gespräch mit Mitgliedern der taiwanesischen evangelischen Gemeinde in Wien. (Foto: BMEIA/Dragan Tatic)

Bischof Bünker: „Gemeinsamer Glaube überwindet Unterschiede“

Wien (epdÖ) – Bunt, vielfältig und international: so präsentierten sich die fremdsprachigen evangelischen Gemeinden in Österreich bei einem Empfang im Wiener Außenministerium, zu dem Integrationsminister Sebastian Kurz am 27. Mai geladen hat. Bereits zum dritten Mal trafen sich Protestantinnen und Protestanten aus aller Welt. Ziel des Abends war es, die Gemeinden untereinander besser zu vernetzen sowie die Möglichkeit zur Begegnung mit MitarbeiterInnen des Integrationsministeriums zu schaffen.

„Vor drei Jahren wurde das Integrationsstaatssekretariat gegründet, das mittlerweile im Ministerium für Europa, Integration und Äußeres aufgegangen ist. Von Anfang an war es uns wichtig, den Kontakt mit den Religionsgemeinschaften zu suchen“, erklärte Minister Kurz beim Empfang. Es seien sehr oft die Pfarrgemeinden, bei denen Migrantinnen und Migranten zuerst andocken. Insofern leisteten die evangelischen Gemeinden im Land einen wichtigen Beitrag zur Integration. „Hier funktioniert der Integrationsprozess ganz von selbst“, sagte Kurz. „Im Bereich der Integration zeigt sich auch, dass Religionen nicht Teil des Problems sind, sondern Teil der Lösung.“ Evangelische Gemeinden brächten Vielfalt und stellten eine Bereicherung für Österreich dar, zeigte sich der Minister überzeugt.

Auf den Zusammenhang zwischen Religion und Migration wies auch Bischof Michael Bünker in seinem Grußwort hin. „Religion ist ein ‚portable homeland‘, eine tragbare Heimat, so hat es der US-amerikanische Rabbi Joyce Newmark gesagt. Diese Tatsache beginnt die europäischen Kirchen zunehmend zu prägen“, so Bünker. Viele Religionsgemeinschaften in Österreich verdankten sich heute dem Faktum der Migration. So hätten etwa 40 Prozent der Katholiken in Wien bereits Migrationshintergrund, viele orthodoxe Kirchen verdanken sich der Zuwanderung. Aber auch die Evangelische Kirche hätte nach dem Zweiten Weltkrieg von zahlreichen Flüchtlingen profitiert. „Die Menschen sind auf Wanderschaft, wir sehen diese Entwicklung im Süden stärker als im Norden, in den Städten deutlicher als am Land, aber wir sehen sie überall!“, erklärte Bischof Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist.

Zur Integration können die Evangelischen Kirchen wichtige Beiträge leisten, betonte der Bischof. „Ethnische Unterschiede, unterschiedliche Herkunft, Kultur und Sprache können durch den gemeinsamen Glauben ihre trennende Funktion verlieren. Die Vielfalt wird als Bereicherung dankend entgegengenommen.“ Dieses Zusammenwachsen könne schließlich auch über die Evangelischen Kirchen hinaus wirken, so Bünker. Dabei beschränke sich kirchliches Engagement aber nicht nur auf jene Personen, die freiwillig nach Österreich einwandern, vielmehr bekämen auch jene von der Kirche Unterstützung – etwa durch die Arbeit der Diakonie -, die gezwungenermaßen ihr Heimatland verlassen müssen. Darüber hinaus fordern die Kirchen eine Grundsicherung für alle Menschen, die es ihnen möglich macht, in ihrem eigenen Land eine gesicherte Existenz zu finden.

Neben Bischof Bünker bedankten sich auch der evangelisch-lutherische Oberkirchenrat Karl Schiefermair und der evangelisch-reformierte Oberkirchenrat Johannes Wittich bei Integrationsminister Kurz für die gute Zusammenarbeit. Bei dem Empfang im Integrationsministerium waren die ungarische, finnische, schwedische, dänische, südafrikanische, ghanaische, südkoreanische, taiwanesische und japanische Gemeinde zu Gast sowie Vertreterinnen und Vertreter der internationalen englischsprachigen Gemeinden.

ISSN 2222-2464