Elias Bierdel: Für eine „beherzte“ Öffnung der Grenzen nach Europa

Elias Bierdel: "Wir können nicht mehr weiter auf Kosten unserer Nachbarn wuchern."
Elias Bierdel: "Wir können nicht mehr weiter auf Kosten unserer Nachbarn wuchern."

Auf dem Reformationsempfang prangerte der Menschenrechtsaktivist Elias Bierdel die „Brutalität an den EU-Außengrenzen“ an

Wien (epd Ö) – „Es lohnt sich zu jeder Zeit und an jeder Stelle, gegen offenkundiges Unrecht einzutreten.“ Das erklärte der deutsche Journalist und Menschenrechtsaktivist Elias Bierdel in seinem Festvortrag zum Thema „Über Grenzen. Versuch der Ermutigung in Zeiten der Krise“ beim diesjährigen Reformationsempfang der Evangelischen Kirchen Österreichs in der Aula der Wissenschaften in Wien am 28. Oktober, in dem Fragen der Migration im Mittelpunkt standen. Vor zahlreichen Gästen aus Ökumene, Politik und Zivilgesellschaft sagte der Redner, der an der Fahrt des Hilfsschiffs „Cap Anamur“ teilgenommen hatte, dessen Besatzung wegen der Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge von den italienischen Behörden belangt worden war: „Wir können nicht mehr weiter auf Kosten unserer Nachbarn wuchern.“ Es gehe um die „beherzte Öffnung der Grenzen nach Europa“. „Viele sind dazu bereit, und es werden rasch mehr.“

 

Bierdel verglich die Außengrenzen der EU mit der Berliner Mauer und den Grenzanlagen des Eisernen Vorhangs, denen sie „bis ins letzte Detail“ ähnelten. Es handle sich um eine „beispiellose Brutalität“, die der europäischen Demokratie unwürdig und im Widerspruch zu allem sei, „wozu wir im Glauben stehen müssen“. Bierdel konstatierte eine weltweite Phase des Übergangs, in der die Politiker unsicher geworden seien. Gefordert sei nun die Zivilgesellschaft, die hier eine Chance für die Um- und Neugestaltung des Gemeinwesens habe. Es gehe dabei auch um eine „persönliche Befreiung im Denken und Fühlen“.

 

In einem an den Vortrag anschließenden öffentlichen Gespräch mit dem lutherischen Bischof Michael Bünker erklärte der Festredner, Kirchen, Synagogen oder Moscheen böten Räume, „in denen Menschen sich den essentiellen Fragen aussetzen können“. Viele Menschen fühlten sich heute „im Glauben in die Arme genommen“.

 

Hennefeld: Österreichische Regierung soll sich uneingeschränkt zum Recht auf Asyl bekennen

 

Bei einem „Runden Tisch“ während des Reformationsempfangs verwies Bischof Bünker auf das Bemühen der europäischen Kirchen, bei der EU zu erreichen, dass mit dem Problem Migration verantwortungsvoll umgegangen wird. Der reformierte Landessuperintendent bekräftigte, es sei die Aufgabe der Kirchen, „ihre Stimme zu erheben, wenn es um Humanität und Menschenrechte geht“. Von der österreichischen Bundesregierung forderte Hennefeld ein uneingeschränktes Bekenntnis zum Recht auf Asyl. Der Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich, Pastor Lothar Pöll, hob hervor, dass die Mehrheit der MigrantInnen dem Christentum angehöre. Das verändere das Bild der österreichischen Gemeinden, in denen sie leben. „Sie werden vielfältiger und bunter“, sagte der Superintendent.

ISSN 2222-2464