„Elektra“ am Schauspielhaus Wien

Das Herrscherpaar beim gemeinsamen Frühstück: Vassilissa Reznikoff (li.) als Ägisth, Sebastian Schindegger als Klytaimnestra. Foto: Matthias Heschl
Das Herrscherpaar beim gemeinsamen Frühstück: Vassilissa Reznikoff (li.) als Ägisth, Sebastian Schindegger als Klytaimnestra. Foto: Matthias Heschl

Uraufführung des Stücks von Jacob Suske und Ann Cotten

Wien (epdÖ) – Ägisth ist stets dort, wo die Macht ist – radikal und skrupellos. Jetzt sitzt er neben Klytaimnestra am Frühstückstisch, deren Ehemann Agamemnon die beiden im Komplott ermordet haben. Es gibt viel zu tun in der neuen Regentschaft. Die Wirtschaft in Mykene boomt, und da gilt es, am Ruder zu sein. Jetzt zu Tagesbeginn aber ist zunächst der neue Status zu genießen, das Marmeladebrot zu streichen. Lang war der Weg bis hierher, der Triumph soll genossen werden.

Doch schon warten die neuen Thronräuber und die Rache der Kinder des Getöteten: Orest macht sich bereits auf den Weg. Vollgepackt mit neuen Ideen zur weiteren Steigerung des Wohlstands von Mykene und überall. Doch seine Schwester Elektra will die Rache an dem ermordeten Vater vollziehen. Sie reicht Orest die Axt. Doch dem wurde bereits von der Mutter eine leitende Funktion am Hof angeboten. Und jetzt liegt er in der Badewanne und träumt von neuen prosperierenden Höhenflügen Mykenes. Elektra wird schließlich selbst zur Rächerin an der Mutter und Ägisth sieht dem Familienfluch im grausamen Mordkreislauf still zu.

Jacob Suske, Musiker und Dramaturg am Schauspielhaus Wien, und die in Iowa geborene und in Wien aufgewachsene Lyrikerin Ann Cotten bringen in selbstbewusstem ästhetischen Ausdruck und ironischem zeitkritischen Transfer den mythologischen und dramatischen Elektra-Stoff auf die Bühne des 21. Jahrhunderts. Es sind große Traditionen der Kunst von den antiken Dramen des Sophokles und Euripides bis zu den musikalischen und literarischen Zugängen der Moderne bei Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss wie bei Gerhart Hauptmann oder Jean-Paul Sartre, denen sich die Inszenierung am Schauspielhaus stellt. Das Drama um Macht und Rache im Königshaus als Musterbeispiel der nicht funktionierenden Familie kommt in der komplexen Welt der Gegenwart an.

Komposition und Inszenierung von Jacob Suske verbinden Geschwindigkeit und Abgründe moderner Lebensfragen im facettenreichen Musik- wie Lichtspiel. Das Ensemble mit Jesse Inman (Orest), Sophia Löffler (Elektra), Vassilissa Reznikoff (Ägisth), Sebastian Schindegger (Klytaimnestra) sowie Mirella Kassowitz (Chor & DJ) bietet zahlreiche dramatische wie komödiantische Höhepunkte.

epdÖ/W.P.

„Elektra – was ist das für 1 Morgen?“ Elektronische Kammeroper von Jacob Suske und Ann Cotton. Schauspielhaus Wien, Porzellangasse 19, 1090 Wien. Weitere Spieltermine bis 17. Februar 2018

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ISSN 2222-2464